Anwohner in die Pflicht

Lebensgefahr beim Entkrauten: „Die Leute zeigen mir Vogel und Stinkefinger“

Die Anlieger sollen das Kraut im Kleinpflaster direkt an der stark frequentierten Fahrbahn der Amtsfreiheit selbst entfernen? Francisco Rubio Lutat hält die Vorgaben der Straßenreinigungssatzung für eine Zumutung. Wie nahe ihm Laster, Busse oder auch Trecker beim Entkrauten kommen könnten, deutet dieses Bild an. Im Brummi-Begegnungsverkehr kann es wegen der nicht allzu breiten Fahrbahn sogar noch enger werden.
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Die Anlieger sollen das Kraut im Kleinpflaster direkt an der stark frequentierten Fahrbahn der Amtsfreiheit selbst entfernen? Francisco Rubio Lutat hält die Vorgaben der Straßenreinigungssatzung für eine Zumutung. Wie nahe ihm Laster, Busse oder auch Trecker beim Entkrauten kommen könnten, deutet dieses Bild an. Im Brummi-Begegnungsverkehr kann es wegen der nicht allzu breiten Fahrbahn sogar noch enger werden.

Harpstedt – Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um, besagt ein Sprichwort. Francisco Rubio Lutat sagt von sich, er sei nun nicht gerade der ängstliche Typ. Unmittelbar an der stark befahrenen Harpstedter Ortsdurchfahrt mit Gasbrenner oder Motorsense Kraut aus den Fugen des fahrbahnseitigen Kleinpflasterstreifens im Fußweg zu entfernen, hält er gleichwohl für ziemlich gefährlich. Genau das verlange die Samtgemeinde Harpstedt aber von ihm.

„Ich habe es versucht“, sagt der Amtsfreiheit-Anlieger. „Die Autofahrer haben mich daraufhin angehupt und mir den Vogel oder gar den Stinkefinger gezeigt.“

Die Straßenreinigungspflicht schließt gemäß Satzung das Entfernen „wild wachsender Pflanzen“ ein. Das Kraut sprießt an der Fahrbahnkante der Amtsfreiheit momentan üppig. Das dortige Kleinpflaster stammt aus der alten Ortsdurchfahrt. Es hatte beim Ausbau der Straße vor etlichen Jahren wieder Verwendung gefunden. Auch für Stellflächen. Auch im Parkstreifen zwischen Amtshof und Begegnungsstätte, für dessen Sauberkeit die öffentliche Hand zuständig ist. Dort schießt aber nicht weniger Kraut aus den Fugen.

„Der Bauhof führt regelmäßig die Reinigung der Stellplätze und der Gehweganlage vor den gemeindlichen Liegenschaften durch. In diesem Jahr wächst das Kraut als Folge der Nässe enorm schnell. Aktuell steht auf den Stellflächen an der Amtsfreiheit ein dauerparkender Werbeanhänger im Weg. Das Ordnungsamt kümmert sich gerade darum, dass er verschwindet. Der Bauhof wird die erforderliche Entkrautung in Kürze durchführen können“, heißt es aus dem Amtshof.

Rat müsste über etwaige Satzungsänderung beschließen

Den Anliegern hilft das freilich nicht weiter. Die Straßenreinigungssatzung entbindet sie nur von der Pflicht der Fahrbahnreinigung. Die Nebenanlage, den Fußweg, müssen sie indes selbst sauber halten.

Im Zuge des schon erwähnten Straßenausbaus war die „Amtsfreiheit“ schmaler geworden. Die Fahrbahnbreite liege jetzt bei 5,50 Metern, sagt Francisco Rubio Lutat. Er habe selbst nachgemessen. „Ein Lkw, Trecker oder Bus kann bis 2,80 Meter breit sein“, schrieb er der Samtgemeinde.

Heißt: Im Begegnungsverkehr müssen Brummis mit ihren ausladenden Außenspiegeln zwangsläufig scharf rechts fahren. Was aber, wenn sie dabei Anlieger verletzen, die gerade „wild wachsende Pflanzen“ entfernen? Das Entkrauten sei nur unter Lebensgefahr durchführbar; diese Ansicht teilten auch andere Anlieger der Amtsfreiheit, ließ Francisco Rubio Lutat die Samtgemeinde am 24. August wissen – und bat um „Lösungsvorschläge, wie wir weiter verfahren sollen“.

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Aus dem Amtshof sei angeregt worden, einen Privatwagen zwecks Verkehrsberuhigung an den Straßenrand zu stellen, um gefahrlos entkrauten zu könnten. „Babette Schumacher hat das mal ausprobiert und ihr Auto in Fahrtrichtung Kirchseelte geparkt. Ergebnis: Der Verkehr staute sich weit zurück“, berichtet Francisco Rubio Lutat. Die Fahrzeugschlange reichte nach seiner Kenntnis bis fast an die Fußgängerampel auf der Burgstraße im Bereich der „großen Kreuzung“ heran.

Die Politik hat das Problem inzwischen auf dem Schirm. Der nichtöffentliche Samtgemeindeausschuss sei über die Sachlage informiert worden, so der Erste Samtgemeinderat Ingo Fichter auf Nachfrage unserer Zeitung. Dabei sei durchaus überrascht zur Kenntnis genommen worden, dass die Reinigungssatzung zwar die Fahrbahn der Amtsfreiheit von der Reinigungspflicht der Bürger ausnimmt, nicht aber die Nebenanlage. Über eine etwaige Satzungsänderung hätte der Samtgemeinderat zu beschließen. Francisco Rubio Lutat hofft nun darauf, dass die Politik die Angelegenheit nicht „aussitzt“.

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