Vom Arbeitskräftemangel zum Einbruchsschutz

Handwerk hat „goldenen Boden“ – aber zu wenig Personal

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Über Einbruchsschutzvorkehrungen für Fenster und Türen sprach die Abgeordnete mit Martin Oetken.

Horstedt – Dem Handwerk fehlen inzwischen nicht nur Fach-, sondern generell Arbeitskräfte. Das hat die CDU-Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen am Dienstag während eines Besuchs der Tischlerei Oetken in Horstedt offen ausgesprochen. Dass Handwerk nach wie vor goldenen Boden habe und große Karrierechancen eröffne, müsse im öffentlichen Bewusstsein ankommen. Aber wie?

Tischlermeister Martin Oetken nutzt alle erdenklichen Mittel und Wege, um einen oder zwei zusätzliche Gesellen und einen Lehrling, gern auch Quereinsteiger, zu gewinnen, denn seine Auftragsbücher könnten sogar noch voller sein, wäre da nicht die Personalnot. Er bildet selbst aus, bemüht sich über die Arbeitsagentur, die Innung und mit gut sichtbaren Hinweisen auf Firmenfahrzeugen um Verstärkung. 

Einen Headhunter zu beauftragen, scheidet für ihn indes als Option aus. Aktionen in Anlehnung an den Tag des offenen Handwerks brachten nicht das gewünschte Ergebnis. Beim Jobcenter gelistete Arbeitssuchende seien oft gar nicht (oder nicht mehr) verfügbar, stellt Oetken immer wieder fest. Und mit Ausbildungsplatzbörsen ließen sich leider nicht wirklich diejenigen erreichen, die ein echtes Interesse am Berufsbild haben. Wichtig ist dem 41-Jährigen, dass etwaige Bewerber keine allzu langen Arbeitswege haben und, sofern es sich um EU-Ausländer handelt, einigermaßen fundierte Deutschkenntnisse mitbringen.

Staatliche Anreize lösen das Problem nicht – oder zumindest nur teilweise. Grotelüschen nannte exemplarisch die 4 000-Euro-Meisterprämie bei erfolgreich absolvierter Meisterprüfung sowie auf die Lehrjahre anrechenbare Studienzeiten, die Abbrechern technischer Studiengänge den Quereinstieg ins Handwerk erleichtern.

Ausgerechnet während des Gesprächs mit Martin Oetken passierte etwas Erstaunliches, was so gut wie nie vorkommt: Ein Tischler, der seinen Betrieb aufgeben will, meldete sich telefonisch und bekundete Interesse an einer Anstellung.

Der Horstedter Betrieb erledigt diverse Tischlerarbeiten und baut zudem oft im Auftrag seiner Kunden Fenster und Türen ein. Auch der Einbruchsschutz ist ein Geschäftsfeld. Nicht ohne Grund lenkte Grotelüschen den Blick darauf. CDU und CSU beackern die innere Sicherheit als Kernthema. Die Abgeordnete erwähnte die aktuell laufende – fünfwöchige – Kampagne „Starker Staat“ der Union zum Thema Rechtsstaat. „Wir setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Einer davon ist die Sicherheit in den Netzen. Ein anderer, nämlich die Einbruchskriminalität, steht kommende Woche im Fokus.“

Die Zahl der Einbrüche im Landkreis Oldenburg ist der kürzlich vorgelegten Statistik zufolge rückläufig. Sie ließe sich weiter absenken, wenn mehr Fenster und Türen getreu den Tipps der Polizei gesichert würden. Die Umrüstung muss übrigens nicht zwingend viel Geld kosten, weiß Martin Oetken, der auch als „Errichter“(-Unternehmen für mechanische Sicherungseinrichtungen) beim Landeskriminalamt gelistet ist. Manchmal reiche schon die Anbringung neuer Schließbleche aus; für Fenster gebe es sowohl innen liegende als auch aufgeschraubte Einbruchssicherungsvorkehrungen. Querriegel-Schlösser könnten etwa an Wohnungstüren in Mehrfamilienhäusern Sinn machen.

Astrid Grotelüschen empfahl, sich im Einzelfall auf die Beratungskompetenz der handwerklichen Fachbetriebe zu verlassen. Zugleich propagierte sie die KfW-Förderung für altersgerechtes Umbauen, aus der Ersterwerber und Eigentümer von Immobilien, aber ebenso Mieter auch Investitionszuschüsse für Einbruchsschutz erhalten können (bis zu 20 Prozent der förderfähigen Investitionskosten pro Antrag). Die Einzelheiten sind einem Merkblatt zu entnehmen, das sich online mit den Suchbegriffen „KfW“, „Merkblatt“ und „Zuschuss 455-E“ recht leicht aufspüren lässt.  

boh

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