„Das war ein halber Überfall“

Todesfall de Stefani: Zeuge schockiert über Verhalten der Fahnder

Harpstedt - „Mindestens zehn“ Ermittler, offenkundig von der Steuerfahndung, seien am Dienstagmorgen „mit blauen Handschuhen“ ins Harpstedter Eiscafé Venezia gestürmt, erzählt Udo Z. (Name von der Redaktion geändert). „Das war ein halber Überfall“, sagt der Zeuge. Er wirft den Fahndern einen „menschenunwürdigen“ Umgang mit Inhaber Giuseppe de Stefani vor, der nach all der Aufregung an einem Herzinfarkt verstarb. Den genauen Anlass für die Ermittlungen kennt Z. nicht. Ob es um den Verdacht nicht abgeführter Steuern/Sozialabgaben ging, konnte auch unsere Zeitung trotz Bemühungen um eine Stellungnahme seitens der Staatsanwaltschaft Oldenburg bislang nicht in Erfahrung bringen.

Beim Eintreffen der Fahnder saßen einige Stammgäste im Eiscafé. „Sie sollten raus“, erinnert sich Z. De Stefani habe aber nicht eingesehen, sie wegzuschicken. Wenig später sei er im Bereich des Zigarettenautomaten zusammengebrochen. Immerhin habe einer der Ermittler, der sich mit Erster Hilfe auskenne, „Herz-Lungen-Wiederbelebung“ angewandt. Er habe später gesagt: „Es tut mir sehr leid. Ich hoffe, er kommt durch.“ Die anderen Fahnder hätten nur im Kreis gestanden und „blöd zugeschaut“, während „ich vor Giuseppe kniete und seinen Kopf hielt“, oder aber unbeirrt ihre Arbeit verrichtet. „Während unten ein Mensch im Sterben lag, haben die oben die Wohnung durchwühlt.“ 

Z. bekam das Geschehen dort mit, weil die Tür offen stand. „Was tun Sie hier?“, habe er gefragt – und zur Antwort gekriegt: „Behindern Sie nicht die Ermittlungen!“ Als das Haustelefon des Eiscafés klingelte und Z. einen Anruf von de Stefanis Frau aus Italien erwartete, die sich nach dem Zustand ihres Mannes erkundigen wollte, hätten ihm die Fahnder untersagt, den Hörer abzunehmen. Bis etwa 11.30 Uhr seien die Ermittler geblieben. Sie hätten unter anderem alles Geld aus der Kasse und der Wohnung genommen, offenkundig um es zu zählen, es dann aber wieder zurückgelegt. Z. selbst rief die Polizei auf den Plan. Auf seine Frage, ob er Schritte gegen das rücksichtslose Vorgehen ergreifen könne, habe er gesagt bekommen: „Da können Sie wohl nichts machen.“

Die Rettungs- und Notarztwagen-Besatzungen hätten nach ihrem Eintreffen intensiv um das Leben des Eishändlers gekämpft. De Stefani sollte in der Bremer Klinik „Links der Weser“ versorgt werden. Dort aber kam er nicht mehr lebend an. 

boh

Rubriklistenbild: © dpa

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