Als hätte die Planerin entschieden

Neubaugebiet für Dünsen: Abstimmung im Rat nimmt einen kuriosen Ausgang

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An die Straße „Am Buchenhain“ und den Binsenweg soll das künftige Wohngebiet in Dünsen angebunden werden. Auch einen privaten Stichweg in der Mitte des Gebietes sieht Planerin Franziska Lüders in ihrem Entwurf vor. Oben links sind jene Flächen zu sehen, auf denen zweigeschossige Mehrfamilienhäuser (rot gekennzeichnet) entstehen könnten. Bei der Grundstücksaufteilung in der Skizze handelt es sich um einen Vorschlag der Planerin, der so keineswegs umgesetzt werden muss – und im Übrigen nicht Gegenstand der Bauleitplanung ist. Die Gemeinde Dünsen will auch der Nachfrage nach sehr kleinen Bauplätzen Rechnung tragen. Die hellblau gekennzeichnete Fläche markiert den Standort des – auch wegen der Hanglage nötigen – Regenrückhaltebeckens.

Dünsen - Von Jürgen Bohlken. Wie viele zweigeschossige Mehrfamilienhäuser mit jeweils bis zu vier Wohnungen sollen wo im künftigen Neubaugebiet „Am Buchenhain“ möglich sein? Weil sich die Wählergemeinschaft Dünsen (WGD) und die „Opposition“ aus SPD sowie Dünsener Bürgerliste (DBL) am Montagabend vor 30 Zuhörern in der Zufluchtskirche an dieser Frage entzweiten und die WGD wegen des Fehlens von Heinrich Dittmer-Hohnholz nicht vollzählig am Ratstisch saß, geht nun, als Folge zweier Abstimmungspatts, der Vorschlag von Planerin Franziska Lüders in die öffentliche Auslegung.

Ein durchaus kurioses Ergebnis. Zugleich ein Resultat, mit dem DBL und SPD wohl etwas besser leben können (als die WGD), denn obwohl sie eigentlich nicht die Ratsmehrheit stellen, bildet der Ausgang der Abstimmung zumindest zum Teil ihren politischen Willen ab.

Der Reihe nach: Die WGD wollte vor allem die aktuelle Nachfrage bedienen. Von 26 Bauwilligen aus Dünsen, die Bürgermeister Hartmut Post bislang auf einer Liste vermerkt hat, streben 24 Einfamilienhäuser an.

SPD und DBL hielten es gleichwohl für geboten, stärker den Fokus auf die Schaffung bezahlbareren Wohnraums zu legen. Sie plädierten dafür, die Vorgaben des Bebauungsplans nicht zu eng zu fassen, damit bei entsprechendem Bedarf gegebenenfalls auch mehr als nur zwei Mehrfamilienhäuser möglich wären.

Planerin Lüders stellt geänderten Entwurf vor

Die WGD konnte sich wiederum höchstens zwei solcher zweigeschossigen Baukörper mit jeweils bis zu vier Wohnungen vorstellen – und zwar auf einem Areal neben dem Spielplatz. Das hatte sich noch vor Kurzem mit den Überlegungen von Franziska Lüders gedeckt. 

Die Planerin rückte aber eigenständig davon ab. Sie präsentierte dem Rat jetzt überraschend einen geänderten Entwurf, der im nordwestlichen Zipfel des Baugebietes Wohngrundstücke für zwei mögliche Mehrfamilienhäuser vorsah. Das Areal beim Spielplatz wäre dafür aus ihrer Sicht weniger geeignet; wegen des ungünstigen Zuschnitts eines Eckgrundstücks ließen sich dort die benötigten Stellflächen nicht so gut anordnen, argumentierte die Planerin.

Der SPD-Fraktion sagte der von Lüders überarbeitete Entwurf durchaus zu; die Sozialdemokraten hätten aber gern zusätzlich auch auf einer Fläche im südöstlichen Teil des B-Plan-Geltungsbereichs zweigeschossige Mehrfamilienhausbebauung möglich gemacht. Uwe Kräkel erhob das zum Antrag. SPD und DBL stimmten dafür; die WGD votierte dagegen. Das Ende vom Lied: Kräkels Antrag scheiterte an einem Abstimmungspatt (fünf Ja- und fünf Nein-Stimmen).

Mehrfamilienhäuser nur neben dem Spielplatz?

Andrea Schadwinkel beantragte ihrerseits für die WGD, nur auf den Flächen neben dem Spielplatz Grundstücke für zwei zweigeschossige Mehrfamilienhäuser vorzusehen. Sie erlitt ebenfalls Schiffbruch. SPD und DBL stimmten gegen den Antrag. Der WGD fehlte die Stimme von Heinrich Dittmer-Hohnholz, um sich durchsetzen zu können. Der Ratsherr sei wegen der Teilnahme an einer Treibjagd nicht da, hieß es.

Am Ende mutete es fast so an, als hätte Franziska Lüders unbeabsichtigt eine politische Entscheidung getroffen: Denn ihr Vorschlag, der zweigeschossige Bebauung nur im nordwestlichen Zipfel vorsieht, fließt nun im Beteiligungsverfahren mit ein. Den Aufstellungs- und Auslegungsbeschluss befürworteten sieben von zehn Ratsmitgliedern. Seitens der WGD gab es zwei Gegenstimmen und eine Enthaltung.

Ob die Gemeinde Dünsen auf den Grundstücken, auf denen Mehrfamilienhäuser entstehen könnten, Miet- oder Eigentumswohnungen anstrebt, ist übrigens noch unklar. Das hat die Kommune gleichwohl ein Stück weit selbst in der Hand, denn ihr gehört das Bauland; sie vermarktet es und legt zu gegebener Zeit die Vergaberichtlinien fest. Eine „komfortable Situation“ nannte das Planerin Franziska Lüders.

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