Post sichert entschiedenes Vorgehen zu

Geld-Diebstähle aus Kondolenzbriefen: „Interne Security eingeschaltet“

Ein Mann wirft einige Briefe in einen Briefkasten der Deutschen Post.
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Wer Briefe in den Postkasten wirft, geht davon aus, dass sie ankommen. Es passiert gleichwohl gelegentlich, dass sie die Adressaten nicht erreichen. Deshalb: Geld möglichst nicht als Normalbrief verschicken! (Symbolbild)

Die Familie von Kerstin Wolle aus Harpstedt hatte zuletzt zahlreiche Kondolenzbriefe erhalten - doch es fehlte mitgeschicktes Geld. Nun reagiert die Post.

Harpstedt/Beckeln – „Diesem Verdachtsfall gehen wir mit aller Konsequenz und Entschiedenheit nach. Selbstverständlich haben wir unsere interne Security eingeschaltet und kooperieren eng mit den zuständigen polizeilichen Dienststellen. Sollten wir Personen innerhalb des Betriebs eine Straftat nachweisen, werden wir sie unverzüglich vom Dienst suspendieren und Hausverbot erteilen. Wir können mittlerweile fast sicher ausschließen, dass sich der Diebstahl in der Zustellung ereignet hat. Aus ermittlungstaktischen Gründen kann ich mich leider nicht weiter zu dem Fall äußern.“

Mit diesem Statement hat Post-Pressesprecher Stefan Laetsch auf unseren Bericht über Kerstin Wolle aus Harpstedt reagiert, die geschildert hatte, ihre Familie sei um Geldbeigaben aus postalisch zugestellten Kondolenzbriefen gebracht worden. Rund ein Drittel dieser Post habe der unbekannte Täter geöffnet und wieder zugeklebt. Danach habe in vielen Umschlägen das von den Absendern beigelegte Geld gefehlt. Geschätzte 150 bis 200 Euro seien gestohlen worden, so Kerstin Wolle.

Nach eigener Darstellung hatte sie den Briefträger mit einem Stapel Trauerpost an der Haustür abgepasst. Demnach könnten diese Briefe eigentlich nur durch die Hände der Post gegangen sein.

Was die Familie Wolle und weitere Betroffene in der Gemeinde Beckeln nach Trauerfällen erlebt haben, ist so oder ähnlich auch anderen widerfahren. Hat die Post im Coronajahr 2020 ein größeres Problem mit Unterschlagungen von Kondolenzbriefen und Diebstählen von darin befindlichen Geldbeträgen? Dieser Eindruck drängt sich nach den wahrhaft überraschenden Reaktionen auf unseren Bericht über den Harpstedter Vorfall fast auf.

Günter Kastendieck, Archivpfleger des Samtgemeindearchivs im Harpstedter Amtshof, outete sich ebenfalls als Geschädigter: Am 28. November habe er in Klosterseelte einen „neutralen“ Brief – ohne schwarzen Trauerrand – an die Witwe seines verstorbenen ehemaligen Kollegen in den Postbriefkasten geworfen. Zunächst habe er darauf keine Reaktion bekommen, obwohl er mit der Frau in Kontakt gestanden habe. „Nun hat sie mir auf meine heutige Nachfrage geantwortet, dass kein Brief in Delmenhorst angekommen ist. Also ist nicht nur Harpstedt oder Beckeln davon betroffen“, erläuterte Kastendieck am Mittwoch per Mail.

Ehemaliger Polizist unter den Geschädigten

Sigrun Reimer aus Neubruchhausen berichtete von zwei am 5. Oktober dieses Jahres persönlich von ihr in Bassum abgeschickten Kondolenzbriefen, die für unterschiedliche Empfänger bestimmt waren: Einer sollte an ein Trauerhaus in Neubruchhausen gehen und der andere, der 30 Euro Bargeld als Beigabe enthalten habe, an trauernde Verwandte in Osterholz-Scharmbeck. Beide hätten die Adressaten gar nicht erst erreicht (wie im Fall Kastendieck). „Dass der Brief mit dem Geld abhandengekommen ist, habe ich nur zufällig bei der Beerdigung erfahren, an der wir wider Erwarten doch teilnehmen konnten, was zunächst aufgrund der Corona-Bedingungen nicht geplant war. Normalerweise hätten wir die Karte selbst direkt dorthin mitgenommen“, so Sigrun Reimer. Dass ihre persönlichen Worte der Anteilnahme die Trauernden „nicht erreichten“, wiege für sie fast noch schwerer als der Verlust des Geldes. Genauso wie ihr erging es ihrem Schwager Manfred, der früher selbst eine Polizeidienststelle im Kreis Osterholz leitete und seit acht Jahren pensioniert ist. Er habe, so schildert er, für das besagte Trauerhaus in Osterholz-Scharmbeck ebenfalls am 5. Oktober einen Kondolenzbrief mit 30 Euro eingeworfen – in einen Briefkasten der Post in seinem Wohnort Ritterhude. Auch der sei nicht angekommen, beklagt der 70-Jährige. Gleiches sei mit einem Brief aus Oyten passiert, von dem ihm sein Cousin erzählt habe. „Ob da Geld drin war, weiß ich allerdings nicht“, äußerte sich Manfred Reimer in einem Telefonat mit unserer Zeitung.

Was er selbst als Geschädigter erlebt hat, ist aktenkundig: Der 70-Jährige hatte die Unterschlagung und Verletzung des Briefgeheimnisses bei der Polizei angezeigt. Auch in Anbetracht seiner eigenen Berufserfahrung als Polizist findet der Ritterhuder die Häufung solcher Vorfälle auffällig. Er vermutet – wie in unserem Bericht über die Familie Wolle beschrieben – einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie.

Reaktionen auf Kondolenz-Diebstahl: Von „respektlos“ bis „beschämend“

Sonst, in normalen Zeiten, „geben viele Leute solche Kondolenzbriefe bei der Beerdigung in der Friedhofskapelle ab“, weiß er. Nun aber müssten Beisetzungen auf einen engen Kreis von Teilnehmern begrenzt bleiben. Will heißen: Briefe aus Anteilnahme werden vermehrt auf dem Postweg verschickt. Es erscheint nicht so abwegig, dass sie vielleicht gerade deswegen das Interesse etwaiger „schwarzer Schafe“ wecken, die vor Diebstahl nicht zurückschrecken. Das Problem seien aber nicht nur die Trauerkarten, geht aus Facebook-Posts hervor, die auf den Bericht von Kreiszeitung und Wildeshauser Zeitung reagieren. „Als unser Sohn 2017 Konfirmation hatte, sind nachweislich einige Karten mit Geldgeschenken gar nicht erst angekommen. Da habe ich mich auch gefragt, wer so etwas macht. Sehr gut, dass das Thema endlich mal öffentlich gemacht wird“, merkte Katja Bruns aus Harpstedt an.

„Das hatten wir auch Ende September in Kirchseelte. Unsere Großtante war darüber sehr enttäuscht“, heißt es in einem anderen Kommentar mit Bezug zum Fall der Familie Wolle. „Oh, an so was habe ich nicht mal gedacht. Wir hatten uns nur gewundert, dass unsere Einladung zu einer Trauerfeier geöffnet im Briefkasten lag“, äußerte sich Frank Nowottnick aus Harpstedt. Geld sei nicht im Briefumschlag gewesen, aber am Kuvert „war klar zu erkennen, dass es sich um eine Trauerkarte handelte“, erläuterte er auf Nachfrage.

Vorfälle offenbar nicht nur in Harpstedt und Umgebung

Aus Posts in der Facebookgruppe „Weltstadt Harpstedt“ spricht auch Verärgerung über Verletzungen des Briefgeheimnisses und Diebstählen von Geldbeigaben. Von „respektlos den Trauernden gegenüber“ und „einfach nur beschämend“ bis hin zur Erkenntnis, die Menschen würden „immer schlimmer“, reicht die Bandbreite.

Was auffällt: Die Schilderungen der Vorfälle kommen nicht nur aus Harpstedt und Umgebung, sondern aus einem weit größeren Gebiet. Ein Hinweis darauf, dass die Verantwortlichen eher nicht in den Reihen der Zusteller zu suchen sind, wie Pressesprecher Laetsch angedeutet hat. Wo dann? In der Postverteilkette? Im Briefzentrum Bremen? Das müssen die Ermittlungen ergeben. Bleibt im Interesse der Geschädigten zu hoffen, dass sie zum Erfolg führen und der oder die Täter dingfest gemacht werden können.

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