Viele Lehrkräfte wollen wohnortnah arbeiten / Mehrkosten für Fachräume der Oberschule

Grundschulkollegium: Hohe Fluktuation

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In Sachen Ausstattung können sich die Grundschule Harpstedt und die benachbarte Oberschule nicht beklagen. 

Für vergleichsweise dürftig ausgestattet hält die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die deutschen Grundschulen. Das geht aus dem aktuellen Bildungsbericht hervor. In Harpstedt gibt es indes keinerlei Anlass zur Klage. Im Gegenteil: Grundschulrektor Ufke Janssen hat der Samtgemeinde während der jüngsten Sitzung des Schul- und Sozialausschusses ein Lob ausgesprochen: „Wir sind super ausgestattet. Das hier ist eine tolle Schule“, urteilte er. Das Gebäude sei „ein Pfund“. Manche Dinge seien zwar alt, aber solange sie repariert würden, sei „alles gut“.

Harpstedt - Janssen hat seit 1995 in verschiedenen Kommunen Schulen geleitet und kann daher durchaus vergleichen. Er habe noch nirgends „so entspannt“ wie in Harpstedt wirtschaften können.

Für den ganz „großen Wurf“, also für eine üppige Lehrmittel-Aufstockung, reiche das Budget allein freilich nicht. Schulleitung und Kollegium wollen sondieren, welche Anschaffungen aus Schulsicht wünschenswert und nötig wären. Auch eine Prioritätenliste soll erarbeitet werden. Bis die Samtgemeinde das fertige Konzept vorgelegt bekommt, könne es aber „ein bisschen dauern“.

Digitalpakt: Ein Konzept muss her

Die Ausstattung mit Whiteboards (elektronischen Wandtafeln) sei, so der Rektor, zur Hälfte erledigt; „die andere Hälfte“ solle in diesem Jahr folgen. Janssen streifte zudem kurz den Digitalpakt. Um etwas vom „Kuchen“ abbekommen zu können, muss ein Konzept her. Damit befasst sich die Schule in Absprache mit der Samtgemeindeverwaltung und einem Berater der Landesschulbehörde. „Solange die Daten hier nicht ankommen – und das tun sie ja noch nicht – müssen wir uns aber nicht überschlagen“, so der Rektor mit Blick auf die derzeit nicht hinreichende Leitungsinfrastruktur.

Die Unterrichtsversorgung der Grundschule Harpstedt liege im Moment „nahe an 100 Prozent“. Das Lehrerkollegium habe sich gleichwohl – nicht zuletzt wegen rückläufiger Schülerzahlen – verkleinert: Vier Kräfte seien gegangen; eine sei neu hinzugekommen. Auch gebe es eine hohe Fluktuation. Die habe zur Folge, dass immer wieder neue Lehrer rekrutiert werden müssten. „Damit überhaupt noch jemand herkommt“, so Janssen, sei es wichtig, mit einer „schönen Schule“ punkten zu können.

Harpstedt: Häuslich niederlassen in der Samtgemeinde

Das Ausmaß der Fluktuation ließ aufhorchen: Seit Janssen und Konrektor Woldemar Schilberg die Grundschule Harpstedt leiten, sei „die Hälfte des Kollegiums ausgetauscht“ worden, so der Rektor. Der Hauptgrund sind lange Fahrwege; Lehrkräfte blieben und bleiben häufig nicht dauerhaft in Harpstedt, weil sie wohnortnah arbeiten wollen – etwa in Steinfeld oder Cloppenburg, besonders oft aber in Oldenburg.

Klaus Budzin (SPD) regte Anreize an, die vielleicht dazu ermuntern könnten, dass sich Lehrer in der Samtgemeinde häuslich niederlassen – in Form von Bonuspunkten bei der Vergabe von Baugrundstücken oder zinslosen Baudarlehen. Eine Diskussion über die Frage der Zulässigkeit und Machbarkeit solcher Maßnahmen sowie über deren Erfolgsaussichten blieb aus.

Auf eine Anfrage von Regina Huntemann (Grüne) erwiderte Ufke Janssen, dass Eltern eine Schullaufbahnempfehlung bekämen, wenn „sie danach fragen“, was fast alle Erziehungsberechtigten täten. Seit Beginn des neuen Schuljahres besuchen 36 Absolventen der Grundschule Harpstedt das Gymnasium (genauso viele wie die Oberschule). Welche Auswirkungen der freie Elternwille als maßgeblicher Faktor der Schullaufbahnentscheidung hat, verhehlte Janssen nicht: „Ohne Prophet zu sein, kann man aus Erfahrung davon ausgehen, dass in den ersten zwei Jahren am Gymnasium locker ein Drittel bis die Hälfte der Kinder scheitert. Da stellt sich die Frage, wie viele davon nach Harpstedt zurückkommen und auf die Oberschule gehen und wie viele auf die Wildeshauser Realschule wechseln. Das können wir natürlich nicht vorhersehen.“

650.000 Euro für Sanierung von Fachräumen

Einen Bericht über die Entwicklung der Oberschule Harpstedt trug Konrektorin Ute Hegen vor. Klaus Budzin erkundigte sich mit Blick auf die anstehende Sanierung der naturwissenschaftlichen Fachräume. „Da sprechen wir jetzt nicht mehr über 400 000, sondern über 650 000 Euro. Die geben wir gerne, aber es wäre schon schön zu wissen, was das Ganze beinhaltet. Man könnte ja mal positiv darstellen, was alles gemacht werden soll.“ Bei alten Gebäuden tauchten immer wieder Überraschungen auf, „die keiner auf dem Schirm hatte“, spielte Verwaltungschef Herwig Wöbse auf Mehraufwendungen an, die sich aus Handlungsbedarf an der Elektrik (Haupt-/Unterverteilung) ergeben. Hinzu kämen die generell steigende Tendenz bei der Baukostenentwicklung und der Umstand, dass Fachräume durchaus schwierig zu planen seien.

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