Grundsätzliche Diskussion über das Für und Wider der Windkraft im Planungsausschuss

Wolfgang Krössing: „Es geht nur um die Kohle“

Harpstedt/Beckeln - Im Fachausschuss für Bau, Umwelt und Planung der Samtgemeinde Harpstedt entwickelte sich am Donnerstagabend im Gasthaus Beneking in Beckeln vor dem Hintergrund der Ausweisung neuer Sonderbauflächen für die Windenergie eine grundsätzliche Diskussion über das Für und Wider der Windkraft, angeschoben von Wolfgang Krössing. Der HBL-Ratsherr outete sich als Gegner der Strom erzeugenden Mühlen im Binnenland. „Ich kann nicht verstehen, warum man sich die Landschaft mit den Dingern zupflastert“, sagte er, begleitet von Zuhörer-Beifall.

„Wir haben eine Mordsdiskussion über die 380-kV-Hochspannungsleitung. Es heißt, dadurch ändere sich das Landschaftsbild. Ja, sehen denn Windräder schöner aus? Uns liegen Gutachten zu Fledermäusen, Brut- und Gastvögeln vor. Aber was ist mit den Menschen, die sich mit den Windrädern herumschlagen müssen? Dazu habe ich noch kein einziges Gutachten gesehen“, beklagte Krössing. Letztlich gehe es doch „nur um die Kohle“. In den Sitzungsunterlagen lese er, eine konkrete Ermittlung der Schallimmissionen sei derzeit nicht möglich, weil der Geräuschpegel abhängig sei von der tatsächlichen Anzahl der Anlagen und deren Lage zueinander. „Wenn die erst einmal stehen, was sagen wir den Leuten dann?“, fragte sich Krössing. Nach seiner Überzeugung wird sich nach dem Bau der Windräder „der eine oder andere“ entsetzt fragen: „Oh Gott, was haben wir da denn gemacht?“

Der Ausschussvorsitzende Günter Wöbse (CDU) stimmte teilweise zu. Mit Meinungsäußerungen eckte er bei Götz Rohde (Bündnis 90/Die Grünen) an. Zwar dürfe Wöbse seine persönliche Ansicht schildern, dann aber bitteschön als Ratsherr nach vorübergehender Abgabe des Ausschussvorsitzes. Was die inhaltliche Diskussion anging, so empfahl Rohde, sich in Erinnerung zu rufen, dass die Samtgemeinde das F-Plan-Änderungsverfahren angestrengt habe, um die Privilegierung zu vermeiden – um zu verhindern, dass überall im Außenbereich Windenergieanlagen gebaut werden können. Die nach zwei schwerwiegenden Atomunfällen binnen 25 Jahren beschlossene Energiewende sei letztlich eine „gesamtgesellschaftliche Entscheidung“ gewesen. „Ich glaube“, so schloss Rohde unter Applaus, „es steht der gesamten Gesellschaft auch gut an, sie mitzutragen.“

Wenn Deutschland das Klimaziel erreichen wolle, „müssen wir uns rühren“, so Hartmut Post (CDU). Atomkraftwerke seien nicht mehr gewollt. Gegen regenerative Energieanlagen rege sich Widerstand. „Aber irgendwie“, so Post, müsse es ja weitergehen, denn Haushalte und Industrie bräuchten nun einmal Energie. Der ländliche Raum sei von der Energiewende naturgemäß sehr betroffen, weil „man die Anlagen ja in der City in Delmenhorst oder in Bremen schlecht hinstellen kann“.

boh

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