47 Jahre für die Viehvermarktung finden eine gebührende Würdigung

Großer Bahnhof für den „Schweine-Heiner“

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Geschäftsführung, Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisen-Viehvermarktung (RVV) Harpstedt-Barnstorf-Twistringen bereiteten Heiner Göbberd (6.v.r.) am Donnerstagabend im Koems-Saal zur Verabschiedung in den Ruhestand einen „großen Bahnhof“.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Einen klapprigen „Drahtesel“ bekam der langjährige Geschäftsführer der Viehvermarktung (VVG) Harpstedt-Heiligenrode am Donnerstagabend während der Generalversammlung der Raiffeisen-Viehvermarktung (RVV) Harpstedt-Barnstorf-Twistringen im Jahr eins nach der Fusion vor rund 250 Mitgliedern im Koems-Saal zu seiner Verabschiedung geschenkt. Das „Stahlross“ hatte Symbolcharakter.

Es steht für ein neues Fahrrad, das sich Göbberd kaufen darf, um sich radelnd den Ruhestand zu versüßen, der für ihn am 29. April mit dem Erreichen des 65. Lebensjahres beginnt. Obendrein gab’s Sekt sowie einen Präsentkorb – und Blumen für seine Frau Ursel.

47 Jahre Einsatz für die Viehvermarktung, davon 20 Jahre als VVG-Geschäftsführer und vier vorangegangene als Stellvertreter, fanden eine gebührende Würdigung durch diverse Laudatoren. Der frühere VVG-Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich Dittmer-Hohnholz, einer der Wegbegleiter, ließ den Werdegang des verdienten Genossenschaftlers Revue passieren.

Göbberd absolvierte nach der Schulzeit zunächst eine landwirtschaftliche Ausbildung auf dem elterlichen Hof. Eher zufällig kam die Begegnung mit dem damaligen VVG-Geschäftsführer Bernhard Wöbse zustande. Letzterer hielt an der Berufsschule Osterbinde einen Vortrag. „Heiner fiel ihm als besonders interessierter Schüler auf“, plauderte Dittmer-Hohnholz aus dem Nähkästchen. Schnell sei klar gewesen: „Den müssen wir haben!“ Der 18. Geburtstag war für Göbberd am 29. April 1969 zugleich der erste Arbeitstag bei der Genossenschaft, die damals noch Viehverwertung Harpstedt hieß und seinerzeit bereits rund 80 000 Tiere jährlich handelte. Dort durchlief der jetzt fast 65-Jährige zunächst eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann. Vom 1. Oktober 1971 an war er als Aufkäufer tätig. „Heiner fuhr herum und kaufte Schlacht- und Zuchtvieh ein. Oft genug hat er es selbst abgeholt oder geliefert“, so Dittmer-Hohnholz. Seine umfangreichen Fachkenntnisse „in Sachen Schwein“ und eigene Erfahrungen, die er gern weitergegeben habe, hätten ihm im Kundenkreis schon mal den Beinamen „Schweine-Heiner“ eingebracht.

Seine Verantwortung im Unternehmen wuchs. Am 14. Oktober 1991 erfolgte die Bestellung zum stellvertretenden Geschäftsführer. „Verantwortung und Pflichtbewusstsein waren immer ein wichtiger Teil von dir“, lobte Dittmer-Hohnholz. Ob früh morgens, spät abends oder an Wochenenden – Göbberd, der bis zum Ausscheiden aus dem Berufsleben geschäftsführendes Vorstandsmitglied der RVV bleibt, sei immer für das Unternehmen dagewesen. „Vielleicht liegt es an deiner Herkunft, dass du neben dem Büroalltag die Abwechslung in der Praxis brauchtest“, mutmaßte Dittmer-Hohnholz, „ob nun beim Verladen an der Rampe oder beim Fahren von Vieh.“ So manches Mal habe Göbberd selbst „ein paar Sauen von den Kunden abgeholt“. 1995 trat er die Nachfolge von Bernhard Wöbse als VVG-Geschäftsführer an. Den Mitarbeitern gegenüber habe er immer „ein

„Treibende Kraft bei der Fusion“

hohes Maß an Verantwortung“ entgegengebracht. „Ein vernünftiges Miteinander hat bei dir Priorität.“

Göbberd sei die „treibene Kraft“ bei der Verschmelzung mit der RVV Twistringen-Barnstorf gewesen. Er habe früh gewusst, dass der Strukturwandel eine „Mengenbündelung“ erfordere. „Mit dem Ergebnis einer gut aufgestellten Genossenschaft Harpstedt-Barnstorf-Twistringen ist auch der dir sehr wichtige Wunsch nach Erhalt des Standortes Harpstedt in Erfüllung gegangen“, resümierte Dittmer-Hohnholz. Zur Vorbereitung seines Ausscheidens habe es sich Göbberd nicht nehmen lassen, „die Kunden im Harpstedter Gebiet zu besuchen und ihnen den für sie zuständigen neuen Ansprechpartner vorzustellen“. Auch diplomatisches Geschick zeichne ihn aus. Seine Frau Ursel habe ihm den Rücken freigehalten und sei nie böse gewesen, „wenn wieder mal jemand am Sonntag anrief und irgendetwas Unwichtiges mit ihrem Mann besprechen wollte“.

Stets ein offenes Ohr für die Kunden, in der Sache hart, aber immer bestrebt, dass „alle zu ihrem Recht kommen“ – so porträtierte Herwig Wöbse den Ruheständler in spe. Der heutige Bürgermeister der Samtgemeinde Harpstedt stand als Vorsitzender an der Vorstandsspitze, als Göbberd die Geschäftsführung übernahm. Dessen Mentalität habe viel dazu beigetragen, dass es gelungen sei, die VVG nach vorn zu bringen. Göbberd habe „mit wenigen Leuten super Arbeit“ geleistet. Eine Frage trieb Wöbse aber mit etwas Sorge um: „Was macht Heiner, wenn er im Ruhestand ist?“ Vor dem Hintergrund der Kommunalwahl versuchte der Amtshof-Chef ihm eine Kandidatur für ein Mandat schmackhaft zu machen, womöglich sogar für den Kreistag. „Dann könntest du über die Veterinäre bestimmen“, sagte er schmunzelnd. „Wenn du die Zukunft so angehst wie die Vergangenheit, wird dir alles gelingen.“

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