Geschwindigkeitsmesswoche im Kreis

Blitzer am Straßenrand: Bei Vorsatz wird’s doppelt so teuer

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Zu schnell? Polizeihauptkommissar Michael Lüken hat einen potenziellen Temposünder im Visier. Rechts der Vizepräsident der Polizeidirektion Oldenburg, Bernd Deutschmann.

Gross  Ippener - Es dauert keine 20 Minuten, bis Beamte der Polizeiinspektion (PI) Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch den ersten extremen Tempo-„Ausreißer“ bei der eingerichteten Messstelle an der L 776, am Rande der Gemeinde Groß Ippener in Höhe der Einmündung Schüttenkamp, zur Rede stellen.

Bei erlaubten 70 Kilometern pro Stunde hat der männliche Autofahrer 124 km/h auf dem Tacho gehabt. Die schmerzhaften Nachwehen kommen garantiert – in Form eines einmonatigen Fahrverbots und zweier Punkte in Flensburg. Plus 160 Euro Bußgeld – wenn’s gut für den „Raser“ läuft, muss einschränkend ergänzt werden, denn: „Extreme Tempoüberschreitungen können die Gerichte als Vorsatz werten. Tun sie das, verdoppelt sich das Bußgeld“, weiß Polizeihauptkommissar Michael Lüken. Der 53-Jährige gehört seit viereinhalb Jahren einer „Verfügungseinheit“ an, die schwerpunktmäßig Tempoverstöße im Blick hat.

Noch bis einschließlich Sonntag läuft auf dem gesamten PI-Gebiet eine Geschwindigkeitsmesswoche. Eben diese Aktion veranlasst den Vizepräsidenten der Polizeidirektion Oldenburg, Bernd Deutschmann, der Messstelle in Groß Ippener einen Besuch abzustatten. Die Kollegen der PI verwenden ein Lasermessgerät des österreichischen Herstellers Riegl. Damit visieren sie stets das Kennzeichen an, auch weil es gut reflektiert. Von bis zu 5000 Infrarotstrahlen, die das Gerät aussendet, müssen mindestens 400 bis 500 zurückkommen; nur dann sei die zwischen 0,4 und einer Sekunde dauernde Messung verwertbar, erklärt Lüken Pressevertretern, die eingeladen worden sind, um sich selbst ein Bild zu machen. 

Das Gerät werde jährlich geeicht. Die Beamten, die es zumeist nach dem Vier-Augen-Prinzip verwenden, seien speziell ausgebildet worden. Obligatorisch sei für sie jeweils das Ausfüllen eines Messprotokolls. „Das alles ergibt in der Summe die Gerichtsfestigkeit der Messung“, sagt Lüken.

Binnen der ersten Stunde „lasern“ er und seine Kollegen sechs Temposünder. „Man kriegt mit der Zeit ein Gefühl dafür, ob jemand zu schnell unterwegs ist oder nicht“, verrät der 53-Jährige.

Hauptunfallursache: Zu hohes Tempo

„Verkehrssicherheitsarbeit gehört zu den polizeilichen Kernaufgaben. Zu hohe Geschwindigkeiten sind nach wie vor die Hauptunfallursache. Im Zuständigkeitsbereich der Direktion Oldenburg nehmen wir jährlich ungefähr 48.000 Verkehrsunfälle auf. 96 Menschen kamen 2017 auf den Straßen zu Tode. Rund 1400 erlitten schwere Verletzungen. Das ist für unsere Polizeidirektion Grund genug für Geschwindigkeitsmesswochen“, erläutert Bernd Deutschmann.

In der PI Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch seien alle Kommissariate involviert, ergänzt Lüken. „Messwoche“ bedeute aber eben nicht, dass nur an diesen sieben Tagen gemessen werde, betont er. Das geschehe permanent. Warum aber gerade an der L 776 nahe Delmenhorst? „Der Abschnitt liegt zwischen den beiden Autobahnknotenpunkten A28 und A1. Hier werden im 70er-Bereich teils sehr hohe Geschwindigkeiten gefahren. Wir haben diese Strecke im Auge. Sie ist zwar kein Brennpunkt, aber uns wäre natürlich nicht damit gedient, wenn wir sie zu einem Brennpunkt werden ließen. Und wenn ich höre, welche Geschwindigkeiten hier heute schon gefahren worden sind, bestärkt mich das in meiner Überzeugung, dass wir an dieser Stelle genau richtig sind“, urteilt Deutschmann.

Sinn erklären und Vorurteile abbauen

Die Geschwindigkeitsmesswoche habe auch zum Ziel, mit den Temposündern an Ort und Stelle ins Gespräch zu kommen. Die werden daher bewusst rausgewinkt. „Wir wollen ihnen den Sinn der Messungen erklären und Vorurteilen entgegentreten, die da lauten, wir betrieben Wegelagerei oder Abzocke“, erklärt der PD-Vizepräsident. Um Ausreden seien die Temposünder nicht verlegen. Von „Ich war unaufmerksam“ bis hin zu „Ich hatte etwas zu Hause vergessen“ reiche das Spektrum. Den Satz „Sie haben recht“ hören die Beamten indes eher selten, lässt Lüken durchblicken. Mancher sage erst gar nichts, weil er schlicht baff sei. Andere winkten ab und brächten Sprüche wie „Ich regele das mit meinem Anwalt“.

Die auf der L 776 ermittelten „Raser“ lassen sich schwerlich in eine Schublade stecken. Sie sind das genaue Gegenteil einer „homogenen Masse“. Anders sieht es etwa auf der Friedrich-Ebert-Allee in Delmenhorst aus: Dort nutzten oftmals jüngere Fahrer in den Abendstunden die gut ausgebaute Straße dafür, kräftig aufs Gaspedal zu treten, weiß Lüken.

boh

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