Bilanz nach dreieinhalb Jahrzehnten Ratsarbeit

Greszik: „Interesse weckt man durch Beteiligung“

35 Jahre lang hatte er in der Kommunalpolitik Anteil an wichtigen Weichenstellungen und Entscheidungen: Heinz-Jürgen Greszik aus Dünsen.
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35 Jahre lang hatte er in der Kommunalpolitik Anteil an wichtigen Weichenstellungen und Entscheidungen: Heinz-Jürgen Greszik aus Dünsen.

Dünsen – Schiedsmann für die Samtgemeinde Harpstedt möchte er gern noch eine Weile bleiben. „Dieses Ehrenamt macht mir nach wie vor viel Spaß“, so Heinz-Jürgen Greszik. Seine kommunalpolitische Arbeit hat der 73-Jährige indes nach dreieinhalb Jahrzehnten beendet. Fraktions-, Ausschuss- und Ratssitzungen gehören für ihn nun der Vergangenheit an. Es sei einfach an der Zeit gewesen, den Platz zu räumen, damit Jüngere nachrücken könnten, sagt er.

In Dünsen endet für den Sozialdemokraten die Ratsarbeit nach sage und schreibe 35 Jahren. Dort hatte die SPD keine Liste für die Gemeinderatswahl 2021 aufgestellt. Nach 30 Jahren im Samtgemeinderat wollte Greszik auch unter dieses Kapitel einen Schlussstrich ziehen. Gleichwohl fand er sich auf der SPD-Liste wieder. „Ich stand zuerst auf Platz zwei. Carsten Schröder meinte, mit seinem siebten Platz komme er ja nie in den Rat. Ich wollte sowieso nicht weitermachen. Deshalb habe ich Carsten angeboten, dass wir unsere Listenplätze tauschen. Und so ist es dann auch gekommen“, entsinnt sich Greszik. Sechs Sozialdemokraten sind in den neuen Samtgemeinderat gewählt worden. Greszik ist nicht dabei.

Meine politische Arbeit ist geprägt gewesen durch Argumentation und Versuche zu überzeugen. Nur so war es möglich, an verschiedenen Stellen etwas zu bewegen.“

Heinz-Jürgen Greszik

Im Rückblick auf seine kommunalpolitische Arbeit erfüllt es ihn mit großer Genugtuung, dass die Samtgemeinde Harpstedt über die sehr früh gelungene Beordnung der Windenergie hinaus auch die Steuerung des Sandabbaus durch Ausweisung von Konzentrationszonen im Flächennutzungsplan hinbekommen hat. Der heute 73-Jährige hatte selbst darauf gedrängt. Der damalige Bauamtsleiter Harro Hartmann habe die Lenkungsmöglichkeiten wegen der raumordnerisch vorgegebenen Vorranggebiete für den Bodenabbau skeptisch gesehen. In einem Punkt habe er recht gehabt: Sandabbauer, die abbauen wollten, bekämen auch eine Genehmigung. Gleichwohl gebe es aber eben doch ein Steuerungsinstrument, betont Greszik: „Da, wo der Flächennutzungsplan es zulässt, darf abgebaut werden. Und sonst nirgends. Das begrenzt den Anspruch.“

Der Bürgerstammtisch liegt ihm am Herzen

Der Dünsener hätte es begrüßt, wenn die Samtgemeinde bei den Tierhaltungs- und Mastställen ebenfalls von der Steuerungsmöglichkeit Gebrauch gemacht hätte. Dies erwies sich aber als politisch nicht durchsetzbar. Dass die SPD weder im Samtgemeinde- noch im Dünsener Rat die Mehrheit der Sitze stellte, begleitete Greszik durch die Jahrzehnte: „Meine politische Arbeit ist geprägt gewesen durch Argumentation und Versuche zu überzeugen. Nur so war es möglich, an verschiedenen Stellen etwas zu bewegen.“ Zuweilen hätten sich die Erfolgserlebnisse erst nach langer Zeit eingestellt. Ein gutes Beispiel dafür sei die in Dünsen nunmehr abgeschaffte Straßenausbaubeitragssatzung.

Das Klima im Samtgemeinderat habe sich zum Positiven verändert, findet Greszik. Die Fraktionsvorsitzenden hätten zuletzt mehr als früher miteinander gesprochen und darauf verzichtet, sich – etwas flapsig ausgedrückt – gegenseitig ans Bein zu pinkeln. „Zu versuchen, durch Gespräche auf Augenhöhe Ziele zu erreichen, ist immer meine Devise gewesen. Es bringt einfach nichts, sich gegenseitig etwas vorzuwerfen“, bekräftigt Greszik.

Dass die Grünen auch in der Samtgemeinde Harpstedt an Stärke gewonnen haben, war zum Schaden der SPD.

Heinz-Jürgen Greszik

Nicht minder wichtig aber sei der Respekt vor der Mehrheitsentscheidung – unabhängig davon, ob ein gefasster Beschluss der eigenen Meinung entspreche oder nicht.

Zugleich komme es darauf an, das eigene Profil in Abgrenzung zu den anderen Fraktionen zu wahren und zu schärfen. Das sei der SPD nicht immer leicht gefallen. Greszik macht sich nichts vor: „Dass die Grünen auch in der Samtgemeinde Harpstedt an Stärke gewonnen haben, war zum Schaden der SPD. Vielleicht waren wir in bestimmten Positionen zu schwach. Teilweise erklären sich die Stimmenzuwächse der Grünen aber sicher auch mit der Stimmung in der Bevölkerung.“

Im SPD-Ortsverein fungiert Greszik als Beisitzer. Nachbarschaftsgespräche bringen nach seiner Ansicht heutzutage eher wenig, um für die eigene Partei zu werben. Andererseits habe sich gerade in der Coronakrise das Bedürfnis nach persönlichen Treffen offenbart. Der Kontakt von Mensch zu Mensch bleibe von zentraler Bedeutung – bei aller Notwendigkeit, die sozialen Medien auch als Partei weitestgehend zu nutzen.

Das Interesse an der Kommunalpolitik werde nur im Zuge einer stärkeren Beteiligung der Einwohner wieder wachsen, ist sich der 73-Jährige sicher. „Mir liegt sehr daran, den Bürgerstammtisch in Dünsen aufrechtzuerhalten. Da werde ich dranbleiben“, verspricht Greszik. Das Forum sei zwar überparteilicher Natur, eröffne aber trotzdem durchaus „Parteigängern“ Möglichkeiten, sich zu zeigen, zu profilieren und eigene Überzeugungen einzubringen. Parteien erfüllen nach Gresziks Ansicht weiterhin auch auf kommunaler Ebene eine unverzichtbare Funktion: „Man braucht sie, um Anliegen nach oben weitertragen zu können.“

Landwirt wollte er nie sein

Von Yves Nagel als neuem Samtgemeindebürgermeister verspricht sich der 73-Jährige einiges. Seit Einführung der Eingleisigkeit habe sich, so sagt er, eben doch gezeigt: „Wir brauchen Hauptverwaltungsbeamte, die Verwaltungskenntnisse haben.“

In seiner eigenen Verwaltungslaufbahn beim Landkreis Diepholz brachte es Greszik bis zum Kreisamtsrat. Ende der 1960er-Jahre, als es ihn erstmals nach Dünsen verschlug, deutete darauf allerdings noch nichts hin. Er arbeitete seinerzeit zunächst bei Bernhard Hohnholz, später bei Heinrich Wessel, als landwirtschaftlicher Gehilfe und durchlief im Winter auf der Landwirtschaftsschule die Ausbildung zum staatlich geprüften Wirtschafter. Doch seine Welt war das nicht wirklich. „Landwirt wollte ich nie sein“, gesteht sich der Pensionär heute ein.

Mit Antritt des Wehrdienstes begann ein neues Kapitel in seinem Leben: 13 Jahre lang blieb Greszik Soldat bei der Bundeswehr. Nach Fachhochschulreife und Studium mit Abschluss als Diplom-Verwaltungswirt folgte eine Karriere in der Verwaltung des Landkreises Diepholz mit verschiedenen leitenden Aufgaben, die 2013 mit dem Eintritt in den Ruhestand endete. Dass Greszik von 1979 an in Dünsen eine Heimat für sein weiteres Leben fand, hing übrigens nicht zuletzt mit der Harpstedter Disco „Zum Sonnenstein“ zusammen. Dort lernte er seine spätere Ehefrau Ilse kennen, die damals gerade ein Praktikum im Hotel Waldfrieden (Rogge) absolvierte.

Von Hermann Bokelmann angeworben

„Wenn du schon hier wohnst, dann musst du in den Schützenverein eintreten“, habe Heinrich Wessel ihn alsbald ermuntert. „So ging das mit der Vereinsmeierei los“, entsinnt sich der 73-Jährige. Noch während seines 1981 begonnenen Fachhochschulstudiums in allgemeiner Verwaltung mit Schwerpunkt Kommunalverwaltung in Hannover unterzeichnete Greszik auch beim SC Dünsen eine Beitrittserklärung. 1984 stand er als Vorsitzender an der Spitze des Sportclubs und blieb 14 Jahre lang in Amt und Würden.

Für die kommunalpolitische Arbeit und den Eintritt in die SPD habe ihn 1986 der langjährige SPD-Ortsvereins-chef Hermann Bokelmann erwärmen können. „Er dachte sich wohl, dass ich als Sportvereinsvorsitzender hinreichend Stimmen ziehen würde“, entsinnt sich der Pensionär. Die Rechnung ging auf: 1986 schaffte Greszik den Sprung in den Gemeinderat. 1991 kam auf Samtgemeindeebene ein weiteres Ratsmandat hinzu, und von 2006 bis 2016 gehörte der Diplom-Verwaltungswirt dem Kreistag des Landkreises Oldenburg an.

Im Samtgemeinderat fungierte er gleich zweimal als SPD-Fraktionsvorsitzender – vom Beginn der Eingleisigkeit bis 2006 und ab 2015 als Amtsnachfolger von Walter Raem aus Kirchseelte, der auf tragische Weise als Pilot bei einem Absturz mit einer Cessna ums Leben gekommen war.

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