14 private Refugien ökologisch aufgewertet

Vom Glück des Gärtnerns in Gemeinschaft

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Bei Birgit Blocksdorff (hinten stehend, 4.v.l.) gärtnerte die Gruppe schon zum zweiten Mal.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Ein Grundgedanke der Permakultur sei es, ein sich „selbst erhaltendes und selbst stützendes System zu schaffen“, das bei wenig Aufwand möglichst großen Nutzen bringe, weiß Sabina Dalg-Vinken aus Nuttel. „Wir denken darüber nach, wie sich Pflanzen und andere Gartenelemente möglichst gut ergänzen“, spielt sie auf das „Glücksgärten“-Projekt des Klimaprojektteams „freiraum“ an. Dabei hat jeder der 14 Mitstreiter eine eigene grüne Oase; alle zusammen eint ein Ziel, das sie kooperativ als Gruppe in die Tat umsetzen: Reihum nehmen sie sich nacheinander alle 14 Gärten vor, um sie nachhaltiger zu machen und ökologisch aufzuwerten – nicht nur, aber auch wider das Insektensterben.

Konsequent findet Recyclingmaterial Verwendung. Bei Birgit Blocksdorff in Harpstedt haben die Mitstreiter schon zum zweiten Mal gegärtnert. Ins Auge fällt dort eine Trockenmauer aus wiederverwerteten Steinen – standfest, obgleich ganz ohne Mörtel hochgezogen. „Sie hat ein richtiges Schotterfundament, liegt – gegen den Erddruck – ganz leicht geneigt zum Beet und ist mit Schotter als Dränage hinterfüllt. Das hält. Und das klappt total gut. In die Fugen können Lebewesen kriechen. Eidechsen etwa. Generell wollen wir die Gärten so umgestalten, dass sie möglichst vielen Lebewesen Lebensraum bieten“, erläutert Sabina Dalg-Vinken, die eine Werkstatt für Garten und Planung („zeitlos grün“) betreibt. Die 58-Jährige deutet auf den hinteren Winkel des Blocksdorffschen Refugiums: „Dort erneuern wir die Unterkonstruktion des terrassenähnlichen Holzdecks. Die Deckbretter aber nicht. Die sind noch gut.“ Ressourcenschonendes Vorgehen ist Programm.

Jeder „Glücksgarten“, der Gestalt annimmt, basiert auf einem Konzept. Daher geht jeder Arbeitseinsatz mit einer Planungsphase einher. „Da befassen wir uns natürlich auch mit der Bepflanzung“, erzählt Gartenplanerin Dalg-Vinken. Abwechselnd übernehmen sie und die Biologin Ulrike Oemisch die konzeptionelle Federführung. Sie bereiten die zehn jährlichen Arbeitstreffen vor, bringen eigenes Wissen ein – auch Permakulturwissen.

Projekt zieht weite Kreise

Überwiegend sind die „Glücksgärtner“ in der Samtgemeinde Harpstedt beheimatet. Gleichwohl hat das Projekt etwas weitere Kreise gezogen – bis nach Wildeshausen oder auch Syke. „Ursprünglich wollten wir zehn Gärten gestalten. Aber es sind dann noch Leute dazugekommen. Seither aber ist die Gruppe sehr stabil“, findet Dalg-Vinken. Pro Garten seien von Anfang an zwei Arbeitseinsätze vorgesehen gewesen. Für das zweite Treffen gebe es jeweils ein kleines Budget zur Finanzierung des Materials. Das Projekt beweise: Auch mit relativ wenig Geld lasse sich unter Einsatz von Recyclingmaterial viel erreichen.

Der erste Arbeitseinsatz in einem Refugium stehe anfangs immer im Zeichen einer Bestandsaufnahme – im Aufdecken der Qualitäten und Schwächen des Gartens, spricht Birgit Blocksdorff aus Erfahrung. Danach gehe es daran, Wege zu möglichst viel Funktionalität zu suchen. Beeindruckend sei der anhaltende Arbeitseifer, findet Sabina Dalg-Vinken. Ihre ganz persönliche Meinung: „Die Glücksgärten sind das beste Pferd im Stall des ,freiraums’. Keiner springt ab, wenngleich es natürlich vorkommt, dass einer einen Termin mal nicht wahrnehmen kann.“ Angenehmer Nebeneffekt: Das gemeinschaftliche Arbeiten lasse das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wachsen. Und: Viele schaffen viel. „Bei Gisela Brand in Brammer haben wir diverse Tanks aufgestellt, um Regenwasser vom Dach für eine Nutzung als Gießwasser aufzufangen. Die begrünen wir beim nächsten Mal noch“, sagt Sabina Dalg-Vinken.

Ziel: Gute Ernte auf wenig Raum

Die „Glücksgärtner“ befassen sich mit Kreislaufsystemen und der Frage, wie sich selbst auf wenig Raum (etwa mit „Naschgärten“ oder rankenden Weinpflanzen) eine Ernte erzielen lässt. Bei Birgit Blocksdorff entwickeln sie ganz konkret Ideen zur Gestaltung eines Hochterrassengartens. Wie sich Wasser möglichst lange auf dem eigenen Grundstück verfügbar halten lässt, interessiert die Gruppe brennend. Vor dem Hintergrund des extrem trockenen Sommers 2018 verwundert das nicht.

Zwei Appelle liegen Dalg-Vinken am Herzen: „Nutzt euer Wasser gut – möglichst in mehreren Stufen! Und pflanzt Bäume, zumal wir ja ohnehin kaum hinterherkommen, alle zu ersetzen, die gefällt oder von Stürmen dahingerafft werden!“

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