„Ackerbau zum Anfassen“ bei Feldbegehung in Harpstedt

Ein gesunder Boden ist das Kapital der Landwirte

Vor „großem Gerät“ begrüßte Lüder Wessel (Zweiter von links) am Sonnabend die Besucher und die Mitglieder des Landvolks.

Harpstedt - Von Janin Meyer. „In einer Handvoll Erde finden sich viele Lebewesen“, sagt Wolfgang Jerebic vom Landvolk und reicht etwas frischen Erdboden herum. Zahlreiche interessierte Zuhörer haben sich am Sonnabendnachmittag am Simmerhauser Weg in Harpstedt eingefunden und möchten „Ackerbau zum Anfassen“ erleben, den das Landvolk verspricht.

„In den Medien steht die Landwirtschaft oft eher negativ da. Wir möchten mit dieser Feldbegehung gerne etwas mehr Sachlichkeit und auch Verständnis in die Thematik unseres Berufsfelds bringen und die Verbraucher mitnehmen“, erklärt Lüder Wessel, Bezirkssprecher für den Bereich Harpstedt. Gemeinsam mit den 14 Ortsvertrauenspersonen des Landvolks aus der Samtgemeinde Harpstedt hat er die Feldbegehung erarbeitet und räumt gleich am Anfang mit einem Klischee auf: „Im Märzen der Bauer – so hätte unsere heutige Aktion auch heißen können. Aber das hätte nicht gepasst“, betont er. Denn die besungene Idylle und auch die eingespannten Rösser aus dem bekannten Lied gebe es heute so nicht mehr. Vielmehr sei die Landwirtschaft mit dem Fußballspiel zu vergleichen. So bedeute zwar nicht jedes Spiel, aber eben jedes Jahr einen neuen Anfang. Gleichzeitig sei die Landwirtschaft aber wohl einer der nachhaltigsten Berufe überhaupt.

Da die meisten Landwirte ihre Äcker schon über Generationen hinweg bewirtschaften, sei vor allem das Thema Bodenfruchtbarkeit für sie sehr wichtig. Das beginne schon bei der Düngung. „Da kann der Landwirt nicht einfach aus dem Bauch heraus entscheiden, sondern dafür muss er einen Plan erstellen“, sagt Wessel und nimmt die interessierten Besucher mit zu einer Reihe von Feldern, auf denen verschiedene Arten der Bepflanzung zu sehen sind. Dort wird schnell klar: Das Bestellen und Bewirtschaften der Äcker ist eine Wissenschaft für sich.

„Die Pflanzen haben jetzt Hunger“

Auf einem hat bereits das erste Wintergetreide ausgetrieben und zeigt lange, frische Wurzeln. „Die Pflanzen haben jetzt Hunger und brauchen Nährstoffe, um zu gedeihen“, erklärt Jerebic. Auf dem benachbarten Feld geht es hingegen schon darum, die aktuell austreibenden Pflanzen wieder zu vernichten, um Platz für die neue Saat zu schaffen. Denn bei ihnen handelt es sich um eine „Zwischenfrucht“. Pflanzen also, die im vergangenen Jahr nach der Ernte ausgesät wurden, um den noch im Boden vorhandenen Stickstoff aufzunehmen und am Versickern zu hindern. „Dafür verwenden wir bewusst nicht winterharte Pflanzen“, vermittelt Jerebic den Besuchern. Allerdings sei deren Wachstum im Frühjahr schneller als das der frisch ausgesäten Pflanzen. Daher müsste der Landwirt diesen Boden nun entsprechend bearbeiten.

Noch ein Feld weiter entdecken die Zuschauer die Überbleibsel einer „Untersaat“, in diesem Fall Gras. Diese werde zusätzlich zum Getreide ausgesät, könne sich aber erst nach der Ernte des Getreides entwickeln und sorge so ebenfalls für die Aufnahme von übermäßigem Stickstoff im Boden. Damit wirke sie Auswaschungen entgegen. Das eingangs von Jerebic erwähnte Leben im Erdboden sehen die Gäste zwar auf den ersten Blick nur anhand von zwei Regenwürmern in seinen Händen, aber er erklärt seinen Gedanken: „Die Würmer sind das einzig Sichtbare. Doch in diesem bisschen Erdboden wimmelt es nur so vor Lebewesen.“

Wie wichtig ein gesunder Boden als Kapital für jeden Landwirt ist, erschließt sich den Besuchern recht schnell. So gehörten auch regelmäßige Bodenproben zur Arbeit der Landwirte, erklärt Jerebic den aufmerksamen Zuhörern. Denen stellen die anwesenden Landwirte am Ende der Feldbegehung auch noch die Arbeit mit ihren Maschinen vor, um einen genauen Einblick in die Abläufe zu geben. Wie sich diese Arbeit im Laufe des Jahres darstellt, möchten die Mitglieder des Landvolks bei weiteren geplanten Feldbegehungen veranschaulichen.

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