Gesucht: 60 plus, mit Herz oder ohne

Gute Gespräche in entspannter Atmosphäre: Hannelore Niemann und Gaby Otto laden ihre Altersgenossen zum lockeren Kennenlernen ein. Foto: Bakchaus

Alleine die Abende zuhause verbringen? Darauf haben die Harpstedterinnen Gaby Otto und Hannelore Niemann keine Lust. Und sie sind der Meinung, dass es auch vielen anderen der Generation Ü 60 so geht. Deshalb wollen sie eine Kennenlernplattform anbieten – für Freundschaften oder mehr.

Harpstedt – „Man muss nicht da sitzen und alles ertragen. Man kann auch was machen“, findet Gaby Otto. Die 69-Jährige lebt seit 20 Jahren ohne Partner und kennt das Gefühl, Abend für Abend allein zuhause zu verbringen. Tagsüber sei sie gut beschäftigt: Otto ist im Seniorenbeirat aktiv und engagiert sich ehrenamtlich im DRK-Seniorenheim Harpstedt. Doch ins Theater, Kino oder Restaurant alleine gehen? Das sei noch eine andere Sache, findet die Harpstedterin. Darin pflichtet ihr auch Hannelore Niemann bei, die seit einem Jahr die Schlaganfallgruppe vor Ort leitet. Gemeinsam haben die Frauen beschlossen, Menschen über 60 Jahren eine Möglichkeit zu geben, neue Leute kennenzulernen, auf lockere Art und Weise. Das erste Kennenlerntreffen planen sie für Freitag, 6. März, von 15 bis 17 Uhr im Café von Babette Schumachers Blumenladen an der Amtsfreiheit 3. Fortan wollen sie immer am ersten Freitag im Monat dazu einladen.

Wer kommt, den erwarten mehrere Tische in gemütlicher Atmosphäre. Dort kann er sich dann einen Gesprächspartner suchen. Nach einer Viertelstunde steht der Wechsel zu einer anderen Person an, erläutert Otto das Konzept. Und für alle, die einander sympathisch finden, liegen Kärtchen bereit, auf denen Kontaktdaten ausgetauscht werden können.

Auch wenn die Rahmenbedingungen ein bisschen daran erinnern, möchten Otto und Niemann von „Speeddating“ nichts hören: Unter dem Motto „60 plus, mit Herz oder ohne – zu zweit durch die Zwanziger“ sollen sich Menschen treffen, die einander sympathisch finden. Ob daraus Freundschaften, Theaterbekanntschaften oder Paare werden, ist den Initiatorinnen gleich. „Man muss ja nicht unbedingt wen für’s Bett suchen“, sagt Otto. Sie wünscht sich vor allem, dass andere die Chance nutzen, die eigene Hemmschwelle zu überwinden.

Gerade Frauen würden häufig seltsam angeschaut, wenn sie abends allein unterwegs seien, findet Niemann. Auch sie, die seit vier Jahren ohne Partner lebe, habe sich dazu durchringen müssen, ohne Gesellschaft ins Kino zu gehen: „Es war ein sehr großer Lernprozess.“ Doch selbst wenn die Hürde nun nicht mehr bestehe: Ihr fehle jemand, mit dem sie anschließend über das Gesehene sprechen könne.

Für das siebte Lebensjahrzehnt scheint eine Mischung aus Einsamkeit und Aufbruchsstimmung prägend zu sein: „Die Arbeit ist beendet, die Kinder sind groß gezogen – dann fängt dein eigenes Leben wieder an“, sagt Niemann. Doch zugleich halte nicht jede Ehe, die Söhne und Töchter lebten nach ihren eigenen Vorstellungen, auch alte Freunde hätten mitunter andere Wege eingeschlagen. Da gelte es, neue Strukturen zu finden, und beispielsweise die acht Stunden am Tag, die zuvor mit Arbeit gefüllt waren, anders zu nutzen.

Sich rauszutrauen und nicht zuhause festzunageln, sei der Schlüssel, findet Otto. Sie und Niemann lernten sich übrigens ebenfalls durch Zufall kennen: beim Frühschwimmen. „Man muss auch alleine zurechtkommen“, findet Otto. Aber eben nicht immer.

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