Geflüchteter hat Lehre erfolgreich beendet

Beispiel für Integrationswillen aus Harpstedt

Sowohl in menschlicher als auch fachlicher Hinsicht können Bernhard Springer (l.) und Karsten Wenkel (r.) nur Gutes über Adam Zakaria sagen. Beide bedauern daher sehr, dass es der DHE in der aktuellen Situation nicht möglich gewesen ist, den frischgebackenen Gesellen nach abgeschlossener Ausbildung zu übernehmen.
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Sowohl in menschlicher als auch fachlicher Hinsicht können Bernhard Springer (l.) und Karsten Wenkel (r.) nur Gutes über Adam Zakaria sagen. Beide bedauern daher sehr, dass es der DHE in der aktuellen Situation nicht möglich gewesen ist, den frischgebackenen Gesellen nach abgeschlossener Ausbildung zu übernehmen.

Harpstedt – Das sei mal ein gutes Beispiel für gelungene Integration, spielt Winfried Schreppel aus der Flüchtlingsinitiative auf Adam Zakaria an. Seit dem 23. Januar hält der junge Mann aus dem Sudan, der 2015 als Geflüchteter in die Samtgemeinde Harpstedt kam, seinen Gesellenbrief als Kfz-Mechatroniker in den Händen. Er sei von jeher ein begeisterter Schrauber, erzählt er.

Schon in seiner Heimat habe er früher seinem Onkel gelegentlich in der Werkstatt geholfen.

Bei seinem ersten Lehrherrn konnte der 25-Jährige seine Ausbildung nicht beenden. Und das, obgleich ihm nur noch ein paar Monate bis zur Gesellenprüfung fehlten. Winfried Schreppel setzte sich für den Sudanesen ein. In der Werkstatt der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE) GmbH durfte Adam Zakaria dann seine Lehre vom 15. September vergangenen Jahres an fortsetzen und zum Abschluss bringen.

„Winfried Schreppel schilderte mir das Anliegen. Weil wir in diesem Ausbildungsgang im Grunde genommen keinen Auszubildenden hatten, konnten wir uns das durchaus vorstellen“, erinnert sich Bernhard Springer, einer der beiden DHE-Geschäftsführer.

Adam Zakaria zeigte sich hocherfreut über die Zusage. Er gewann nun zusätzlich Einblicke in das Berufsbild des Nutzfahrzeugmechatronikers. Statt mit Personenwagen bekam er es fortan bei der DHE mit Bussen, Lkw und Lokomotiven zu tun.

In seinem neuen Lehrbetrieb fühlte er sich auf Anhieb wohl. „Mir hat das hier riesigen Spaß gemacht“, sagt er. Die Berufsschule lief normal weiter. Hinzu kam in Wildeshausen unterstützend-begleitender Unterricht, realisiert durch das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft. Das sei eine Art fachbezogene „Nachhilfe“ gewesen, erläutert der Sudanese schmunzelnd.

Schon 2015, als er „unbegleitet“ in die Bundesrepublik kam, erhoffte er sich einen „Schrauber“-Job. Ohne Deutschkenntnisse war daran aber überhaupt nicht zu denken. Adam Zakaria musste zunächst lernen, sich in dem für ihn fremden Land zu verständigen. Die technischen Fachbegriffe im Kfz-Handwerk bedeuteten eine zusätzliche Herausforderung. Sprachkenntnisse, Wohnung in Harpstedt, eigenes Auto – viele Hürden sind inzwischen überwunden.

Dass der Sudanese nun mit dem Gesellenbrief für den Einstieg ins Berufsleben gerüstet ist, darf ihn durchaus mit Stolz erfüllen. Viele andere Geflüchtete haben das nicht geschafft. Die DHE zeigte sich vollauf zufrieden mit seiner Art und seiner Leistung. Sowohl in fachlicher als auch in menschlicher Hinsicht stellt Werkstattleiter Karsten Wenkel dem 25-Jährigen allerbeste Noten aus.

Den einen oder anderen Tipp, wo sich Adam Zakaria gegebenenfalls bewerben kann, haben wir schon bekommen. Im Nutzfahrzeugbereich suchen viele Betriebe qualifizierte Kräfte und fangen sogar teilweise schon an, sich gegenseitig Leute abzuwerben.

DHE-Werkstattleiter Karsten Wenkel

Bernhard Springer bedauert außerordentlich, dass die DHE den frischgebackenen Gesellen nach der Lehre nicht übernehmen konnte. Mehr Personal sei aber in der aktuellen Situation leider nicht drin. Die DHE müsse massive Umsatzeinbrüche verkraften, weil der Reise- und Ausflugsverkehr pandemiebedingt zum Erliegen gekommen sei.

DHE will ein gutes Wort für ihn einlegen

Nach einer Normalisierung der Lage sähe Bernhard Springer durchaus die Option, „dass  Adam Zakaria zu uns zurückkommt“. Bei der nun anstehenden Arbeitssuche werde die DHE jedenfalls ein gutes Wort für ihn einlegen. Mögliche Wege in eine berufliche Zukunft über die Handwerkskammer einzuleiten, habe die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn schon versucht. Im Moment gebe es aber – auch seitens der Arbeitsagentur – leider keinerlei Unterstützung, bedauert der Geschäftsführer.

Karsten Wenkel sieht trotzdem keineswegs schwarz für den jungen Sudanesen: „Den einen oder anderen Tipp, wo er sich gegebenenfalls bewerben kann, haben wir schon bekommen. Im Nutzfahrzeugbereich suchen viele Betriebe qualifizierte Kräfte und fangen sogar teilweise schon an, sich gegenseitig Leute abzuwerben“, weiß der DHE-Werkstattleiter.

Zurück in die alte Heimat zu gehen, ist für den Geflüchteten keine Option – schon wegen der politischen Zustände dort. Sein großes Ziel bleibt weiterhin, sich hierzulande eine Existenz aufzubauen. Bislang sei sein Bleiberecht um jeweils drei Jahre verlängert worden. Er habe hier im Übrigen auch Freunde gefunden, sagt er.

Seine Eltern und die drei Schwestern im Sudan habe er leider seit Antritt der Flucht nicht mehr persönlich getroffen. Gleichwohl pflege er Kontakt zu seinen Angehörigen.

In der Republik Sudan hatte sich Umar al-Baschir am 30. Juni 1989 an die Macht geputscht und das Land fortan mit harter Hand repressiv regiert. Am 11. April 2019 wanderte er hinter „schwedische Gardinen“. Seine Absetzung als Präsident war das Ergebnis eines neuerlichen Militärputsches – mit nachfolgender Verhängung des Ausnahmezustandes. Militärführung und zivile Opposition einigten sich nach langem Ringen auf eine Übergangsregierung.

Adam Zakarias ganz persönliche Einschätzung zur Situation im Sudan: „Es läuft dort nach wie vor wirklich nicht gut.“

Von Jürgen Bohlken

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