Raiffeisen-Warengenossenschaft: „Haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“

Geschäftsstelle Adelheide wird geschlossen

Nach den Aufsichtsratswahlen: Hilmer Schwarting, Wolfgang von Fintel (Vorstand), Torsten Schröder, Björn Brunkhorst, Dr. Jochen Meyer (Aufsichtsratsvorsitzender) und Moritz Stubbe (v.l.). Das neue Aufsichtsratsmitglied Hergen Horstmann war wegen seiner Teilnahme an der Bauern-Großdemo in Berlin nicht anwesend. Foto: Jysch

Klein Ippener - Von Rainer Jysch. „Strengere regulatorische Vorgaben, die Digitalisierung und der Fachkräftemangel belasten die landwirtschaftlichen Betriebe, aber auch unsere Raiffeisen-Warengenossenschaft Bassum-Harpstedt“, sagte Geschäftsführer Wolfgang von Fintel am Montagabend während der RWG-Generalversammlung mit 143 Teilnehmern in „Hackfeld’s Dorfkrug“ in Klein Ippener. Dies zeige sich auch in der Geschäftsstelle in Adelheide, die geschlossen werde. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei eine Veräußerung des Standortes noch in diesem Geschäftsjahr zu erwarten. Gespräche mit Kaufinteressenten gebe es bereits.

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, versicherten der Geschäftsführer und der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Jochen Meyer übereinstimmend. Zu hohe Instandhaltungskosten bei zuletzt auch rückläufigen Düngemittelumsätzen kamen zur Sprache. Das Getreidegeschäft sei in Adelheide schon vor längerer Zeit eingestellt worden.

Wolfgang von Fintel erläuterte Geschäftszahlen und Lagebericht. Die Mengenumsätze der Genossenschaft schrumpfen seit 2015/16. Einen mengenmäßigen Rückgang um knapp sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr verbuchte die RWG 2018/19 – bei einem wertmäßigen Rückgang von knapp zwei Prozent auf 31,5 Millionen Euro. Der Geschäftsführer begründete dies mit wetterbedingt deutlich verminderten Ernteerträgen.

Bei einem Rohergebnis von rund 2,9 Millionen Euro schloss die Gewinn- und Verlustrechnung mit einem Bilanzgewinn von 285 199,14 Euro. Das ermöglicht es der RWG, den Mitgliedern eine Dividende von fünf Prozent auf die Geschäftsguthaben zu zahlen. Der Rest soll zur Stärkung des Eigenkapitals den Rücklagen zugeführt werden. „Aus heutiger Sicht gehen wir für das laufende Geschäftsjahr von in etwa vergleichbaren Mengenumsätzen aus“, sagte von Fintel in Erwartung einer Wettbewerbsverschärfung. „Die Zukunft in der Landwirtschaft und in der gesamten Agrarbranche wird schwieriger werden“, prognostizierte er.

Beeindruckt zeigte sich von Fintel von der Protestbewegung der Bauern auf Initiative des Netzwerks „Land schafft Verbindung“. Die Großdemos zeigten, dass es möglich sei, mit Einigkeit, Kraft, Mobilität und viel Disziplin die Politik und die Öffentlichkeit auf die schwierige Lage in der Landwirtschaft aufmerksam zu machen.

Für das Aufsichtsratmitglied Hilmer Schwarting, das sich nicht wieder zur Wahl gestellt hatte, rückte der 43-jährige Hergen Horstmann aus Annen nach. Über ihre Wiederwahl in das Kontrollgremium freuten sich Björn Brunkhorst, Torsten Schröder und Moritz Stubbe.

Im Anschluss an die Regularien referierte Lüder Cordes, Berater für Pflanzenbau und -schutz bei der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, zu den Fragen „Düngeverordnung – Rote Gebiete, was müssen Landwirte beachten?“ und „Wie können sie das schaffen?“. Der für den ersten Teil vorgesehene Referent, Tim Eiler, Düngerechtsexperte bei der LWK, war krankheitsbedingt ausgefallen. Cordes übernahm daher auch seinen Part.

„Da kommt einiges auf uns zu“, meinte der Experte in Anspielung auf die geplanten Vorgaben. Sehr detailliert schilderte er Probleme, die sich bereits aus der seit 1991 bestehenden Düngeverordnung für die Landwirte ergaben. Er ging auf die Verschärfungen ein und zeigte auf, wie sich die Betroffenen darauf einstellen können.

„Nach der EU-Kommission ist die deutsche Düngeverordnung immer noch nicht ausreichend, um die Qualität des Grundwassers und der Oberflächengewässer zu verbessern“, so der Referent. In Niedersachsen seien „Rote Gebiete“ mit einer hohen Belastung durch Nitrat und Phosphat aufgrund der Ergebnisse aus 1 103 Messstellen ausgewiesen worden.

Seit August 2019 lägen Vorschläge der Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit für geplante Änderungen der Düngeverordnung ab 2020 auf dem Tisch. Unter anderem soll in den nitratsensiblen Gebieten der Düngebedarf für Stickstoff um 20 Prozent reduziert werden. „Das ist sicher auch ein Teil des aktuellen Protestes in Berlin“, so Cordes.

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