Serie „Sommer-Smalltalk“ 

„Gerstensaft“-Genuss mit Biersommelier Helge Cordes aus Dünsen

Was die Weinkenner für sich in Anspruch nehmen, können die Freunde von Hopfen und Malz schon lange: Biersommelier Helge Cordes (r.) reichte am Sonnabend im Kreise von Feuerwehr-„Jungsenioren“ nebst „Anhang“ Biere mit individueller Note. - Foto: Bohlken
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Was die Weinkenner für sich in Anspruch nehmen, können die Freunde von Hopfen und Malz schon lange: Biersommelier Helge Cordes (r.) reichte am Sonnabend im Kreise von Feuerwehr-„Jungsenioren“ nebst „Anhang“ Biere mit individueller Note.

Dünsen - In Tests können Verbraucher industriell hergestellte Biere kaum mehr am Geschmack erkennen. Und doch es gibt sie – die Sorten mit individueller Note. Helge Cordes hat das am Wochenende den „Jungsenioren“ der Feuerwehr Harpstedt sowie deren Frauen während einer Verkostung bei Anke und Holger Horstmann bewiesen. Der Dünsener (46) ist als Biersommelier unterwegs. Heute kommt er in unserer Serie „Sommer-Smalltalk“ zu Wort. Die Fragen stellte Jürgen Bohlken.

Sie sind Gebietsverkaufsleiter der Hamburg Beer Company, einem Unternehmen der Nordmann-Gruppe. Ging die Initiative, sich zum Biersommelier fortzubilden, von Ihrem Arbeitgeber aus?

Cordes: Die Firma hat gesagt: „Lass uns das zusammen machen!“ Ich selbst hätte mich aber sowieso dafür entschieden. Schon seit 15 Jahren bin ich in der Getränkebranche tätig. 2011, im Zuge des Umbaus eines Getränkemarktes in Wildeshausen, kam ich endgültig zum „Thema Bier“. Zuerst habe ich die Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer zum „Bierbotschafter (IHK)“ in Koblenz gemacht. 2014 folgte dann die Sommelier-Fortbildung.

Welches Anliegen steckt dahinter?

Cordes: Auf dem Markt ging die Tendenz lange zu Masse und Billigbieren – zur Kiste für unter zehn oder sogar unter fünf Euro. Den Genuss haben viele Biertrinker erst in den letzten sechs, sieben Jahren wieder für sich entdeckt. Da sind uns die Weinkenner um einiges voraus. 

Doch mittlerweile sind in Deutschland viele Leute wie ich unterwegs, um Werbung für genussvollen Bierkonsum zu machen. Etwa im Rahmen von Abenden wie dem, den ich am Sonnabend bei den „Jungsenioren“ der Feuerwehr Harpstedt gestaltet habe. 

Es geht darum, das kulinarische Erlebnis der Devise „billig, billig, billig“ und dem Dichtschütten entgegenzusetzen. Ich ermuntere dazu, sich vielleicht nur mal zwei oder vier Flaschen gutes Bier verschiedener Sorten zu kaufen, um diese aus Gläsern stilvoll zu probieren und Unterschiede festzustellen.

Wie wird man Biersommelier?

Cordes: Die Ausbildung dauert nur 14 Tage. Die erste Woche habe ich zusammen mit weiteren Leuten bei der Ratsherrn-Brauerei in Hamburg absolviert und die Prüfungswoche dann in Freistadt in Österreich – wiederum bei einer Brauerei.

Welche Voraussetzungen müssen die Absolventen mitbringen?

Cordes: Vor allem Enthusiasmus für das Thema Bier. Man muss aber schon auch fundierte Vorkenntnisse haben.

Was sollte ein Biersommelier drauf haben?

Cordes: Er muss nicht nur Weizen von Pils unterscheiden, sondern auch verschiedene Bierstile am Geruch identifizieren können. Die in Deutschland besonders verbreiteten Biere unterscheiden sich geschmacklich nur sehr wenig. Wer sagt, er könne aus sieben oder acht stark nachgefragten Sorten drei oder vier herausschmecken, dem entgegne ich: „Das schaffst du nicht!“ Dafür sind unsere Geschmacksnerven nicht ausgelegt. Zumindest nicht, wenn du sie nicht regelrecht trainiert hast. 

Eine weitere Herausforderung für den Biersommelier ist das Erkennen von Fehlgeschmäckern. Grundsätzlich handelt es sich bei Bier zwar um ein sehr einfaches Getränk, aber beim Brauen kann so einiges schiefgehen. Dreck an den Händen, Hopfen zu alt, mit dem Malz rumgepanscht – solche Dinge etwa bewirken einen nicht erwünschten Geschmack. Überhaupt erfordert das Brauen ein sehr sauberes Arbeiten.

Was ist mit Sorten mit wirklich individueller Note. Gibt es die gar nicht?

Cordes: Doch, durchaus. Ich habe den Feuerwehrmitgliedern am Sonnabend beispielsweise ein Kirschbier aus Belgien vorgestellt. Das entspricht natürlich nicht dem deutschen Reinheitsgebot. Es ist aber zulässig, so etwas in Deutschland zu brauen. 

Der Hersteller darf es dann nur nicht Bier nennen. Denn es steht eben nicht im Einklang mit dem Reinheitsgebot, Obst oder Gewürze als Zutaten zu verwenden. Die Belgier machen das ganz toll: Sie fügen sogenannten Sauerbieren – als Hefeersatz – Sauerkirschen hinzu. Das gärt dann zwölf bis 18 Monate in einem Kessel vor sich hin.

Sind Sie als Biersommelier nur privat oder auch dienstlich unterwegs?

Cordes: Auch dienstlich. Ich gebe Schulungen und unterstütze Gastronomen, die bierbegleitende Speisen reichen wollen, bei Food-Pairings. Das Arbeitsfeld ist recht vielfältig und umfangreich. Im privaten Bereich habe ich Bierproben als eine sehr schöne Nebensache für mich entdeckt. Klar, die Firma profitiert davon, zumal die Gäste alle Sorten in Wildeshausen nachkaufen können, von denen sie im Verlauf der Abende gekostet haben.

Haben Sie selbst schon gebraut?

Cordes: Ja, anfangs mit dem Einkochautomaten meiner Schwiegermutter! Du musst ständig rühren und immerzu aufpassen. Von drei oder vier Brauversuchen sind damals zwei in die Hose gegangen, weil beispielsweise das Malz angebrannt ist. Irgendwann habe ich mir eine halbautomatische Anlage gekauft. 

Mittlerweile fehlt mir einfach die Zeit dafür, selbst zu brauen. Man braucht wirklich sehr viel Zeit – und muss vor allem einen großen Aufwand bei der Hygiene treiben. Wer nicht sauber arbeitet, der wundert sich schon mal darüber, dass sein Bier keine Kohlensäure entwickelt. Das ist mir übrigens auch schon passiert.

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