Gericht wertet die Tat eines 31-jährigen Sudanesen als versuchten Mord

Zehn Jahre Gefängnis

+
Am Tag nach der Bluttat (unten links die Blutlache) hatten Polizeikräfte auf dem Harpstedter Friedhof nach der Tatwaffe gesucht. Archivfotos: Stiller/Bohlken

Harpstedt/Oldenburg - Im Prozess gegen den 31 Jahre alten Flüchtling aus dem Sudan, der am 11. August 2015 an der Bushaltestelle gegenüber dem Harpstedter Bahnhof einem Asylsuchenden aus dem Tschad mehrfach ein Messer in den Körper gerammt hatte, ist der Angeklagte heute zu einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Die Oldenburger Schwurgerichtskammer wertete die heimtückische Attacke als versuchten Mord. Sie verschärfte damit die ursprüngliche Anklage, die noch von einem versuchten Totschlag ausgegangen war.

Mit dem Strafmaß lag die Kammer nur eineinhalb Jahre unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde plädierte jetzt ebenfalls auf versuchten Mord. Die Verteidigung dagegen hatte sich für die heimtückische Messerattacke zwei Jahre Haft mit Bewährung gewünscht. Sie sah nur eine gefährliche Körperverletzung als verwirklicht an. Doch damit lag sie weit entfernt von den Feststellungen und Überzeugungen der Richter, die dem Angeklagten einen direkten Tötungsvorsatz anlasteten.

„Der Angeklagte hat uns angelogen“, sagte der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann in der Urteilsbegründung. Der 31-Jährige will sich am Tattag mit dem Opfer an der Bushaltestelle verabredet haben und von diesem dann angegriffen worden sein. Er habe nur in Notwehr gehandelt, hatte er erklärt. Doch das war mehr als widerlegt. Bei dem angeblichen Gerangel und

Vier Liter

Blut verloren

Kampf war die weiße Hose des 31-Jährigen blitzeblank geblieben. „Das kann nicht stimmen“, so Richter Bührmann, der die Version des Sudanesen gestern mit deutlichen Worten zurückwies. Nichts mit Notwehr: Vielmehr hatte der Angeklagte dem späteren Opfer an der Bushaltestelle aufgelauert und sofort auf ihn hinterrücks eingestochen. Die Messerstiche bohrten sich tief in Schulter und Oberschenkel. Und als der Flüchtling aus dem Tschad fliehen wollte, rammte der Angeklagte ihm das Messer noch in den Rücken. Vier Liter Blut hatte das Opfer verloren. Es sei den Ersthelfern und der Kunst der Ärzte zu verdanken, dass es überhaupt überlebt habe, so Richter Bührmann gestern.

Täter und Opfer, die in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften in Dünsen und Kirchseelte lebten, kannten sich. Das Opfer hatte den Angeklagten sogar finanziell geholfen und unterstützt. Warum es dann sterben sollte, bleibt letztendlich das Geheimnis des Angeklagten.

wz

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Eskalation: Palästinenser brechen Kontakte zu Israel ab

Eskalation: Palästinenser brechen Kontakte zu Israel ab

Tritt Prinz George in die Fußstapfen seines Vaters? 

Tritt Prinz George in die Fußstapfen seines Vaters? 

Machtkampf in Venezuela: Zahl der Todesopfer steigt auf 100

Machtkampf in Venezuela: Zahl der Todesopfer steigt auf 100

Neues Spezialfahrzeug für Leester Feuerwehr

Neues Spezialfahrzeug für Leester Feuerwehr

Meistgelesene Artikel

Ferien sind nur ein Vorwand – Fahrradshop muss schließen

Ferien sind nur ein Vorwand – Fahrradshop muss schließen

Motorradfahrer verliert bei riskantem Überholmanöver auf der A1 Kontrolle 

Motorradfahrer verliert bei riskantem Überholmanöver auf der A1 Kontrolle 

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

Kommentare