Schullandheim in Harpstedt wartet seit Freitag, dem 13. März, auf Schulkinder

„Gerdshütte“ im Sommerschlaf

Corona bringt Klassenfahrten zum Erliegen: Zu normalen Zeiten würden Gruppen von Schulkindern die Anlage im Wald beleben. Boris Ortloff, Hund Annie und Claudia Ortloff-Fahrenbach lassen sich jedoch nicht so leicht aus der Ruhe bringen. 
Foto: HÜHNE
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Corona bringt Klassenfahrten zum Erliegen: Zu normalen Zeiten würden Gruppen von Schulkindern die Anlage im Wald beleben. Boris Ortloff, Hund Annie und Claudia Ortloff-Fahrenbach lassen sich jedoch nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Foto: HÜHNE

Kirchseelte – Unglücke geschehen angeblich ja oft am Freitag, dem 13ten. So trug es sich auch im März dieses Jahres zu. Am besagten Tag reisten die vorerst letzten beiden Schulklassen von der Herberge „Gerdshütte“ in Kirchseelte ab. Coronabedingt warten seitdem Boris Ortloff und Ehefrau Claudia Ortloff-Fahrenbach, die Heimleiter und Betreiber, dass die Klassenverbände mit ihren Lehrern wieder anreisen dürfen. Ortloff, zudem erster Vorsitzende des Vereins „Schullandheim Gerdshütte“, erinnert sich: „Für den Montag danach hatten die ersten Schulklassen abgesagt. Da hatten wir schon das Essen für 60 Personen für eine Woche gekauft.“ Heute noch bestehe Unsicherheit bei Lehrern, Fahrten zu buchen, da sie nicht wüssten, ob diese dann tatsächlich stattfinden können, schildert Ortloff.

Informiert über die Corona-Reglungen stehen die Betreiber außerdem in Kontakt mit dem Gesundheitsamt in Wildeshausen. Nach Ausbruch der Pandemie stand schnell fest, dass der Heimbetrieb bis zu den Sommerferien auf Eis liegen wird. Doch was danach ist, fragen sie sich nun. Als nichtwirtschaftlicher Verein dürfe „Gerdshütte“ am Ende des Jahres keinen Gewinn ausweisen. Rücklagen gebe es daher keine. Die veranschlagten Mittel der Investitionsplanung für dieses Jahr dürfen ausnahmsweise umgewidmet werden, um damit laufende Kosten wegen der ausbleibenden Einnahmen zu decken. „Der Umsatz fehlt dennoch und ist auch nicht aufzuholen“, sagt Ortloff-Fahrenbach.

Zugute kommt den beiden Betreibern, dass die Bremer Bildungsbehörde alle Stornogebühren der Bremer Klassenfahrten für ein halbes Jahr übernimmt. Die Kosten dafür beliefen sich anfangs auf bis zu 60 Prozent und liegen aktuell bei rund 30 Prozent, so Ortloff-Fahrenbach.

Der größte Ausgabenposten sind die Personalkosten. Laufende Fixkosten sind im Zuge der Coronalage weitestmöglich heruntergefahren worden. „Heizung, Müllabfuhr, Verpflegungskosten, da konnte vieles gedrückt werden und es gab Entgegenkommen“, sagt Ortloff. Drei Festangestellte und drei Minijobber beschäftigt das Schullandheim sonst. Das staatliche Kurzarbeitergeld sei da eine enorme Hilfe gegen diese Kosten, so Ortloff: „Eine prekäre Situation wird das, wenn das Kurzarbeitergeld nach zwölf Monaten ausläuft und der Betrieb dann noch nicht hochgefahren ist.“ Daher hoffen beide auf eine Verlängerung der Zahlungen.

„Gerdshütte“ liegt geografisch in Niedersachsen, jedoch ist es eines von neun offiziellen Bremer Schullandheimen. Entsprechen sehen die Belegungszahlen aus. 90 Prozent der anreisenden Klassen kommen aus Bremen und die übrigen aus dem Umland oder von weiter weg, schätzt Rechnungsführerin Ortloff-Fahrenbach. Das liege an einem senatorischen Erlass in der Freien Hansestadt. Demnach müssen die dortigen Klassen eins bis sechs mindestens einmal zu einem Bremer Schullandheim reisen.

60 Betten umfasst „Gerdshütte“. 54 sind für Schüler ausgelegt und sechs für Lehrer. Auf Mehrbettzimmer sind die Unterkünfte aufgeteilt. Ein großer Essenssaal sowie ein Spieleraum mit Tischkicker, Couchecke, Bücher- und Spieleregal sowie einem großen Ofen würden zu normalen Zeiten unter der Woche von Schulklassen bevölkert. „Am Wochenende sind es dann vor allem Kirchen-, Sport- und Pfadfindergruppen sowie Yoga-Kurse und die Lebenshilfe“, sagt Ortloff-Fahrenbach. Das Areal liegt inmitten eines ausgedehnten und abgelegenen Waldes. „Kinder können richtig laut sein. Stört ja hier niemanden“, so Ortloff. Der gelernte Koch unterstreicht zudem das Niveau des Essens in ihrem Heim. Früher – vor rund zehn Jahren als die beiden die Anlage übernommen haben – hätten Lehrer ihre Verpflegung noch selbst mitgebracht. „Das ist heute anders“, sagt er in Hinblick auf die Qualität bei sich im Haus.

In Niedersachsen gilt der sogenannte Stufenplan. Seit dem 25. Mai dürfen wieder Einzelgäste aufgenommen werden. Private Veranstaltungen, wie Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und Familientreffen noch nicht. Seit dem 6. Juni dürfen bei 80 Prozent Auslastung auch Gruppen wieder beherbergt werden, jedoch sind bis zum 31. August Kinder- und Jugendreisen explizit verboten . Diese stellen aber den größten Anteil der Gäste in „Gerdshütte“. Die Regelungen sind bundesweit nicht einheitlich. Über die Folgen der föderalen Zersplitterung ärgert sich Ortloff-Fahrenbach: „Eine Gruppe mit 50 Schülern aus NRW hatte einen Aufenthalt gebucht. Diesen mussten wir jetzt stornieren und die Gruppe fährt stattdessen in ein Haus in NRW, da die Regelungen dort anders sind.“

Von Gregor Hühne

Im Grünen gelegen: Für Klassen geeignet. Foto: Google Maps

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