Gottesdienst bei der Windmühle aus Anlass des Tags des offenen Denkmals / Technische Probleme offenbar weiterhin ungelöst

Gemischte Gefühle bei Müller Nienaber

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Rund 50 Besucher lockte der Freiluftgottesdienst bei der Harpstedter Windmühle anlässlich des Tags des offenen Denkmals. Pastor i.R. Werner Richter (links) hielt die Predigt. Der Posaunenchor musizierte.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Vom Wesen der Worte über Gebärden, Gestik und Mimik arbeitete sich Pastor i.R. Werner Richter am Sonntag während eines Gottesdienstes bei der Harpstedter Windmühle mit rund 50 Besuchern zur „Sprache der Mühlenflügel“ vor. Auch unterstrich er in seiner Predigt „unser aller Aufgabe“, das Wahrzeichen „funktionstüchtig und betriebsbereit zu halten“.

Bei Müller Helmut Nienaber weckte der Tag des offenen Denkmals gemischte Gefühle. Die Welle des Galerie-Holländers sei kaputt; die Flügel seien dauernd lose, sagte er in einem kurzen Gespräch mit unserer Zeitung. Mahlen könne er nicht.

Nienaber kritisiert unfachmännische Restaurierung

Ihm selbst sei sogar schon vorgeworfen worden, er könne mit der Mühle nicht richtig umgehen. Nienaber führt die Probleme seinerseits auf die vom Flecken veranlasste, schon Jahre zurückliegende Restaurierung des Bauwerks zurück, die seiner Ansicht nach unfachmännisch ausgeführt worden war: „Da sind falsche Keile eingesetzt worden.“ Der Streit zwischen Gemeinde und Müller schwelt schon länger.

Stellte ihre Fahrfähigkeit auf dem Harpstedter Bahnhofsgelände unter Beweis: die Diesellok 222.

Worte könnten wehtun, aber auch wohltun, sagte indes Pastor Richter in seiner Predigt. Seien sie einmal ausgesprochen, könnten sie nicht zurückgenommen werden – nicht einmal durch gut gemeinte Folgeworte. Auch unterliege die Sprache einem Bedeutungswandel, „den wir berücksichtigen müssen“. Martin Luther etwa habe vor 500 Jahren von seinem „Weib“ gesprochen. Er habe damit durchaus seine Hochachtung zum Ausdruck gebracht. Heute hingegen schwinge bei der Verwendung des Wortes Weib eher Verachtung mit. So könne also im Laufe der Zeit „uns die eigene Sprache fremd werden“. Die Beschäftigung mit den Worten des Glaubens, zum Beispiel mit den zehn Geboten oder den Seligpreisungen Jesu, nannte Werner Richter „lebenumfassend“. Es gebe darin immer etwas zu entdecken.

Der Stand der Flügel hat verschiedene Bedeutungen

„Auch die Mühle kann sprechen und den Menschen etwas weitersagen“, verdeutlichte der Geistliche anhand von Beispielen: Bildeten die Flügel ein schräges Kreuz, „dann zeigen sie an, dass Feierabend ist“. Ein aufrechtstehendes Kreuz signalisiere hingegen: „Die Arbeit pausiert.“ Nicht nur Nachrichten des täglichen Betriebes könne der Müller auf diese Weise weitergeben, sondern ebenso persönliche Botschaften aus der Familie. 

Nach einer Beerdigung seien die Mühlenflügel früher gelegentlich auf „Trauerschere“ gestellt worden; das heißt: „Sie zeigten auf 2, 5, 8 und 11 Uhr.“ Sie hätten also einem leicht nach rechts versetzten Kreuz geähnelt. Die „Freudenschere“ habe indes schöne Ereignisse wie Hochzeiten oder Geburten verkündet. „Dabei haben die Flügel auf 1, 4, 7 und 10 Uhr gezeigt und so ein leicht nach links versetztes Kreuz gebildet“, so Pastor Richter. Der Harpstedter Posaunenchor umrahmte den Freiluftgottesdienst. Im Anschluss gab es Kaffee und Kuchen.

Nach Angaben des Müllers ist der Galerie-Holländer schon länger nicht funktionsfähig.

In eine Kaffee- und Kuchenstube verwandelte sich indes am Tag des offenen Denkmals auf dem Harpstedter Bahnhofsgelände der Buffetwagen der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF), der als solcher vor 25 Jahren in Dienst gestellt worden war. Die Bewirtung übernahmen Jannis Riese, Marvin Schöler und Henk Duwe. Am späten Vormittag kam ein ganzer Tross von Besuchern – möglicherweise direkt vom Gottesdienst. „Das mögen so 30 bis 40 Leute gewesen sein. Ich hatte den Pastor gebeten, ein wenig Werbung im Gottesdienst für unsere Aktion zu machen“, erläuterte Joachim Kothe, Pressesprecher der DHEF.

Wiesn-Zeit in der Museumsbahn einläuten

Am Nachmittag ebbte das Interesse merklich ab, obwohl die Eisenbahnfreunde die Fahrtauglichkeit der mit neuem Motor und neuem Getriebe ausgestatteten Diesellok 222 auf den Gleisen demonstrierten und zudem die Fahrzeughalle geöffnet hielten, weil einige von ihnen dort ohnehin arbeiteten. Die zuvor unter Vorbehalt in Aussicht gestellten Draisinenfahrten entfielen. „Wir haben dafür nicht genug Personal“, begründete Kothe dies. Die zu Ende gehende Museumsbahnfahrsaison sei zwar noch nicht ausgewertet, aber vermutlich „mittelprächtig“ gewesen, meinte er.

Der Buffetwagen geht derweil am letzten Fahrtag, 17. September, weißblau geschmückt mit auf die Strecke. Passend zur nahenden Wiesn-Zeit können Fahrgäste dort dann Brezeln, Weißwurst sowie Weißbier erwerben und während der nostalgischen Ausflugsfahrt genießen. In Harpstedt startet der „Oktoberfest-Dampfzug“ am kommenden Sonntag um 9.30 Uhr, 13.30 Uhr und 17 Uhr. Zurück ab Bahnhof Grüne Straße in Delmenhorst-Süd geht’s um 10.45 Uhr, 14.45 Uhr und 18.20 Uhr.

Fahrräder können im Zug mitgeführt werden. Die Eisenbahnfreunde beobachten allerdings, wie Kothe verriet, dass die Zahl der Radler, die davon auf kombinierten Rad-Dampfzug-Touren Gebrauch machen, stetig zurückgeht.

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