Als Geistlicher in der Politik – aber ganz bewusst ohne Parteibuch

Städte- und Gemeindebund ehrt Werner Richter

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Im Namen des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes ehrte die Kreisvorsitzende Alice Gerken (2.v.r.) am Donnerstagabend im Hotel „Zur Wasserburg“ Werner Richter (2.v.l.) für 20 Jahre Mitarbeit im Samtgemeinderat. Den Glückwünschen schlossen sich der Erste Samtgemeinderat Ingo Fichter (links) und der Ratsvorsitzende Stefan Pleus (rechts) an.

Harpstedt - „Bürgermeisterpastor“ hat mancher Harpstedter Werner Richter mitunter genannt. Oft mit einem Schmunzeln auf den Lippen, aber ohne abschätzigen Unterton. Die Wortschöpfung erklärt sich aus einem kleinen Kuriosum: Dass ein Gemeinderat einen Pastor, wie 2006 im Flecken Harpstedt geschehen, zu seinem Vorsitzenden wählt, kommt eben nicht alle Tage vor. Als Nachfolger von Alfred Pergande (CDU) blieb Werner Richter zehn Jahre Bürgermeister.

Als Geistlicher kam es allerdings für ihn nicht in Betracht, der Fraktion einer Partei anzugehören. Stattdessen fand er in der Harpstedter Bürgerliste (HBL) seine politische Heimat.

Von der Absicht, die HBL zu reaktivieren, hatte ihm der frühere Ratsherr Henry Eiskamp 1991 erzählt und ihn bei dieser Gelegenheit gefragt, ob er mitmachen wolle. Richter wollte. Dabei war er eigentlich nur mit dem Kegelclub zum Gratulieren gekommen: Henry Eiskamps Enkel Florian hatte gerade das redensartliche Licht der Welt erblickt. Der Spross von damals sitzt heute selbst in Flecken- und Samtgemeinderat. Übrigens für die HBL. Wie Werner Richter. Der inzwischen pensionierte Pastor ist nur schon viel länger dabei. Sein 20-jähriges Wirken im Samtgemeinderat, in den Richter 1997 für Heinz Barlage (HBL) nachgerückt war, hat am Donnerstag die Kreisvorsitzende Alice Gerken im Namen des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes mit einer Urkunde im Hotel „Zur Wasserburg“ gewürdigt.

„Spagat“ im doppelten Sinne

„Viele Menschen kennen den Spagat zwischen familiären, beruflichen und Freizeit-Verpflichtungen, möchten sich aber trotzdem engagieren. Ein solcher Mensch ist Herr Richter“, sagte Gerken. Wer im Rat mitarbeite, müsse sich immer wieder dafür rechtfertigen, „das eine oder andere getan oder eben nicht getan zu haben“. Die eigenen Interessen mit denen der Gemeinde und ihrer Bürger unter einen Hut zu bekommen, sei ein weiterer, „nicht immer einfacher“ Spagat.

Alice Gerken hatte im Vorfeld ihrer Laudatio, die sie im Samtgemeinderat hielt, natürlich hinterfragt, in welcher Partei der zu Ehrende sei. Die Antwort: „In der HBL“. Ihre Reaktion überspielte Unwissenheit: „Ah, ja...“ Mittlerweile sei ihr, wie sie anmerkte, aber bekannt, dass es sich bei der HBL um die Harpstedter Bürgerliste handele. „Ich habe mir sagen lassen, dass Ihre Schwerpunkte auf den sozialen und gesellschaftlichen Themen liegen“, wandte sie sich Richter direkt zu. „Sie sind Mitglied in den Fachausschüssen für Schule und Soziales sowie für Feuerschutz und Rettungswesen und außerdem stellvertretender Beigeordneter im Samtgemeindeausschuss. Wie ich auch erfahren habe, sind Ihnen die Gespräche mit den Menschen vor Ort sehr wichtig. Als ich mich nach Ihrem Beruf erkundigte und ,Pastor’ zur Antwort bekam, wunderte es mich nicht, dass Sie für die Bürger stets ein offenes Ohr haben. Sie fühlen sich mit ihnen verbunden, und Sie übernehmen für sie Verantwortung. Das zeugt von einem großen Verantwortungsbewusstsein, aber auch von einem großen Einsatz von Lebenszeit und Kraft“, fuhr Gerken fort. Ihre Anmerkung, Richter habe gewiss zuweilen bei den persönlichen Interessen zurückstecken müssen, vielleicht ja auch „gegenüber der Familie“, quittierte der Ruheständler mit einem Schmunzeln und der Anmerkung, die Familie sei in seinem Fall „doch sehr reduziert“. Abschließend dankte Gerken für 20 Jahre „uneigennützige Tätigkeit“ im Samtgemeinderat.

Seine Meinung sagt er kurz und knapp

„Mit etwas Geduld schafft ihr das auch“, merkte der Geehrte gegenüber den noch nicht so erfahrenen Ratsmitgliedern an. „Wer Lust und Zeit hat, ist nachher auf ein Kaltgetränk eingeladen“, ergänzte er. Dass die geschliffen formulierten Predigten, die der Pastor „i.R.“ auch heute noch gelegentlich hält, zuweilen etwas „Überlänge“ haben, gilt in Harpstedt als offenes Geheimnis. Seine Meinung im Rat aber bringt Richter zumeist kurz und knackig auf den Punkt, ohne schon Gesagtes zu wiederholen. Holt er wider Erwarten doch etwas weiter aus, dann geht es für gewöhnlich um eine echte Herzensangelegenheit.

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