Gebrauchte Bücher – wohin damit?

Zwei, drei Stöberkisten mit Büchern bietet auch der Freiraum Harpstedt an, sagt Sabina Dalg-Vinken.

Von Lebensabschnittsgefährten muss man sich manchmal trennen – auch, wenn sie nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Papier und Pappe sind. Aber wohin mit Büchern, die langweilig, überflüssig oder zu alt geworden sind? In Harpstedt gibt es mehrere Anlaufstellen – mit Einschränkungen.

Harpstedt – Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen Bücher aussortieren: Sie haben sie zu oft gelesen, sind nicht mehr aktuell, oder nehmen schlicht zu viel Platz weg. Doch die Frage, was Menschen mit den aussortierten Bänden machen sollen, ist nicht so leicht zu beantworten. In der Samtgemeinde Harpstedt gibt es zwar einige Orte, an denen gebrauchte Bücher abgegeben und getauscht werden können, doch das läuft nicht immer rund.

„Manche Leute kommen mit Bananenkisten, hoch gestapelt mit Büchern“, sagt Elke Lischkowitz, seit 20 Jahren Leiterin der Samtgemeindebücherei Harpstedt. Sie habe auch schon erlebt, dass vor der Tür kommentarlos Kisten mit Bänden abgeladen wurden. „Das wird auch oft viel“, meint Lischkowitz. Einen halben Bücherwagen hat sie gerade mit gespendeten Druckwerken gefüllt, unter einem Tisch stehen zwei weitere Kisten. Sie beobachtet, dass häufig Sachbücher, vor allem mit Kochrezepten, abgegeben werden – „die ziehen die Leute sich jetzt aus dem Netz“. Auch Romane von Rosamunde Pilcher landen immer mal wieder bei der der Bücherei – „die brauchen wir wirklich nicht“, sagt Lischkowitz.

Sie und ihre Mitarbeiterinnen schauen alle gespendeten Druckwerke an und prüfen, was sie damit anfangen können. Was sauber, gut erhalten und nicht älter als fünf Jahre ist, hat gute Chancen, in den Bestand aufgenommen zu werden. Andere Bände wandern in die Kisten im Flur vor dem Eingang, wo gebrauchte Bücher gegen eine freiwillige Spende mitgenommen werden können.

Dorthin legen Lischkowitz und ihre Kolleginnen auch Druckwerke, die sie aus dem Bibliotheksbestand aussortiert haben. „Wenn es zu voll wird, dann transportiere ich die ab“, sagt Lischkowitz. In den Papiertonnen neben den Kisten liegen lediglich ein paar „Bravo“-Hefte. „Viele haben eine Hemmschwelle, Bücher wegzuwerfen“, meint die Bibliotheksleiterin.

Auch der Freiraum Harpstedt nimmt gebrauchte Bände für seinen Geschenketisch an. „Es ist ganz unkompliziert: Leute, die Bücher haben, bringen sie vorbei, und Leute, die welche haben wollen, nehmen sie mit“, sagt Sabina Dalg-Vinken. Zwei oder drei Bücherkisten stehen in der Regel vor dem Laden, sodass Interessierte auch im Vorbeigehen stöbern können. Im Frühjahr soll ein Regal, das unter anderem dafür gedacht ist, hinzukommen.

Doch auch die Freiraum-Ehrenamtlichen schauen auf das, was sie annehmen. „Wir möchten nicht, dass die Leute einfach nur was hinstellen, um es loszuwerden“, erläutert die Dötlingerin. Denn die Kapazitäten des Ladenlokals an der Freistraße 1 seien begrenzt. Wer viele Bücher habe, die noch in gutem Zustand seien, könne sich zum Beispiel für den Verschenkemarkt anmelden, den die Ehrenamtlichen alle drei Monate in der Grundschule Neerstedt organisierten, schlägt sie vor. Der nächste Termin stehe jedoch noch nicht fest.

„Bücher wegschmeißen geht uns gegen den Strich“, sagt Klaus Stark, Bürgermeister der Gemeinde Kirchseelte. Im dortigen Dorfgemeinschaftshaus stellte er vor zweieinhalb Jahren ein Regal für gebrauchte Bände auf. Inzwischen sind es drei. „Die sind gut gefüllt“, berichtet Stark. Für Ordnung sorge die Bürokraft der Gemeinde – die manchmal auch aussortiere. Ein Problem mit übergroßen Mengen abgeladener Bücher gebe es aber nicht.

Vielleicht liege das auch daran, dass nur die Ortsansässigen den Service nutzten, mutmaßt er. Zudem sind die regulären Öffnungszeiten des Hauses auf vier Stunden pro Woche begrenzt. Zugleich beobachtet Stark, dass Gäste bei Veranstaltungen auch gerne in den Regalen stöberten. Überwiegend stünden dort Romane, aber auch Kinder- und Fachbücher. „Und jetzt machen wir eine eigene Abteilung für plattdeutsche Bücher“, berichtet Stark. Seit Weihnachten seien dafür bereits drei Bände gespendet worden.

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