„Warst du mal dort, bist du infiziert“

Zu Gast bei Nomaden in der Mongolei

Seit langer Zeit befreundet: Beate Schenk (l.) und Altansuvd Gongor, Suvdaa genannt.

Kirchseelte/Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. „Einmal Mongolei – und du bist ,infiziert'“, weiß Beate Schenk. Die ehemalige Harpstedterin, die als Musikmanagerin jahrelang den Höömii-Sänger Hosoo unter Vertrag hatte und im Flecken einst den Wochenmarkt begründete, lebt heute teils in Weyhe, teils in Kirchseelte.

Fernweh weckt bei ihr immer noch die Mongolei, obwohl sie das Land schon dreimal bereist hat. Wer die unberührte Natur, die freundlichen Menschen und ihre Lebensweise einmal hautnah und authentisch kennenlernen möchte, dem kann Beate Schenk eine Individualreise, buchbar bei einer guten Freundin, nur empfehlen. 

Die Veranstalterin ist selbst Mongolin, heißt Altansuvd Gongor, wird Suvdaa genannt und spricht hervorragendes Deutsch, da sie lange in der Bundesrepublik gelebt hat. Zur Wendezeit kam sie nach Berlin, um an der Humbold-Universität zu studieren. 1996 hatte sie den Abschluss als Diplom-Ingenieurin für Gärungs- und Getränketechnologie in der Tasche. Im Jahr darauf lernte die studierte Bierbrauerin ihren späteren Mann Hosoo alias Khosbayar Dangaa auf einem Konzert kennen. Beide verbindet eine lange Freundschaft mit Beate Schenk.

In der Mongolei unterwegs

„Seit 2006 bin ich mit Gästen aus Europa in fast allen Ecken der Mongolei unterwegs. Die Musik und die Konzerttouren meines Mannes, aber auch Freunde und Bekannte haben mich auf die Reisen gebracht. Seit vier Jahren lebe ich selbst wieder in der Mongolei. Ich hatte nach so langer Zeit in Deutschland das Bedürfnis, zurück dorthin zu gehen. Durch den Umbruch vom Sozialismus zur Marktwirtschaft hat sich das Leben in der Mongolei rasant verändert“, erzählt Suvdaa. 

Und das Nomadentum drohe mehr und mehr der Globalisierung zum Opfer zu fallen. „Das wäre schlimm“, denn diese Lebensweise sei in mehrfacher Hinsicht eine Bereicherung; sie wirke sich positiv auf die physische und geistige Entwicklung der Menschen aus; durch das „ständige Umziehen“ bleibe zudem die Natur „frisch und gesund“. „Der Mensch muss nicht sein ganzes Leben an einem Ort einen Job verrichten – wie eine Maschine“, findet Suvdaa. 

Ein Nomade sei bewandert in allen erdenklichen Berufen – er sei Schuhmacher, Tischler, Hirte, Erzähler und Sänger in einer Person. Das halte ihn körperlich fit und geistig flexibel. Die Städter in der Mongolei seien mit ihrem Dasein indes oftmals unglücklich; viele wüssten aber andererseits „die Farben des Lebens auf dem Land“ gar nicht mehr zu schätzen.

Ab der typischen Touristenpfade

Wer bei Suvdaa eine Rundreise bucht, soll, so ihr Ziel nicht die typische Touristenvariante mit fest abgesteckten Routen, Unterbringung in Touristencamps und europäischem Essen, sondern das „einfache, ganz echte Leben“ gezeigt bekommen; das schließt auch das Nächtigen in Jurten ein.

Altansuvd Gongor, Tochter eines Veterinärs und einer Lehrerin, wuchs in einer ländlichen Region der Mongolei auf. Ihre Großeltern zogen selbst noch als Nomaden umher. Bislang organisiert sie Rundreisen mit Transport per Jeep, Geländewagen oder auch zu Pferde noch auf privater Basis, strebt aber eine Professionalisierung an. Gern erinnert sie sich an einen zwei Jahre zurückliegenden Reiturlaub. „Wir sind jeden Tag 50 Kilometer geritten“, erzählt sie.

Suvdaa begleitet die Reisegruppen, zumeist Kleingruppen, komplett, bekocht sie teils sogar. „In zwei oder drei Jahren“ wolle sie auch die Möglichkeit bieten, die Mongolei in einer Karawane zu erkunden, verrät die Mutter eines 14-jährigen Mädchens. Aktuell offeriert sie zwei Urlaube auf ihrer Website – eine Rundreise zu den Nomaden mit Workshops unter der Leitung des Obertonsängers Wolfgang Saus und eine Tour in die Wüste Gobi sowie zu den Ausläufern des Altai-Gebirges. Beate Schenk (Tel.: 0172/423 85 32) stellt für Interessenten gern den Kontakt zu Suvdaa her. Weitere Infos sind online abrufbar.

www.khukh-suvd.com

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