Einweihung in der Harpstedter Feldmark

Rustikale Gartenbank fristet kein tristes Schattendasein mehr

Nach der Taufe der gespendeten Bank an der namenlosen Ringstraße in der Harpstedter Feldmark. Stehend, von links: Adolf Knapp, Hermann Schnakenberg und Alice Knapp. Sitzend: Manfred und Erika Horstmann.
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Nach der Taufe der gespendeten Bank an der namenlosen Ringstraße in der Harpstedter Feldmark. Stehend, von links: Adolf Knapp, Hermann Schnakenberg und Alice Knapp. Sitzend: Manfred und Erika Horstmann.

Harpstedt – Als Adolf Knapp zu Teekessel mit Wasser und Pinsel griff, um „Taufe“ und Einweihung zu vollziehen, löste er Gelächter aus. Der Harpstedter, bekannt für flotte Reime, übergab eine neu aufgestellte Ruhebank an einer vom Leuchtenburger Weg abzweigenden – namenlosen – Ringstraße in der Feldmark ihrer Bestimmung.

„Liebe treu gediente Gartenbank, hiermit taufe ich dich auf den sehr selten gewordenen, schönen Namen Erika“, sagte der Ruheständler. Sodann schritt er pinselschwingend zur Tat.

Der Taufname spielt auf die Spenderin an: Das rustikale Sitzmöbel stand mindestens 30 Jahre lang bei Erika Horstmann und ihrem Mann Manfred auf dem Hof. Das Paar wollte die Ruhebank schon in den Sperrmüll geben, entschied sich dann aber anders. Nun erfüllt das gute Stück – frisch gestrichen – einen Nutzen für das Harpstedter Gemeinwesen und sieht aus wie neu. Darüber freute sich auch Hermann Schnakenberg, der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins. Der VVV kümmert sich im Flecken traditionell um öffentliche Sitzgelegenheiten. Weil sich die Mitglieder altersbedingt nicht mehr so stark mit Arbeit einbringen können, ersetzt der Verein zunächst rund 40 Ruhebänke durch pflegeleichte Bänke aus recyceltem Material mit Kunststoffanteil; zu einem guten Teil ist das bereits umgesetzt. Neue Bänke stehen inzwischen unter anderem auf der Minigolfanlage, im Park der Begegnungsstätte und an Delmebrücken. Der VVV war in Dötlingen auf solche Sitzgelegenheiten aufmerksam geworden, die keines regelmäßigen Anstrichs mehr bedürfen. Der Vorstand kam zu der Erkenntnis, dass sich diese pflegeleichte Option auch für Harpstedt anbietet.

„Du bist noch lange nicht zu Haus“

Die von den Horstmanns gestiftete Ruhebank aus Holz und Metall hat damit aber nichts zu tun. Ein Schild an der Rückenlehne weist auf die Spender hin. „Setz dich nieder, ruh dich aus. Du bist noch lange nicht zu Haus! Fröhlich grüßen Erika und Manfred Horstmann. Februar 2021“, lautet die Inschrift. Der Schriftzug passt. Denn wenn die beiden Spender eine Runde durch die Feldmark spazieren und die Bank erreichen, liegt etwa genauso viel Strecke hinter wie vor ihnen.

Manfred Horstmann und Adolf Knapp kennen sich übrigens auch aus der „Rentnerbänd“ der Fördergemeinschaft Koems, die sich fortlaufend um die Pflege und den Erhalt des Harpstedter Scheunenviertels kümmert. Mit seinem Hang zu Lyrik und Poesie machte Knapp, ehemals Anzeigenberater der Mediengruppe Kreiszeitung, aus der Einweihung der Ruhebank ein kleines Event. Er sorgte bei frühlingshaftem Wetter für eine willkommene Abwechslung in der tristen Coronazeit – unter Wahrung der Abstandsregeln. Erika Horstmann hatte für den kleinen Teilnehmerkreis Fläschchen mit Sahnelikör zum abschließenden Anstoßen und „Begießen“ mitgebracht.

Dieses Schild erinnert an die freundlichen Spender.

Rede mit viel Pathos

Mit viel Pathos begann Adolf Knapp seine kurze Rede: „Wir stehen hier gemeinsam vor einer Bank, die bestimmt viel zu erzählen hätte, wenn sie reden könnte. Von Liebesschwüren, Tränen der Trauer und des Glücks.“

Unter einer knorrigen Eiche habe das Gartenmöbel bislang ein „abwechslungsreiches Schattendasein“ gefristet. Die Bank habe allen Witterungsbedingungen getrotzt und finde „jetzt, in ihrem hohen Alter, einen wohlverdienten Ruheplatz inmitten der Natur“.

Adolf Knapp wünschte sich, dass die Bank „an dieser Ringstraße“, einem „Kreuzungspunkt schützenswerter Wildtiere“, bei „Blüten- und Gülleduft“, Vogelgesang und Bienensummen „viele Jahre hindurch ein sehr beliebter Verschnaufplatz“ bleiben möge.

Für das abschließende Gruppenfoto platzierte er dekorativ ein halbmondförmiges Stück Pappe und ein dazu passendes Schild mit den Versen: „Wer hier sitzt, vergisst die Zeit, und selbst der Mond erblasst vor Neid!“

Mit Pinsel und Teekessel: Adolf Knapp schreitet augenzwinkernd zur feierlichen Einweihung.

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