Früherer Mathelehrer Harnisch ist ein Nachfahre von Rechenmeister Adam Ries(e)

Erblich „vorbelastet“

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Friedrich Harnisch hat‘s schriftlich: Der Pensionär, der in seinem Berufsleben als Lehrer neben Chemie auch Mathe unterrichtete, ist mit Rechenmeister Adam Ries verwandt.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Ungezählten Schülern hat Friedrich Harnisch aus Harpstedt in seinem Berufsleben als Lehrer neben Chemie auch Mathematik beigebracht. Dass die Leidenschaft für die Welt der Zahlen und der Logik ein Ergebnis erblicher „Vorbelastung“ sein könnte, kam dem früheren Konrektor der Haupt- und Realschule Harpstedt nicht in den Sinn, bis der ehemalige Kinderarzt Dr. Arno Max Schieck dem 76-jährigen Pensionär offenbarte, er sei in 14. Generation ein Nachfahre des berühmten Rechenmeisters Adam Ries, besser bekannt unter dem eigentlich nicht korrekten Namen Adam Riese.

Inzwischen liegt Harnisch diese Erkenntnis sogar schwarz auf weiß vor. Schieck, selbst ein Ries-Nachfahre, erstellte in Kooperation mit dem Arno-Ries-Bund gleich zwei Familienchroniken für den Harpstedter. Eine zeichnet die Nachkommenschaft des berühmten Mathematikers nach, die andere die Ahnenreihe der Harnischs bis zurück ins Jahr 1595. Besonders aufschlussreich sind gewissermaßen die Schnittmengen beider Schriften.

Adam Ries kam zu Zeiten der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus zur Welt. Christiane Concordia Schwipper (1763–1822), eine Nachfahrin in achter Generation, heiratete 1785 in Cranzahl den Waffen- und Hufschmiedssohn Carl Heinrich Harnisch, seinerzeit Musketier im Regiment Prinz Maximilian, also Soldat einer sächsischen Militäreinheit. Damit begann die gemeinsame Linie der Familien Ries und Harnisch. Eine Pikanterie für damalige Verhältnisse: Der Ehegatte sah schon vor der Trauung Vaterfreuden entgegen. Die evangelische Kirche zeigte sich darüber not amused. Die verantwortlichen Kirchenvertreter hätten den Umstand, dass die Braut vorehelich entjungfert worden war, mit dem Vermerk „defloriert“ bedacht, lässt sich der Harnisch-Chronik entnehmen.

Die familiengeschichtlichen Schriften haben Friedrich Harnisch keinen Cent gekostet. Der Chronist wollte noch nicht einmal eine Aufmerksamkeit dafür haben. „Bitte kein Geschenk! Wird abgelehnt“, schrieb Schieck in einem Brief an die Harpstedter Familie. „Ich habe ihm trotzdem per Fleurop-Dienst einen Blumenstrauß geschickt. Den konnte er schlecht ablehnen. Außerdem hat er ein Bild von unserer Familie bekommen. Ich war ja für ihn eine ganz anonyme Person“, erzählt Friedrich Harnisch. Dabei verbindet ihn eine – wenn auch etwas komplexere – innerfamiliäre Liaison mit Schieck: „Seine Zwillingsschwester ist mit meinem Cousin Günter Lang verheiratet“, verrät der Harpstedter. „Diesem Umstand ist es letztlich geschuldet, dass wir an die Unterlagen gekommen sind. Mein Cousin wohnt in Crottendorf, woher auch mein Vater stammt. Das ist eine Nachbargemeinde von Annaberg im Erzgebirgskreis. Dort wiederum hat Adam Ries gewirkt.“

Schieck hatte sich selbst im Zusammenhang mit seinen Recherchen zur Nachkommenschaft des berühmten Rechenmeisters telefonisch an Friedrich Harnisch gewandt, um einige Daten und Namen in Erfahrung zu bringen. „Persönlich habe ich ihn noch nie getroffen“, so der Harpstedter, der als Lehrer von 1973 bis 2004 an der Haupt- und Realschule mit Orientierungsstufe Harpstedt wirkte.

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