Oder: Wie nebensächlich Behinderung sein kann / „Die Kernigen“ gestalten besonderen Gottesdienst

Fröhlichkeit und Lebensfreude

Die Geschichte von Hase und Igel stand im Mittelpunkt des von den „Kernigen“ mitgestalteten Gottesdienstes.

Harpstedt - HARPSTEDT (jp/gsa) · „Heute erwartet Sie ein ganz besonderer Gottesdienst – von und mit ganz besonderen Menschen.“ Mit diesen Worten begrüßte Bianca Harries, die erste Vorsitzende des Behindertenbeirates der Samtgemeinde Harpstedt, am Sonntagmorgen rund 70 Kirchgänger in der Christuskirche.

Besser hätte der außergewöhnliche Vormittag in der Tat kaum beschrieben werden können: Der integrierte Jugendtreff „die Kernigen“ gestaltete den Gottesdienst gemeinsam mit Annette Grummt unter dem Motto „Wetten, wir schaffen das?“. „Die Kernigen – das sind Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung, wobei jene mit Behinderung im Vordergrund stehen“, erläuterte Bianca Harries. Seit August 2009 treffe sich die Gruppe in der Trägerschaft der Lebenshilfe jeden Dienstag. „Alle haben sich sehr gut zusammengefunden und werden sich heute gegenseitig in ihren Beiträgen unterstützen.“ Zwar ein wenig nervös und aufgeregt, aber mit viel Spielfreude und voller guter Laune empfanden Kinder und Jugendliche aus der Gruppe die von der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Marion Skrotzki kindgerecht überarbeitete Geschichte von Hase und Igel mit Hilfe von Schiebefiguren nach. Während der „kleine krummbeinige Igel“ seinen Herausforderer geschickt überlistete, wunderte dieser sich nach dem ungleichen Wettrennen immer wieder aufs Neue: „Das kann doch nicht angehen!“ Jutta Döpcke, Mitarbeiter bei den „Kernigen“, schloss mit den Worten: „Und die Moral von der Geschicht: Leg’ dich nicht mit dem Igel an, wenn du nichts Besseres zu bieten hast als lange Beine und tolle Klamotten!“

Lektorin Annette Grummt sprach über die Geschichte vom Rangstreit der Söhne des Zebedäus, die zuvor Gerhard Spaltner gelesen hatte. Die beiden Jünger wollen von Jesus die Zusage, dass sie im Himmel neben ihm sitzen dürfen. Grummt erinnerte das an „Streber“ in einer Klasse. Auch in Politik, Sport oder Kirche hätten viele gerne ein besseres Ansehen. „Die Jünger wollten ihre Stärke erfahren – so waren sie erzogen“. Gott habe aber alle im Blick. Er brauche sie als Mitarbeiter. „Dienen ist etwas Schönes“, sagte Annette Grummt abschließend. Die elf „kernigen“ Kinder sowie ihre Betreuer und Eltern sangen auch mehrere Lieder vor. Die Gruppe bewies eindrucksvoll, wie nebensächlich eine Behinderung sein kann, wenn Fröhlichkeit und Lebensfreude alles andere unwichtig erscheinen lassen.

Im Anschluss an den Gottesdienst waren die Gemeindemitglieder eingeladen, im „Alten Pfarrhaus“ bei Kaffee und Snacks Gedanken und Eindrücke auszutauschen.

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