Frits und Heike Deemter machen im Essgarten in Barjenbruch Lust auf die Maulbeere / Knapp 100 Besucher

„Schmeckt süß – ein bisschen nach Rosine“

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Frits Deemter (r.) machte den Besuchern, darunter auch Patrick und Katrin Scheelje, die Maulbeere schmackhaft.

Barjenbruch - Von Jürgen Bohlken. Das Fernsehen interessiert sich offenbar brennend für den Essgarten in Barjenbruch. Schon oft plauderten Frits und Heike Deemter mit Redakteuren verschiedener Sendeanstalten über ihre Anlage, die mehr als 1000 genießbare Pflanzen beherbergt. Gleichwohl erleben die sympathischen „Essgärtner“an diesem Dienstag eine persönliche TV-Premiere. Erstmals werden sie live in Hamburg interviewt – im Rahmen der Sendung „Mein Nachmittag“, die das NDR-Fensehen von 16.10 Uhr bis 17.10 Uhr ausstrahlt.

Wenn bislang Drehteams anrückten, dann filmten sie so lange und so oft, bis sie die gewünschten Einstellungen „im Kasten“ hatten. „Das war mehr oder weniger gestellt. Die Live-Sendung ist schon etwas anderes. Doch Angst habe ich nicht davor“, sagt Heike Deemter. „Mein Mann und ich sind vorher befragt worden von dem Mitarbeiter, der das Skript schreibt. Wir sollten erzählen, warum wir den Essgarten angelegt haben und pflegen. Die Leute vom Fernsehen wollen eben keine Überraschungen erleben“, fügt sie hinzu.

Eigentlich sei sie ja als Physiotherapeutin in Sachen Botanik nicht vom Fach, gesteht Heike Deemter. Gleichwohl hat sie sich ein erstaunliches Wissen über die Pflanzen angeeignet, die auf dem Anwesen in Barjenbruch gedeihen. So auch über die Maulbeere. Die wiederum stand am Sonntag im Mittelpunkt, als sich der Essgarten einmal mehr für jedermann öffnete.

Knapp 100 Besucher kamen bei wechselhaftem Wetter – und staunten. „Schmeckt sehr süß“, urteilten viele Gäste über die kleinen Früchte. So mancher fühlte sich ein wenig an Rosinen erinnert.

„Der Alte Fritz hat die Maulbeere eingeführt“, hat Heike Deemter nachgelesen. Friedrich II., der Preußenkönig, hatte per Edikt das Anpflanzen von Obst- und Maulbeerbäumen verfügt. Erstere sollten entlang der Heeresstraßen in die Kriegsgebiete die Versorgung der marschierenden Truppen sicherstellen. Letztere ließ er indes pflanzen, weil die Blätter den Seidenraupen als Nahrung dienen. Der Regent wollte mit der Zucht der Raupen erreichen, dass sich die teuren Seidenimporte aus China für die kostbaren Kleider der Oberschicht erübrigen. Die Idee war gut, das Verfahren aber aufwendig und der Erfolg daher nicht durchschlagend. 1778 gelang es immerhin, 3,173 Tonnen Kokons zu 407 Kilogramm Seide zu verarbeiten.

Die Aufzucht von etwa 20000 Raupen erforderte rund 200 Arbeitsstunden binnen fünf Wochen. Sie setzte sehr viel Know how voraus. Zunächst galt es, einen geeigneten Raum zu finden. Grund: Die Raupen mögen weder Zugluft noch Temperaturschwankungen, weder Krach noch grelles Licht. Als Nahrung bekamen sie erst fünf- und dann drei- bis viermal am Tag die zarten, klein gehackten Triebe des Maulbeerbaumes verabreicht. Denn nur die ausgewachsenen Tiere können die voll ausgebildeten Blätter fressen. Außerdem mussten die Raupen alle fünf bis sechs Tage umgebettet werden – einerseits, weil sie mehr Platz benötigten, andererseits, um die Horden zu reinigen. Die Häutungen vollziehen sich in fünf- bis sechstägigen Abständen; nach der vierten fressen sich die „Spinner“ noch einmal für etwa neun Tage satt, bevor sie beginnen, sich einzuspinnen. Dafür bekamen sie zu Zeiten des Alten Fritz „Spinnhütten“ zur Verfügung gestellt, Gestelle aus Reisig, Stroh oder Holz. Mit dem Absammeln der Kokons und der Ablieferung in der Seidenhaspelei endete die Arbeit des Seidenraupenzüchters.

Heute stünden, so Heike Deemter, an vielen öffentlichen Gebäuden Maulbeerbäume. Aber kaum jemand wisse, dass „die Früchte so lecker sind“. Sie kämen wohl niemals in die Supermärkte, denn sie müssten, wenn sie reif seien, „gleich gegessen werden“. Die Beeren ließen sich nicht über längere Strecken transportieren oder lange lagern.

Heike Deemter weiß auch um die „insulinregulierende Wirkung“. Maulbeeren tragen den sekundären Pflanzenstoff Deoxynojirimycin in sich, der Altersdiabetes entgegenwirkt. Die Blätter bestehen bis zu einem Viertel aus Proteinen, enthalten obendrein sieben Mal so viel Kalzium wie grüner Tee und besitzen ferner größere Mengen Natrium und Kalium – also Mineralien, die für die Regulierung des Flüssigkeitshaushaltes von Bedeutung sind. Hinzu kommt ein hoher Gehalt an Eisen, das im menschlichen Körper für den Transport von Sauerstoff im Blut verantwortlich ist.

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