Freunde und Sympathisanten dürfen dem Buchhändler zum Start seines „Lebenslaufs“ gern gute Wünsche mit auf den Weg geben

Morgen Nachmittag bricht Jens Fröhlke zu seiner „Friedenstour“ auf

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Will Geld und Konsum für ein Jahr hinter sich lassen: Buchhändler Jens Fröhlke aus Harpstedt.

Harpstedt - Für Buchhändler Jens Fröhlke ist der spannende Moment gekommen: Morgen nimmt er zwischen 13 und 14 Uhr an seinem Wohnsitz an der Freistraße in Harpstedt Abschied von seiner Lebensgefährtin Birgit Blocksdorff sowie seinen beiden Söhnen Yaro und Tarik. Wer ihm sonst noch alles Gute zum Start seines „Lebenslaufs“ wünscht, wird sich zeigen. Er selbst rechnet nicht mit einer allzu großen Menschenansammlung. „Viele Leute müssen zu der Zeit ja arbeiten“, weiß er. Ein Fernsehteam, das eine Dokumentation zu Fröhlkes Projekt plant, hat sich für Dreharbeiten angekündigt.

365 Tage lang will sich der 53-Jährige zu Fuß durch Deutschland schlagen – ohne Geld und unter bewusstem Verzicht auf die Freuden des Konsums (wir berichteten). Er möchte Kontakte knüpfen zu Gleichgesinnten, die davon überzeugt sind, dass sich die Welt – auch im Interesse nachfolgender Generationen – zum Besseren verändern lässt. „Es geht mir nicht zuletzt um die Bildung von Netzwerken mit Menschen, die mutig sind und ähnliche Gedanken haben wie ich selbst“, erläutert der Harpstedter. Er möchte alternative Lebensformen kennenlernen, wachrütteln, Mut machen und die Kraft des Wortes nutzen, wenn er in der Öffentlichkeit aufwühlende oder auch anrührende Texte liest. Aus diesem Grund muss sein Tablet unbedingt Platz im Gepäck finden. „Da habe ich einiges raufgeballert“, erzählt Fröhlke. Das Spektrum umfasst nicht nur – aber auch – Lektüre mit politischen Botschaften. Es reicht von Günter Hannichs „Der Marionettenstaat“ über Werke von Peter Handke, dem deutsch-schweizerischen Psychoanalytiker Arno Gruen und dem Liedermacher Konstantin Wecker bis hin zu Charlie Chaplins „Als ich mich wirklich selbst zu lieben begann“.

Einen Tag vor dem Aufbruch zur „Friedenstour“ nahm Fröhlke einen Termin im „Mikado“ in Horstedt wahr, um dort Tobi Rosswog und Pia Damm vom Projekt- und Aktionsnetzwerk „living utopia“ kennenzulernen, die ein Leben ohne Geld führen. Über den schnöden Mammon macht sich auch der Buchhändler so seine Gedanken. „Das Geldsystem muss sich entscheidend verändern“, sagt er. Viel zu lange schon lasse es als „fieses Machtinstrument tagtäglich Tausende von Menschen über die Klinge springen.“ Grenzen, Angst, Armut und Liebe sind weitere Themen, die Fröhlke auf seinem „Lebenslauf“ für „eine lebenswerte Welt“ begleiten werden.

Für den Anfang nimmt er sich bewusst nicht zu viel vor. Sein erster Weg werde ihn nach Groß Henstedt führen. Der Plendelhof hat ihn eingeladen, dort die Nacht zum Sonnabend zu verbringen. „Das ist eine Lebensgemeinschaft, die gut in mein Konzept passt“, findet Fröhlke. Über Syke soll‘s weiter nach Verden gehen. „Danach muss ich mich entscheiden, ob ich in Richtung Osnabrück laufe oder mich zu Harz und Wendland hin orientiere“, verrät der 53-Jährige. Diverse Schlafplätze sind ihm angeboten worden, verweist er auf geschätzte 60 bis 80 Einladungen, die er bekommen hat. Viele Kontakte gingen auf die Publizierung seines Crowdfunding-finanzierten Projektes im Internet – auf facebook – zurück. Gleichwohl rechnet Fröhlke damit, dass er die eine oder andere Nacht unter freiem Himmel schlafen wird.

Sein Rucksack wartete heute früh noch darauf, gepackt zu werden. Was reinpasse? „Viel und wenig“, so der Harpstedter schmunzelnd in Anspielung auf die 70 Liter Fassungsvermögen. Schlafsack, Isomatte und eine Mini-Hängematte wolle er neben Kopflampe, Bekleidung, einem langen Stück Seil und zwei Büchern mitnehmen, ein Zelt hingegen nicht. Seine Lebensgefährtin Birgit Blocksdorff ermuntert indes Freunde und Sympathisanten, dabei zu sein, wenn sich der Buchhändler morgen auf den Weg macht: „Wer winken, Glückwünsche überbringen, Blasenpflaster, Liedchen oder sonstige Glückseligkeiten bereithalten möchte, ist eingeladen, uns ein Stück auf der Freistraße zu begleiten um einfach Adieu zu sagen.“

boh

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