Ökumenisch gelebte Willkommenskultur

Flüchtlinge bringen Ideen ein

Im Zeichen des Integration und der kulturellen Annäherung stand das Gemeindefest. - Foto: Rottmann

Harpstedt - „Gemeinsam in die Zukunft“ – unter diesem Motto stand am Sonnabend ein Vorabendgottesdienst in der katholischen Christ-König-Kirche. Diakon Bernhard Sauer und Pastor Arnold Kuiter wollten „Menschen, die auf ihrer Flucht in Harpstedt gelandet sind, zu Wort kommen lassen“, um ihre Geschichten zu erfahren.

Auch die Arbeit der Flüchtlingsinitiative kam zur Sprache. Viele Asylsuchende nahmen teil. „Der Anteil der Flüchtlinge in der vollbesetzten Kirche hat zwei Drittel ausgemacht“, so Kuiter. „Das hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Schön zu sehen, dass auch etliche Kinder mit dabei sind“, fügte er hinzu.

Eigene Ideen brachten die Flüchtlinge bei den Fürbitten ein. Letztere wurden in deutscher und arabischer Sprache vorgelesen. Eine schöne Idee kam ebenfalls von Asylsuchenden: Nach jeder Fürbitte wurde eine Kerze angezündet, um die Bitten zusätzlich zu verstärken. Da die Flüchtlingsinitiative vor Ort nicht konfessionell gebunden ist, nahmen auch protestantische Christen teil.

Ein sich anschließendes Gemeindefest in Form eines gemütlichen Grillabends, zu dem die Katholiken eingeladen hatten, stand ebenfalls im Zeichen der Integration und der kulturellen Annäherung. Bei Köstlichkeiten vom Grill, leckeren Salaten und Getränken kam man ins Gespräch. 

Auch die Flüchtlinge hatten etwas zum Buffet beigesteuert. Zu ihrer großen Freude ist es Thea Möring gelungen, eine Frau aus Henstedt zu gewinnen, die eine Familie aus Harpstedt regelmäßig besuchen wird. Bei solchen Patenschaften geht es darum, dass die ehrenamtlichen Helfer, wenn es ihre Zeit erlaubt, die Familien zu Hause aufsuchen, mit ihnen Tee trinken, spielen, klönen und in geselliger Runde etwas Zeit mit ihnen verbringen.

Thea Möring weiß aus ihrer Erfahrung in der Flüchtlingsinitiative, dass „die Menschen Anschluss suchen, die Sprache besser lernen und verstehen wollen und sich auch integrieren möchten“. Der Abend bot eine gute Gelegenheit, darauf hinzuarbeiten. Wer Interesse hat, selbst eine Patenschaft zu übernehmen, kann sich gern unter Tel.: 0172/616 16 80 melden.

Auch für die Kleinsten war beim Grillfest gesorgt worden: Bobby-Cars, Hüpfbälle, Pedalos, verschiedene Spiele sowie der obligatorische Sandkasten luden zum Spielen und Toben ein. Einige jugendliche und junge Mirgranten wohnten der Veranstaltung ebenfalls bei: Mohammad (23) und Mehmoud (19) aus Syrien sowie Haji (16) und Ivan (25) aus dem Irak. Einer von ihnen schrieb sogar ein Dankeschön auf einen Zettel.

Mariam Taramush aus Syrien lebt mit ihrem Mann, dem zweijährigen Sohn Miran und ihrem Schwager Abdul mittlerweile in einer Wohnung in Harpstedt. Sie ist seit elf Monaten in Deutschland und hat vor kurzem einen viermonatigen Deutschkurs abgeschlossen. Sie erntet viel Bewunderung dafür, dass sie in so kurzer Zeit die deutsche Sprache schon gut anwenden kann – die beste Voraussetzung für eine gelingende Integration.

Pastor Kuiter hatte sprachliche Barrieren während der Messe gestreift: „Die Flüchtlinge sagen, die deutsche Sprache sei sehr schwer. Wenn ich dann aber die arabische Schrift sehe, wäre die für uns mindestens genauso schwer“. - aro

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