Bürger ärgern sich über späte Freibad-Öffnung

„Flexibel wie ein Stahlrohr“

Harpstedt - „Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie flexibel man in Harpstedt ist. Flexibel wie ein Stahlrohr“, hat eine Bürgerin im facebook-Forum „Weltstadt Harpstedt“ die Entscheidung der Samtgemeindeverwaltung kommentiert, das Rosenfreibad erst am 20. Mai zu öffnen.

Der Unmut über die „verschenkte“ frühe Hitzeperiode lässt sich aus Kommentaren deutlich herauslesen. „Wie immer wird die erste Wärme verpasst“, heißt es da. Oder auch: „Twistringen macht jedes Jahr am 1. Mai auf.“ Und an anderer Stelle: „Wäre ja auch mal ein echtes Wunder, wenn es tatsächlich geklappt hätte.“ Der nach durchlittener Leukämie-Erkrankung wieder genesene Marius Kossmann hingegen bleibt gelassen: „Es gibt Schlimmeres“, urteilt er.

Sogar die Frage, ob die späte Öffnung als Sparmaßnahme getreu dem Motto „Je weniger das Bad auf ist, desto weniger Geld kostet es“ zu verstehen sei, kommt zur Sprache. Ebenso Mitgefühl mit dem neuen Kioskpächter; der werde, so ein ironischer Kommentar, „begeistert sein, dass er bei Sonnenschein seinen Kiosk einräumen darf, um seine Sachen im Regen zu verkaufen“.

Tatsächlich hat die Samtgemeinde Harpstedt ein enges Zeitfenster gehabt, um die letzten Fliesenschäden auszubessern, zumal zwischen winterlicher Kälte und sommerlicher Hitze nur einige wenige frühlingshafte Tage lagen. Das deutet Ratsherr Stefan Wachholder mit einem auf facebook geposteten Foto vom 25. April an. An jenem Tag lag noch Schnee im Rosenfreibad. Die Erledigung der Ausbesserungsarbeiten ging stufenweise über die Bühne. Zunächst wurde das Wasser aus dem Nichtschwimmerbecken abgelassen, um dort reparieren zu können. Für die Ausbesserung musste das Wetter zumindest einigermaßen mitspielen. In einem weiteren Schritt folgte das Umpumpen des Wassers aus dem Schwimmer- ins Nichtschwimmerbecken. All das nahm Zeit in Anspruch. Erst nach Leerung des Schwimmerbeckens konnte dort die Instandsetzung beginnen. Die schnellere, aber aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht fragwürdige Alternative wäre gewesen, das komplette Wasser, das die kalte Jahreszeit über in den Becken verbleiben muss, um sie vor zu starken Frostschäden zu schützen, in die Kanalisation zu leiten und dafür Gebühren in beträchtlicher Höhe zu zahlen. Stefan Wachholder, der ganz in der Nähe des Freibades wohnt, kann kein Versäumnis erkennen. Seit Februar sei im Bad unter Hochdruck gearbeitet worden; niemand habe dort getrödelt, sagt er.

Warum aber öffnen andere Bäder früher? Wachholder kennt den Grund nicht, hat aber eine Vermutung: Vielleicht seien die Becken andernorts materialbedingt weniger frostempfindlich als in Harpstedt.

boh

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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