An Verschwiegenheitspflicht entzündet sich Wortgefecht

Wer hat zu viel „geplappert“?

Harpstedt - Ein ungewohnt rauer Ton herrschte am Donnerstag, wenige Tage vor der Kommunalwahl, gegen Ende der Fleckenratssitzung im Hotel „Zur Wasserburg“. Horst Bokelmann (fraktionslos) und Stefan Wachholder (CDU) gerieten aneinander.

Es ging um die von Altbürgermeister Hermann Bokelmann geforderte Ausweisung gewerblichen Bauerwartungslands gegenüber von WD. Müller, die daran scheitert, dass nicht alle Eigentümer ihre Flächen verkaufen wollen. Über diese Sachlage, so hatte Wachholder in der Presse vermutet, sei Bokelmann wohl von seinem Sohn Horst in Kenntnis gesetzt worden. Letzterer widersprach im Rat energisch. Er halte sich strikt an die Verschwiegenheitspflicht. Dass er etwas aus nichtöffentlicher Sitzung weitergetragen habe, sei eine Unterstellung. „Und das in einer Zeitung. Das ist nicht in Ordnung.“

Bokelmann drehte den Spieß um: Wachholder habe über die Presse publiziert, die Grundstücke bei WD. Müller seien nicht zu haben, der Flecken suche nach anderen Gewerbeflächen und führe darüber Gespräche. „Das“, so Bokelmann, „ist aber nie in einer öffentlichen Sitzung mal Thema gewesen, sondern nur in einer nichtöffentlichen. Nun aber ist es durch die Zeitung publik geworden. Und das verstößt gegen die Verschwiegenheitspflicht.“

Im Übrigen sei es ein „fatales Ding“, solche Behauptungen, wie sie Wachholder aufgestellt habe, in die Welt zu tragen, zumal der Bürger denken müsse: „Naja, die Ratsmitglieder werden schon zu Hause erzählen, was geheim ist.“ Dann aber könnte im gleichen Zuge unterstellt werden, der Finanzbeamte verrate seinen Angehörigen, „was der Nachbar verdient“, oder die Mitarbeiter der Volksbank, der OLB oder der Sparkasse gäben preis, „wer was auf dem Konto“ habe. „Das machen die natürlich nicht. Und ich tu’s auch nicht“, betonte Bokelmann.

„An dem Tag, bevor der Artikel in der Zeitung erschienen ist, habe wir telefoniert. In diesem Telefonat hast du mir wortwörtlich gesagt: ,Dass da oben nicht verkauft werden soll – natürlich weiß der Alte das.’ Das waren genau deine Worte, Horst“, konterte Wachholder. Bokelmann stritt das ab. Er reagierte aufgebracht darüber, dass „du mir das öffentlich in den Mund legst“. Die Diskussion „ruht jetzt“, setzte Bürgermeister Werner Richter dem Disput ein jähes Ende.

In der Beratung über die Notwendigkeit der Ausweisung eines neuen Gewerbegebietes bestätigte sich, was schon an die Öffentlichkeit gedrungen war: Der Flecken hat Flächen im Visier, tut aber gut daran, noch nicht preiszugeben, um welche es sich handelt. Andernfalls könne es passieren, so Wachholder, dass sich „morgen jemand die Hände reibt“. 

boh

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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