Vier zu rettenden Verletzte

Feuerwehr übt in Wohnhaus: Mehr Realitätsnähe geht kaum

Blaulicht, Qualm und scheinbar sogar Verletzte – da konnten Passanten schon ins Grübeln kommen: War womöglich in dem leer stehenden Wohnhaus an der Freistraße 10 tatsächlich ein Feuer ausgebrochen?
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Blaulicht, Qualm und scheinbar sogar Verletzte – da konnten Passanten schon ins Grübeln kommen: War womöglich tatsächlich in dem leer stehenden Wohnhaus an der Freistraße 10 ein Feuer ausgebrochen? Bildcollage bitte durch Anklicken unten rechts ganz öffnen!

Harpstedt – Sirenenalarm um 19.28 Uhr, mit Blaulicht ausrückende Brandschützer, aus einem Fenster im Obergeschoss des Hauses Freistraße 10 nach außen dringender Qualm, Einsatzkräfte, die über eine Leiter ins Gebäude eilten: Das alles wirkte höchst „echt“. So manchem ließ sich am Dienstagabend das Fragezeichen im Gesicht fast von der sich runzelnden Stirn ablesen. Was ging hier ab? Brannte wirklich eine Wohnung – in einem leer stehenden Haus?

Ein junger Mann hatte augenscheinlich eine große Brandwunde am Hals davongetragen, und in der linken Gesichtshälfte einer jungen Frau vermischten sich die Farben Blutrot und Rußschwarz: Mathilda Windhusen und Jonas Dunker hätten sich vermutlich vor ihrem eigenen Spiegelbild geekelt, aber ihre „Statistenrollen“ als zwei von insgesamt vier zu rettenden Verletzten in einer Alarmübung der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt erforderten nun einmal den Mut, sich ein bisschen „Zombie-like“ verunstalten zu lassen. Die Brandwunden hatte ihnen Mathildas Tante Stephanie Windhusen auf die Haut geschminkt.

In ein Wohnhaus einsteigen – das sei eher ungewöhnlich für eine Übung, gab Ortsbrandmeister Thomas Heuermann zu. Nur drei Leute seien im Vorfeld eingeweiht gewesen: Er selbst habe die Leitstelle unterrichtet, sein Stellvertreter Christoph Windhusen die Übung inhaltlich ausgearbeitet (das Szenario beinhaltete eine Brandlegung durch Jugendliche) und Hauseigentümer Stephan Bruns die Immobilie zur Verfügung gestellt.

Das Haus wird ohnehin abgerissen. Deshalb spielte es keine Rolle, ob wir im Gebäude Schaden anrichten oder nicht. Stephan Bruns hat uns vollkommen freie Hand gelassen

Thomas Heuermann

Das Gebäude wird binnen der nächsten 14 Tage ohnehin abgerissen; es macht Platz für ein direkt danach entstehendes Vier-Parteien-Mietshaus. „Deshalb spielte es keine Rolle, ob wir im Gebäude Schaden anrichten oder nicht. Stephan hat uns vollkommen freie Hand gelassen“, sagte der Ortsbrandmeister. Den Übungsinhalt mit den Schwerpunkten Menschenrettung und Brandbekämpfung habe er nicht mal selbst vorher gekannt.

Feuerwehr Harpstedt bleibt „unter sich“

Stephan Bruns, auch Vorsitzender des Fördervereins der Feuerwehr Harpstedt, wollte den Brandschützern die Chance geben, nach 18-monatiger Zwangspause endlich mal wieder den Ernstfall zu simulieren. Coronabedingt blieb die Durchführung auf die Ortsebene beschränkt. „Aktuell sollen nach Möglichkeit noch nicht mehrere Feuerwehren zusammen üben“, erläuterte Thomas Heuermann. Ursprünglich war in Erwägung gezogen worden, sogar die Drehleiter aus Wildeshausen mit einzubeziehen. Daraus wurde nichts. Wohl aber mischten einige Malteser mit; sie kümmerten sich um die Versorgung der „geretteten Verletzten“.

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Passanten, die mitbekamen, warum Harpstedt die einzige Wehr vor Ort blieb, wunderten sich ein wenig über den coronabedingten Grund. In einer Zeit, da selbst größere Gesellschaften wieder feiern, sogar drinnen, seien Beschränkungen für Feuerwehren, die „fit für Einsätze bleiben wollen“, schon „schwer vermittelbar“.

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