Kultdisco als Feigenblatt

„Sonnenstein Revival Party“ im Koems-Saal hat mit dem „Stein“ nichts zu tun

+
Ja, was denn jetzt? Sieben Euro Eintritt zuzüglich Gebühren? Acht Euro inklusive Gebühr? Oder doch zuzüglich? Und warum fehlt auf den Plakaten der Hinweis auf den Veranstalter? Der „Sonnenstein“, momentan wegen seines Wiederaufbaus im Museumsdorf Cloppenburg in aller Munde, hält offenbar als werbewirksames Feigenblatt für eine 80er-, 90er- und 2000er-Party im Koems her. Veranstalter Thorsten Bruns hat nichts mit dem „Stein“ zu tun, wohl aber mit dessen ehemaliger Konkurrenz in Wildeshausen - der früheren Großraumdisco „Fun Factory“.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Eins ist sicher: Die „1. Zum Sonnenstein Revival Party“ am 16. März ab 21.30 Uhr im Koems-Saal hat mit der ehemaligen Harpstedter Kultdisco so wenig zu tun wie die Wildeshauser Alexanderkirche mit Harpstedt.

Thorsten Bruns verletzt zwar keine Namensrechte, muss sich aber Etikettenschwindel vorwerfen lassen. Dass er keinen Wert darauf legte, sich nach außen hin als Veranstalter zu erkennen zu geben, lässt bereits tief blicken. Der rechtswidrig fehlende Veranstalterhinweis auf öffentlich ausgehängten Plakaten brachte ihm eine Beschwerde beim Ordnungsamt ein. Immerhin meldete er die Fete dort vorschriftsgemäß an.

Obendrein hat Bruns, früher (Mit-)Betreiber der Wildeshauser Großraumdisco „Fun Factory“, jede Menge Verwirrung gestiftet. Mal versprach er bis 23 Uhr kostenfreien Einlass für Ü30-Zeitzeugen. Dann plötzlich war davon keine Rede mehr. Mal kündigte er auf Facebook an, der Eintritt betrage „sieben Euro zuzüglich Gebühren“. Dann wieder war der Preis auf acht Euro fixiert. Zunächst gab es Karten nur online zu kaufen. Dies weckte unter „Stein“-Fans erste Zweifel daran, dass die Fete – wie frühere Revival-Partys dieser Art – von den langjährigen Betreibern der Kultdisco, Klaus und Gunda Sengstake, organisiert wird (inzwischen sind in Harpstedt auch Tickets für acht Euro das Stück bei der Jantzon-Tankstelle erhältlich). Die Plakate machten ebenfalls stutzig: Wieso war dort von der „ersten“ Revival-Party die Rede? Als Klaus Sengstake von der Veranstaltung hörte, „kam mir das gleich komisch vor“, verriet er auf Nachfrage. Seine Frau Gunda und er seien weder zu ihrer Meinung über die Revival-Party gefragt noch als Ehrengäste dazu eingeladen worden. Die Idee, ein solches Event aufzuziehen, hätten vor Bruns auch schon „Leute aus Beckeln“ gehabt. „Wir haben uns sogar deswegen mal zusammengesetzt“, erinnerte sich Klaus Sengstake. Das Vorhaben habe sich dann aber offenkundig wieder zerschlagen.

Thorsten Bruns will die Gäste nach eigenem Bekunden „die guten alten Zeiten erleben“ lassen. Was bei seiner Party am 16. März „wie früher“ im „Sonnenstein“ sein soll, bleibt allerdings nebulös. „Die Getränkepreise jedenfalls nicht“, fiel Axel Niemann aus Harpstedt, einst Stammgast im „Stein“, auf. Irgendwie naheliegend wäre es gewesen, „Potter“ alias Uwe Geppert, den früheren DJ der Harpstedter Kultdisco, zu engagieren – oder ihn zumindest zu fragen, ob er auflegen wolle. Doch auch diese Chance, eine wirkliche Verbindung zum „Stein“ herzustellen, blieb ungenutzt.

Hätte Bruns die Veranstaltung als „80er-, 90er- und 2000er-Party“ deklariert, wäre ihm der Beifall vieler Harpstedter sicher gewesen. Denn generell gibt es ein echtes Bedürfnis nach solchen Events, wie ein von unserer Zeitung in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Weltstadt Harpstedt“ erfragtes Meinungsbild mit riesigem Echo ergeben hat. Grundtenor der Kommentare: Dass der Eindruck erweckt wird, die Fete habe etwas mit dem „Sonnenstein“ zu tun, sei nicht in Ordnung; dass überhaupt jemand mal in Harpstedt eine öffentliche Party organisiere, sei indes durchaus zu begrüßen.

Mit dem „Sonnenstein“ zu werben, habe etwas mit der Location Koems-Saal zu tun, die ja direkt an die frühere Disco angrenze, so Thorsten Bruns gegenüber unserer Zeitung. Er habe nicht absichtlich einen falschen Eindruck erwecken wollen. „Da steckt kein böser Wille dahinter“, beteuerte er. Die Zusage, wonach Ü30-Zeitzeugen bis 23 Uhr keinen Eintritt zahlen müssen, habe im Übrigen Bestand. Und selbstverständlich kämen auch die zahlenden Gäste, die Tickets erworben hätten, rein. Die Kapazität des Koems-Saals sei völlig hinreichend.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Großrazzia gegen illegale Geldtransfers ins Ausland

Großrazzia gegen illegale Geldtransfers ins Ausland

In Neuseeland: Nasenkuss für Charles und Camilla

In Neuseeland: Nasenkuss für Charles und Camilla

Erbitterter Streit: Politik für "Anti-Windkraft-Taliban"?

Erbitterter Streit: Politik für "Anti-Windkraft-Taliban"?

Bambi-Verleihung: Prominente Preisträger und royaler Glamour

Bambi-Verleihung: Prominente Preisträger und royaler Glamour

Meistgelesene Artikel

Nach Lkw-Unfall: A1 bei Groß Ippener wieder freigegeben

Nach Lkw-Unfall: A1 bei Groß Ippener wieder freigegeben

Lkw landet im Vorgarten und verteilt dort seine Ladung

Lkw landet im Vorgarten und verteilt dort seine Ladung

Nur „Aleco“ hat noch Platz: Mehr Lebensmittelhandel geht nicht

Nur „Aleco“ hat noch Platz: Mehr Lebensmittelhandel geht nicht

Einsatz in Neerstedt: Großer Abfallhaufen in Flammen

Einsatz in Neerstedt: Großer Abfallhaufen in Flammen

Kommentare