Höhere Kosten für Horstedter Festsaal

Wie bei der Elphi: „Hinterher freut sich jeder“

Die Neueindeckung des Festsaals in Horstedt, auch Schützensaal genannt, hat bereits begonnen.
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Die Neueindeckung des Festsaals in Horstedt, auch Schützensaal genannt, hat bereits begonnen.

Horstedt – Mit den rund 200. 000 Euro, die anfangs für die aufwendige Sanierung des Festsaals in Horstedt grob veranschlagt waren, kommt die Gemeinde Prinzhöfte erwartungsgemäß nicht hin. Die neueste Schätzung des Architekten Hermann Dunkler-Gronwald bewegt sich bei Kosten von etwas über 300. 000 Euro. Das liegt teils an den extrem gestiegenen Baustoffpreisen, teils aber auch an Überraschungen, die in alten Gemäuern nahezu immer lauern.

„Dass wir da relativ naiv rangegangen sind, sieht man am Fußboden. Der könne vielleicht erhalten werden, dachten wir, aber an manchen Stellen ist gar keiner mehr vorhanden“, sagte Bürgermeister Hans-Hermann Lehmkuhl am Mittwoch im Prinzhöfter Rat. Er ließ eine schlagzeilentaugliche Einschätzung folgen: „Wenn wir fertig sind, werden sich alle freuen. So wie bei der Hamburger Elbphilharmonie.“

Baugenehmigung kam im Juli 2020

Ein Blick zurück: Am 19. Dezember 2019 hatte die Gemeinde den Bauantrag für den Festsaal eingereicht. In der am 17. Juli 2020 erteilten Baugenehmigung habe „eigentlich nichts Aufregendes“ dringestanden, so Lehmkuhl. Allerdings: „Wir mussten ein Brandschutzgutachten erstellen lassen. Wir wussten zunächst nicht genau, was da auf uns zukommt. Am Ende war‘s eher harmlos. Wir bekamen nur vorgeschrieben, eine relativ umfangreiche Brandmeldeanlage zu installieren.“

„Wir haben, was gar nicht geplant war, auch das Fachwerk auf der Innenseite des Hofes freigelegt und die Verblender davor komplett entfernt. Wir fanden einfach, es wäre Stilbruch, wenn das Fachwerk verdeckt würde.“ 

Hans-Hermann Lehmkuhl

Am 12. April 2021 vergab die Gemeinde die Aufträge für die ersten drei Gewerke (Zimmermann, Maurer, Tischler). Beim Maßnahmenbeginn im Mai übernahm der Schützenverein Schulenberg-Horstedt zunächst Abrissarbeiten. Auch weiterhin werden die Grünröcke absehbar so einiges in Eigenleistung erledigen.

Etliche Holzböcke hatten übergangsweise das Gewicht des gesamten Gebäudes getragen, damit das Sockelmauerwerk erneuert werden konnte.

„Wir haben, was gar nicht geplant war, auch das Fachwerk auf der Innenseite des Hofes freigelegt und die Verblender davor komplett entfernt. Wir fanden einfach, es wäre Stilbruch, wenn das Fachwerk verdeckt würde, zumal es in einem noch recht guten Zustand ist“, sagte der Bürgermeister.

Fachwerk mit Sandstrahler bearbeitet

Zimmermann Frank Zawodny sei mit dem Dach inzwischen so weit, dass es nun eingedeckt werde. Das Freilegen der Gefache habe der Schützenverein übernommen. Mit den Eigenleistungen zeigte sich Lehmkuhl generell sehr zufrieden: „Das hat bisher ausgesprochen gut geklappt.“ Stets sei Maurer Carsten Wenke involviert gewesen.

Wir lernen viel über Statik.“ 

Werner Lange

Vor einigen Tagen bearbeitete eine Firma aus Dimhausen das Fachwerk auf Empfehlung von Frank Zawodny mit dem Sandstrahler. Der Bürgermeister lobte das „sehr gute“ Ergebnis. Matthias Ahrens schilderte vorherige Versuche, die Farbe von den Balken zu schleifen, und das ernüchternde Resultat: „Das fing sofort an zu schmieren.“ Abbeizen wäre eine Alternative gewesen, allerdings eine ökologisch fragwürdige und womöglich gesundheitsschädliche. Der Maurer hat indes wieder für ein solides Fundament gesorgt und das Sockelmauerwerk an den Längsseiten erneuert. Die Last des ganzen entkernten Gebäudes ruhte zuvor auf etlichen Holzböcken.

Neuer Statiker inzwischen „aktenkundig“

Ein Planungsbüro arbeitete laut Lehmkuhl die aufwendige Elektroinstallation inklusive Brandmeldeanlage aus und bereitete die Ausschreibung dieses Gewerks vor. Ein herzliches Dankeschön richtete der Bürgermeister an seine Stellvertreter Werner Lange und Thomas Hacke sowie an Matthias Ahrens als Bindeglied zu den Schützen. „Wir sind selbst zwei- bis dreimal wöchentlich auf der Baustelle. Das ist relativ zeitaufwendig. Aber ich kann mich wirklich glücklich schätzen, drei so fähige Leute um mich herum zu haben, die alle handwerklich relativ fit sind und auch Lust dazu haben, mit anzupacken. Ich finde diese Zusammenarbeit sehr gut“, sagte Lehmkuhl unter Beifall.

Komplett entkernt ist das Gebäude bereits, aber noch lange nicht fix und fertig. Einiges zu tun gibt es unter anderem auch an der Bühne.

„Wir lernen viel über Statik“, merkte Werner Lange augenzwinkernd an. Die Planung habe immer wieder wegen der unvorhersehbaren Gegebenheiten modifiziert werden müssen. Lange: „Wir sind quasi einmal ums Gebäude rum und haben jeden Balken neu beplant.“

Den Statiker hat die Gemeinde laut Lehmkuhl wechseln müssen, weil der bisherige sein Büro aufgegeben habe oder in Rente gegangen sei; der neue sei mittlerweile „aktenkundig“, beschrieb Lange seinen Eindruck. Einige Zentimeter abgesacktes Fachwerk im Bereich der Bühne müsse durch Balken-Einbau „unten abgefangen“ werden.

Schützenfest 2022 im sanierten Saal?

„Der nächste Gemeinderat darf dann darüber beschließen, ob die Sanierung an den Schuppen weitergeführt wird“, äußerte sich Thomas Hacke. „Den Giebel auf der Ostseite wollten wir eigentlich gar nicht anfassen, aber aus Sicherungsgründen müssen wir das jetzt“, ergänzte er. „Dadurch wurde leider auch die Bühne freigelegt, die wir so vertäfelt lassen wollten, wie sie war. Das ging nur eben nicht.“

Geht es auf der Baustelle weiter so zügig voran, dürfte es problemlos möglich sein, den sanierten Festsaal 2022 für das Schützenfest zu nutzen. Sofern die Pandemielage dann das Feiern zulässt.

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