Faulbrut in Prinzhöfte: Bienenvölker ohne Gesundheitsschein sind die Ursache

Für Imker gilt: Augen auf beim Bienenkauf

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Im gesamten Landkreis Oldenburg werden im Rahmen eines Monitoring-Systems regelmäßig Stichproben aus den Futterwaben der Bienenvölker genommen. So wurden Sporen der Amerikanischen Faulbrut in der Gemeinde Prinzhöfte gefunden.

Prinzhöfte/Landkreis - Von Sophie Filipiak. Ein halbes Jahr könne es schon dauern, bis der Sperrbezirk um die Gemeinde Prinzhöfte aufgehoben werden kann, teilte Dr. Gero Leiner vom Veterinäramt des Landkreises Oldenburg mit. Wie berichtet, ist der Grund der Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut in zwei Bienenvölkern.

„Bienen haben einen hohen volkswirtschaftlichen Wert“, sagte Leiner, Experte beim Landkreis für Bienenkrankheiten. Deswegen gebe es im gesamten Landkreis ein Monitoring-System, in dem in regelmäßigen Abständen Stichproben bei den Bienenvölkern genommen und auf Keime oder Sporen unter anderem der Amerikanischen Faulbrut untersucht werden. „Das ist ein Frühwarnsystem für uns“, erklärte Leiner.

Möglich ist dies durch die Futterkranzprobe. Als Futterkranz bezeichnen die Imker den Teil der Waben, in dem die Bienen ihre Nahrung – also den Honig – ablegen. Bereits im vergangenen Herbst wurden im Landkreis die Proben entnommen. „Als bei zwei Völkern ein positives Ergebnis vorlag, bin ich im März zu den Imkern gefahren und habe neue Proben gesammelt sowie die Bienen begutachtet.“ Wieder wurden Sporen der Amerikanischen Faulbrut gefunden, sodass der Landkreis einen Sperrbezirk einrichten musste, aus dem die Bienenvölker weder hinein- noch hinausgebracht wurden.

„Wir sind natürlich der Ursache nachgegangen“, sagte Leiner. Und die sei auch schnell gefunden worden: Beide Bienenvölker seien von den Imkern ohne Gesundheitsbescheinigung des Veterinäramtes gekauft worden und haben den Krankheitserreger in die Gemeinde gebracht.

Die Faulbrut kann aber auch auf anderen Wegen in noch gesunde Bienenvölker gelangen. „Die Bienen treffen sich ja auch mit anderen bei bestimmten Futterplätzen, da ist die Ansteckungsgefahr schon hoch“, weiß Hein Wenke aus Stiftenhöfte zu berichten. Seit 35 Jahren besitzt er selbst Bienenvölker.

Diese sind zwar nicht von der Faulbrut befallen, aber seine Imkerei befindet sich im Sperrbezirk. Die Insekten könnten sich auch mit den Bakterien infizieren, wenn sie an befallenen Rähmchen räubern. „Manche Imker werfen die einfach in den Wald“, erzählte Wenke. „Ich habe selbst mal welche gefunden.“

Wenn in einem Bienenstock die Faulbrut grassiert, könne der Imker das leicht erkennen, erklärt Wenke. „Es gibt dann Lücken im Brutnest und die Waben sind nach innen gewölbt.“ Zudem würden die befallenen Waben stinken, da die Bienenlarven erst absterben und sich dann in braunen Schleim auflösen.

Wenn ein Bienenvolk von der Amerikanischen Faulbrut befallen ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten. „Das wird individuell für jeden Stock festgelegt“, sagte Leiner. Eine Option sei das Kunstschwarmverfahren, erklärte der Experte. Dabei würden die Bienen aus dem befallenen Stock entfernt und in eine neue Behausung umgesetzt werden. Die alten Rähmchen müssen von den Waben befreit und gründlich desinfiziert werden. Ähnliches passiert mit der Beute – so bezeichnen Imker den Holzkasten in dem die Rähmchen eingehängt werden. Alle Waben müssen dann, so Leiner, vernichtet werden. Das geschehe entweder durch Einschmelzen, oder die Imker schicken das „Seuchenwachs“ an spezielle Betriebe. Zu beachten sei, dass der Honig nicht an die Bienen wieder verfüttert werde. „Aber für Menschen sind die Sporen völlig ungefährlich und zudem kommt ein belasteter Honig gar nicht in den Handel“, beruhigte Leiner. Auch das Flugloch in der Beute muss verkleinert werden, damit fremde Bienen nicht in den Stock gelangen.

Das Risiko, dass die Bienen bei dem Kunstschwarmverfahren die Sporen der Faulbrut mit in den neuen Stock nehmen, sei sehr gering. „Gerade jetzt im Frühling, wenn alles in Blüte steht und die Bienen viel Nahrung finden, ist ihr Immunsystem besonders gut“, sagte Leiner. Außerdem verhindere meist der Putztrieb der Insekten, dass die Sporen in den Stock geraten. „Oder man reduziert das Volk auf null und verbrennt den gesamten Stock“, erklärte Wenke die radikale Möglichkeit, die Faulbrut zu bekämpfen.

Wenn das Kunstschwarmverfahren abgeschlossen ist, wird Leiner wieder Proben nehmen, die analysiert werden müssen. Erst wenn die Ergebnisse negativ ausfallen, kann der Sperrbezirk aufgehoben werden. „Das kann aber gut noch ein halbes Jahr dauern“, schloss Leiner.

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