Feuerwehrhausneubau in Colnrade: CDU befürchtet deutliche Verzögerungen

Fachplaner soll Energiekonzept erarbeiten

Rund 1,6 Millionen Euro soll das neue Feuerwehrhaus für Colnrade jetzt noch kosten. Es könnte sich aber auch wieder verteuern. Die Frage, ob es eines Waschplatzes bedarf, ist bislang nicht abschließend entschieden. Und was das von Grünen und SPD eingeforderte Energiekonzept kostet, weiß derzeit auch niemand. 
Entwurf: Architekturbüro Günther Glüsenkamp
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Rund 1,6 Millionen Euro soll das neue Feuerwehrhaus für Colnrade jetzt noch kosten. Es könnte sich aber auch wieder verteuern. Die Frage, ob es eines Waschplatzes bedarf, ist bislang nicht abschließend entschieden. Und was das von Grünen und SPD eingeforderte Energiekonzept kostet, weiß derzeit auch niemand. Entwurf: Architekturbüro Günther Glüsenkamp

Colnrade – Was bei Feuerwehrhäusern im Interesse des Klimaschutzes so alles möglich ist, beweist der Neubau in Sandkrug. Etwas Vorbildcharakter dürfte nach Ansicht der Samtgemeinderatsfraktionen von Grünen und SPD auch das Bauvorhaben in Colnrade haben: In einer Phase, da die Planungen für das dortige neue Feuerwehrhaus weit gediehen sind, trachten sie nun danach, den Energiebedarf der Immobilie möglichst zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu decken. Wie das kostengünstig hinzubekommen wäre, soll ein Fachplaner prüfen und erarbeiten. Ein entsprechender Antrag von Regina Huntemann (Grüne) ging am Montag während der Sitzung des Feuerschutzausschusses im Koems-Saal mit sieben Für- bei vier Gegenstimmen durch. Ob der nichtöffentliche Samtgemeindeausschuss diese Beschlussempfehlung am Donnerstag bestätigt oder kippt, bleibt abzuwarten.

Regina Huntemann kritisierte in Richtung Verwaltung, eingereichte Anträge seien „sehr unzureichend“ abgearbeitet worden. „Wir wollten, dass insgesamt der Einsatz erneuerbarer Energien geprüft wird.“ Übrig geblieben sei im Wesentlichen die Erdwärme. Die Prüfung hätte aber, so Huntemann, auch Solarthermie und Fotovoltaik einschließen müssen, ebenso die Frage etwaiger Zuschüsse und die Berücksichtigung der CO2-Abgabe.

Externer Sachverstand ist erforderlich

Eine derart weitreichende Prüfung könne weder die Samtgemeindeverwaltung noch das Architekturbüro leisten, stellte Amtshof-Chef Herwig Wöbse klar. Hier bedürfe es eines Energieberaters oder Fachplaners.

Aus Sicht von Hans-Hermann Lehmkuhl (CDU) kommt der Vorstoß in Richtung Energiekonzept einfach zu spät. Sein Standpunkt: „Wenn wir die 100 Prozent aus regenerativen Energien haben wollen, hätten wir uns von vornherein klar dafür aussprechen müssen.“ Es sei ja durchaus durchgerechnet worden, ob sich der Einsatz der „Erneuerbaren“ lohnen würde. „Dann muss man aber bitte auch mal das Ergebnis akzeptieren. Selbst wenn es besagt, dass es sich eben nicht rechnet“, betonte Lehmkuhl.

Fotovoltaik sei vor Jahren eine lohnende Investition gewesen. Heute rechne sich das vor allem bei einem stetig hohen Strom-Eigenverbrauch. Den gebe es aber in einem Feuerwehrhaus eben gerade nicht.

Mögliche zeitliche Verzögerungen, die das Erarbeiten eines Energiekonzeptes bewirken könnte, gingen dem CDU-Ratsherrn merklich gegen den Strich: „Wenn wir jetzt noch einmal neu anfangen zu planen, wird das Monate dauern“, befürchtete Lehmkuhl.

Sein Fraktionskollege Stefan Pleus pflichtete bei: „Wir haben das Thema Feuerwehrhaus Monate, ja Jahre, rauf und runter debattiert.“ Pleus drängte auf eine Beschlussempfehlung, auf deren Grundlage die Verwaltung das Neubauvorhaben nun zügig vorantreiben kann. Und was das Thema Energie angehe: Die erste große Einsparung habe die Samtgemeinde ja schon dadurch erwirkt, dass sie jetzt ein deutlich kleineres Gebäude plane. Als Folge davon müsse weniger Raum beheizt werden. Ein Feuerwehrhaus stehe naturgemäß „die meiste Zeit leer“, so Pleus. Wenn es denn genutzt werde, bedürfe es vor allem einer Heizungsanlage, die schnell für Wärme sorge. Es gelte doch auch, solchen Erfordernissen Rechnung zu tragen. Dieser Aspekt kam Pleus entschieden zu kurz. Mit Blick auf den denkbaren Einsatz von Solarthermie sah er andere, besser geeignete Gebäude: „Das können wir doch jederzeit machen, wenn im Kindergarten die Heizung kaputt geht.“

Rolf Ranke (HBL) erwähnte die von der Harpstedter Energie-Agentur angeschobene, im Aufbau befindliche Bürger-Energiegenossenschaft, die Fotovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden betreiben möchte; dafür böte sich das neue Colnrader Feuerwehrhaus an, zumal die Samtgemeinde ja nicht einmal selbst in die Anlage investieren müsste. Ranke nannte das eine „Win-win-Situation“.

Solarstrom aus der Fotovoltaikanlage könnte sogar auch einen Durchlauferhitzer für die Warmwassererzeugung mit speisen, gab Ranke zu bedenken.

Neubau in Sandkrug soll besichtigt werden

Im Übrigen werde im Feuerwehrhaus nicht derart viel geduscht, wie zuvor im Ausschuss angeklungen sei. Überhaupt halte sich der Wärmebedarf in Grenzen. Die Fahrzeughalle müsse im Wesentlichen frostfrei gehalten werden. „Da sollen doch keine 20 Grad herrschen!“, so Ranke. Solarthermie als Option sehe er kritisch.

Erwähnung fand im Ausschuss auch die Möglichkeit, Liegenschaften wie das Colnrader Dorfgemeinschaftshaus und den Kindergarten „Lummerland“ gegebenenfalls mit Nahwärme zu versorgen.

„Die Chance, hier regenerative Energien zu nutzen, ist da. Das wird am Anfang vielleicht ein bisschen mehr kosten, aber über einen Zeitraum von 25 oder 30 Jahren gerechnet, sieht das schon wieder ganz anders aus“, äußerte sich Michael Müller-Hjortskov (Grüne).

Sein im Verlauf der Sitzung zum Antrag erhobener Vorschlag, sich das Feuerwehrhaus in Sandkrug einmal anzuschauen, fand eine knappe 4:3-Mehrheit bei einigen Enthaltungen.

Das Vorzeigefeuerwehrhaus in Sandkrug wird jetzt übrigens rund 3,2 Millionen Euro kosten. Das ergab eine Nachfrage bei Christian Pundt, Bürgermeister der Gemeinde Hatten. Inklusive in dieser Summe seien sechs Einstellplätze, Waschhalle, die komplette Ausstattung und 100 Prozent Energieversorgung aus regenerativen Quellen, wobei mit der genutzten Erdwärme und dem Solarstrom aus der Fotovoltaikanlage der benachbarte Kindergarten ebenfalls versorgt werde.

Von Jürgen Bohlken

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