Etwas Wehmut mischt sich in entspannten Konzertabend

Ansteckende Urlaubsstimmung: Heike Becker und Ilka Posin (v.l.) punkteten mit einem sehr relaxten Konzert. Foto: boh

Harpstedt – „Wir sind total entspannt von Wangerooge nach Harpstedt gekommen“, verriet Ilka Posin (Gesang, Gitarre) den rund 20 Zuhörern im „Liberty’s“ am Gründonnerstag. Das Versprechen, das Publikum mit der eigenen Urlaubsstimmung anzustecken, hielten sie und Bassistin Heike Becker.

Weniger ist manchmal mehr – getreu dieser Devise reduzierte das Duo „phase eins“ eigene Lieblingssongs auf ihr Grundgerüst. „Sunday Morning“, die erste Kostprobe des Abends, bewegte sich sehr nahe am Original von The Velvet Underground, zumal sich bei Ilka Posin stimmfarblich große Ähnlichkeiten mit der charismatischen Sängerin Nico offenbarten. Wie schon beim Harpstedt-Debüt des Duos vor einem Jahr rückte der Bass, der sonst oft ein Schattendasein fristet, in den Vordergrund. Heike Becker entschied sich diesmal für die fünfseitige Variante. Sie entlockte ihrem Instrument atemberaubende, furiose sowie teils unkonventionelle Riffs und Soli.

Den Purismus auf die Spitze zu treiben, barg sowohl einen großen Reiz in sich als auch die Gefahr, die Originalsongs ihres Charmes zu berauben. Die Gratwanderung glückte, wenngleich das Konzert weniger fetzig als im Vorjahr daher kam. Der Schwerpunkt lag auf den leiseren, melancholischen Tönen – auf Country und Folk. „Chelsea Hotel No. 1“ von Leonard Cohen fehlte ebenso wenig wie „Drive“ von R.E.M. „Aus der Reihe Tanzendes“, etwa Westbams „You need the Drugs“, hatte das Duo indes von der Setlist verbannt. Im Gegenzug punkteten die Musikerinnen mit Songs aus deutscher Feder – mit Karl Neukaufs „Milder Mittwochmorgen“, Johannes Oerdings „Nichts geht mehr“ oder auch Ina Müllers „Ich habe dich heut’ noch nicht gegoogelt“. Dem Jahrhundertsommer 2018 setzte Ilka Posin mit einem eigenen Stück ein „posthumes“ Denkmal. „Am 21. September war er ganz plötzlich vorbei. In Berlin hatten wir morgens stolze 25 Grad, abends hingegen nur noch zehn. Es war total mystisch. Aus diesem Gefühl heraus ist dieses Lied entstanden“, leitete Posin zu dem beschwingten „Gestern noch Sommer“ über. „Soll ich weiter deutsch- oder doch lieber englischsprachige Songs schreiben?“ fragte sie hinterher ihr Publikum. Da gab es keine zwei Meinungen: Die Zuhörer rieten einhellig zu deutschen Texten.

Die Wehmut aus „Gestern noch Sommer“ setzte sich fort: Ika Posin gab das Ausscheiden von Moritz Rüdig aus der „Kultur am Donnerstag“-Reihe bekannt. Sie bedankte sich bei ihm unter Beifall des Publikums für die im „Liberty’s“ organisierten Konzerte – und dafür, „dass du so ‘ne geile Truppe wie uns in die Weltkulturhauptstadt Harpstedt gebracht hast“. „Leider“, so bedauerte sie mit einem weinenden Auge, „sind wir aber deshalb wohl zum letzten Mal hier.“ Gleichwohl werde die Konzertreihe fortgeführt. Moritz Rüdig übergebe „das ganze Paket“ an Regina Mudrich und Martin Zemke. „Außerdem wird gemunkelt, dass er sich nicht sang- und klanglos zurückzieht. Ich glaube, er hat noch was vor“, spielte Posin auf das von Rüdig bereits in Aussicht gestellte „Abschieds-Konzert-Special“ an.

Das Gastspiel von Posin und Becker endete indes nicht ohne Mitmachteil. „Me and whiskey shot a hole in my heart“ sang das ganze Lokal – sogar zweistimmig. Und sicher hoffte mancher Zuhörer insgeheim, in Harpstedt vielleicht ja doch irgendwann in den Genuss einer „dritten Stufe“ von „phase eins“ zu kommen.  boh

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