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Essgarten in Winkelsett stellt neuen Schau-Waldgarten vor

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Von: Leif Rullhusen

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Malou Furch (l.), ihr Mann Nils (2.v.l.) und Angelika Stelter (r.) zeigen Thomas Wirsing (2.v.r.) den neu angelegten Waldgarten.
Malou Furch (l.), ihr Mann Nils (2.v.l.) und Angelika Stelter (r.) zeigen Thomas Wirsing (2.v.r.) den neu angelegten Waldgarten. © Rullhusen, Leif

Winkelsett – „Das schmeckt nach Zwiebeln und Knoblauch“, erzählt Malou Furch, während sie ein Blatt vom Gemüsebaum zupft. Sie kaut es und fügt an: „Da steckt ordentlich ,Wumms‘ hinter.“ Irgendetwas an den meisten der genau 138 Sträucher und Bäume auf der neu angelegten Fläche um sie herum ist essbar. Meistens schmeckt es sogar richtig gut.

Furch hat gemeinsam mit ihrem Mann Nils und Angelika Stelter im vergangenen Jahr den Essgarten in Winkelsett übernommen – einen der ältesten und artenreichsten Waldgärten Deutschlands. Auf einer Fläche von rund 2,4 Hektar wachsen etwa 1 200 verschiedene essbare Pflanzen, Früchte und Pilze. „Foodforrest heißt er auf Englisch. Mit diesem Begriff wird verständlich, was ein Waldgarten eigentlich ist“, verdeutlicht Furch. „Erklärender wäre die Bezeichnung ,essbarer Waldgarten‘.“

Im April hat das Trio diesen Artenreichtum um einen Schau-Waldgarten erweitert. Direkt am Parkplatz des Areals bepflanzten Teilnehmer des Seminars „Waldgärten gestalten“ gemeinsam mit dem Bremer Permakulturdesigner Volker Kranz eine etwa 300 Quadratmeter große Fläche mit Bäumen und Sträuchern. Dieses neu angelegte Gelände ist für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Im Rahmen eines weiteren Seminars im Juli folgt zu der Strauch- und Baum- noch eine Kräuterschicht, die dann den Boden bedecken wird. „Auf jeder dieser drei Ebenen kann Essbares geerntet werden“, sagt Furch. Die wenigen nicht zum Verzehr geeigneten Pflanzen übernehmen eine andere wichtige Aufgabe. „Sie geben Stickstoff in den Boden ab und stellen ihn damit den anderen Gewächsen zur Verfügung“, erläutert sie.

„Wir wollen mit dieser kleinen Fläche zeigen, dass man keine zwei Hektar braucht, um Biodiversität zu schaffen“, erklärt Stelter. In nahezu jedem Garten könne ein solches essbares Biotop angelegt werden. Das können Interessierte demnächst sogar mit Ablegern aus dem neuen Schau-Waldgarten machen. „Wir werden vermehrt welche ziehen und zum Verkauf anbieten“, sagt sie. Auch weitere Waldgarten-Seminare seien geplant.

Die ersten Früchte wachsen bereits auf dem neuen Areal.
Die ersten Früchte wachsen bereits auf dem neuen Areal. © Rullhusen, Leif

Jetzt hatte das Essgarten-Trio den Niederlassungsleiter der Wildeshauser Fielmann-Filiale, Thomas Wirsing, eingeladen. Das Optiker-Unternehmen unterstützt das neue Projekt mit einer Pflanzspende. Genauer: Fielman hat die Rechnung von 3 600 Euro für die 138 Sträucher und Bäume übernommen. „Die Essbarkeit der Pflanzen hat mich überzeugt“, erklärt Wirsing im Rahmen seines Besuchs. „Wir pflanzen Bäume nicht für uns, sondern für nachkommende Generationen. Und so hoffe ich, dass die Besucher an diesem Grün Freude haben und es gut nutzen.“

Die Essgarten-Betreiber haben bereits weitere Pläne. „Als Nächstes werden bei uns Laufenten einziehen“, sagt Furch. Sie sollen die Nacktschneckenpopulation auf dem Gelände dezimieren, die unter anderem die diesjährige Paprika-Ernte vernichtet hat. Weitere Tiere auf der Wunsch-Einzugsliste des Trios sind Hühner, Ziegen, Schafe und Alpakas. „Dafür müssen wir aber zunächst Stallungen bauen“, sagt Stelter.

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