Es klappert und rappelt auf der Dorfstraße

Marode Pflasterung in Kirchseelte: Bürgermeister Klaus Stark lädt zu Ortstermin ein

Kirchseeltes Bürgermeister Klaus Stark schildert der Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag die Situation am Ortsausgang.
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Kirchseeltes Bürgermeister Klaus Stark schildert der Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag die Situation am Ortsausgang.

Kirchseelte – Eigentlich muss Klaus Stark das Problem gar nicht schildern. Es reicht, wenn sich der Kirchseelter Bürgermeister an den Ortsausgang stellt und wartet, bis ein unbeladener Lastwagen oder ein Auto mit einem leeren Anhänger auf der Dorfstraße vorbei fährt.

Klappernd und rappelnd holpern die Fahrzeuge mit Tempo 30 über das Kopfsteinpflaster. Jede Unterhaltung geht jetzt in dem Lärm unter. Seit Jahren leben die Anwohner der Straße (L 338) in Kirchseelte an beiden Ortsausgängen – insbesondere in Richtung Dünsen – mit diesem Zustand. Das holprige und viel belastete Straßenpflaster ist dringend sanierungsbedürftig. Passiert ist seitens der zuständigen Landesbehörde nichts. Die hält an der Pflasterung fest, weil sie zusammen mit den angrenzenden Gebäuden unter Denkmalschutz steht.

Auf Planfeststellungsverfahren verzichtet

Um auf die unhaltbare Situation erneut aufmerksam zu machen, hatte der Bürgermeister am Mittwochabend die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag zu einem Ortstermin eingeladen, an dem sich auch Vertreter der Kirchseelter Sozialdemokraten beteiligten.

„Im Jahr 2018 hat der Gemeinderat auf ein Planfeststellungsverfahren mit dem Ziel der Asphaltierung des Straßenabschnitts offiziell durch Ratsbeschluss verzichtet“, erläutert Stark zunächst. Nach Ansicht aller amtlich Beteiligten habe es trotz der hohen Kosten des Verfahrens von rund 125 000 Euro, die die kleine Gemeinde alleine hätte schultern müssen, keine Aussicht auf Erfolg gegeben. Im Gegenzug habe sich die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg damals verpflichtet, aus dem Abschnitt wieder eine vernünftig verlegte Pflasterstrecke zu machen.

Das marode Kopfsteinpflaster sorgt für eine enorme Lärmbelastung. 

Seit zwei Jahren ist nichts mehr geschehen

Bis auf einen Ortstermin durch einen Gutachter im Frühjahr 2019 sei seither nichts weiter geschehen. „Die Straßenbaubehörde weiß nicht so recht, wie sie mit dem Projekt umgehen soll“, ist sich Bürgermeister sicher. Für ihn steht fest, dass die bislang auf Sand gebaute Straße einen komplett neuen Unterbau bekommen muss.

Überzeugungsarbeit bei Susanne Mittag musste er nicht leisten. Die Politikerin sieht ebenfalls akuten Handlungsbedarf. „Die deutlichen Fahrspuren zeigen, dass der Untergrund dringend erneuert werden muss“, bestätigt Mittag. „Die Anwohner fordern keine Umgehungsstraße. Sie wollen einfach nur, dass es leiser wird.“

Lärm wird nicht durch Motoren, sondern durch Abrollgeräusche verursacht

Wie zu ihrer Bestätigung unterbricht die Geräuschkulisse eines Anhängergespanns ihre Ausführungen. „Das ist keine Lärmbelastung, sondern Lärmemission“, erklärt sie, nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist. Auch die steigende Zahl an Elektro-Autos werde daran nichts ändern, da das laute Geräusch nicht durch Motoren-, sondern ausschließlich durch Abrollgeräusche verursacht werde.

Die Politikerin schlägt der Gemeinde vor, über eine 24-stündige Erschütterungs- und Lärmmessung nachzudenken. Auch, wenn das Geld koste. „Das geht elektronisch. Dazu muss niemand auf einem Stuhl an der Straße sitzen.“

Ist der Denkmalschutz für die Straße noch zeitgemäß?

Sie hält den Denkmalschutz für diese beiden Straßenabschnitte nicht mehr grundsätzlich für zeitgemäß. Seit dem Beschluss vor mehr als 30 Jahren habe sich die Situation deutlich verändert. „Das Verkehrsaufkommen hat stark zugenommen. Außerdem wird die Strecke aufgrund der Bauarbeiten auf der A 1 als Ausweichroute benutz – auch sehr viel von Lastwagen“, führt Mittag aus. Das werde sich auch so schnell nicht ändern, der sechsspurige Ausbau der Autobahn noch einige Zeit andauere. Als Kompromiss mit den bestehenden Denkmalschutzauflagen schlägt sie zumindest eine Verkürzung der Kopfsteinpflasterstrecke vor.

Neben der zunehmenden Verkehrs- und damit einhergehenden Lärmbelastung sieht Mittag noch ein zweites Problem, das vor allem den Bereich vor dem Restaurant „Drei Mädel Haus“ am Ortsausgang in Richtung Fahrenhorst betrifft. Bei Starkregen laufe das Wasser dort nicht richtig ab und setze den Gastronomiebetrieb unter Wasser.

Auch extreme Witterungslagen sind ein Problem

Das sei auch in der Vergangenheit schon mehrfach passiert, bestätigt Stark. „Das  sind Witterungslagen, die uns in Zukunft häufiger erwarten“, warnt die Bundespolitikerin. Wenn man an die Entwässerung sowieso ran müsse, dann stelle sich auch die Frage, wie sinnvoll der Erhalt des alten Pflasters sei, überlegt Mittag.

„Wir beschäftigen uns mit dieser Problematik seit 30 bis 40 Jahren. Irgendwann muss sie zu einem Abschluss kommen“, fordert Kirchseeltes Bürgermeister. Mittag versprach im Rahmen der Ortsbegehung, das Thema weiter im Blick zu behalten. „Ich werde mir gemeinsam mit unserem Landtagsabgeordneten Axel Brammer überlegen, mit wem wir sprechen müssen, damit es weitergeht“, versicherte sie den Anwesenden. „Schließlich wird es an der Straße nicht von selbst ruhiger.“

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