Erzieherinnen der Samtgemeinde fordern Aufwertung ihres Berufes

Familienfreundlicher Streik für mehr Geld

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Die erste Station des Protestmarsches der Erzieherinnen war der Markplatz in Harpstedt.

Harpstedt - Von Sophie Filipiak. Der bundesweite Streik der Erzieher in kommunalen Kindergärten ist am Dienstag auch in Harpstedt angekommen. Rund 30 Erzieherinnen aus der Samtgemeinde machten in einer Protestaktion in Harpstedt auf ihre Forderung nach mehr Gehalt mit Plakaten und Trillerpfeifen aufmerksam. Jedoch war der Streik nur auf einen Tag begrenzt.

In einem gemeinsam entworfenen Papier stellten die Erzieherinnen eines klar heraus: Sie fordern die „Aufwertung sozialer Berufe nicht nur mit schönen Worten, sondern auch direkt sichtbar mit einer entsprechenden Bezahlung“. Ihnen geht es vorrangig darum, dass durch eine bessere Gruppierung in den Gehaltsstufen im Sozial- und Erziehungsdienst die Beschäftigten mehr Geld bekommen. Die Gewerkschaften Verdi und GEW streiten nun für diese Anhebung um zehn Prozent für 240000 Beschäftigte bundesweit.

Aber entgegen dem unbefristeten Streik, der in ganz Deutschland bei vielen Eltern Sorgen auslöst, wie ihre Kinder in dieser Zeit betreut werden sollen, entschieden sich die kommunalen Kindergärten in der Samtgemeinde und der BUND-Waldkindergarten Harpstedt dafür, die Arbeit nur einen Tag niederzulegen. „Wir wollten das familienfreundlich gestalten und die Eltern nicht so unter Druck setzen“, erklärte am Dienstag eine Erzieherin.

Viele Mütter und Väter hatten sich der Protestaktion mit ihren Kindern angeschlossen, um ihre Solidarität auszudrücken. So auch Andrea Löning mit ihrer sechsjährigen Tochter Kyra. „Ich bin selbstständig, also ist das heute für mich kein allzu großes Problem“, sagte sie. Viele andere Eltern hatten ebenfalls keine Schwierigkeiten, eine Betreuung zu bekommen oder einen Tag frei zu kriegen. Löning ist Mitglied im Elternbeirat des Kindergartens „Zwergnase“, den auch Kyra besucht. Zusammen marschierten sie vom Marktplatz aus – mit Trillerpfeifen und einem Banner – zuerst zum Parkplatz des Einkaufsmarktes „inkoop“, wo sie ihre Forderungen an alle Passanten verteilten. Danach ging es zum Amtshof. Mit viel Lärm machten sie dort auf sich aufmerksam, bis Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse und Edda Masemann, Fachbereichsleiterin für Ordnung und Soziales, sich zeigten. Die Beiden nahmen ebenfalls den Katalog mit Forderungen entgegen – hübsch verpackt mit einer Schleife.

Es war ein symbolischer Akt, denn eigentlich haben die Vertreter der Verwaltung keinen Einfluss auf die Tarifverhandlungen, obwohl die Gehälter in kommunalen Kindergärten von der Gemeinde bezahlt werden. „Das macht ein Drittel der Personalkosten aus“, erklärte Wöbse. Er begrüßte, dass sich die Erzieher dazu entschlossen haben, nur einen Tag zu streiken: „Damit können alle umgehen.“ Er verstehe auch, warum gestreikt werden muss. „In den vergangenen Jahren ist vor allem durch die Krippen-Einführung mehr Arbeit auf die Kindergärten zugekommen.“ Dass die Erzieher deswegen mehr Gehalt fordern, verstehe er. „Aber wir warten ab, was da noch kommt.“

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