Erinnerung ans Schiebenscheeten vor 50 Jahren/36 Grote für einen neuen Hut

1965: Johann Thomas Scheibenträger

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Erstmals fungierte Johann Thomas 1965 als Scheibenträger.

Harpstedt - Das traditionelle Harpstedter „Schiebenscheeten“ steht wieder vor der Tür. Zur Erinnerung an das Bürgerschützenfest 1965 hat Altbürgermeister Hermann Bokelmann in seinem Archiv gestöbert. Dabei hat er ein Foto entdeckt, das Schützenkönig Fritz Wilms vom zweiten Rott mit Adolf Speckmann und Hans Horstmann (Begleit-Offiziere) zeigt. Dahinter den Magistrat: Beigeordneter Heinrich Knolle (Bürgermeister von 1948 bis 1964), Bürgermeister Hermann Bokelmann, Gemeindedirektor Dirk Heile und stellvertretender Bürgermeister Hermann Kappher.

Für Bokelmann war es das erste Jahr seiner Amtszeit. Er blieb es bis 1996 und hat in der Zeit 31 Könige gekrönt. Er setzte 1965 durch, dass auch der Gemeindedirektor erstmals mit an der Spitze des Zuges mitmarschiert. Neu war beim Umzug 1965 auch Scheibenträger Johann Thomas, der als Rentner das Amt des Gemeindeboten übernommen hatte. Die Namen seiner beiden Söhne Heinz-Jürgen und Werner erscheinen auch in die Annalen des Schiebenscheetens. Beide errangen die Königswürde: Heinz-Jürgen (1984, war lange im Offizierskorps) und Werner (1987, war lange Korporal des dritten Rotts).

Die Harpstedter Bürgerschützen tragen keine grünen Uniformen wie bei den Schützenvereinen – in Harpstedt dominieren die Zylinder. Dass sich in früheren Jahrhunderten kaum jemand einen teuren Zylinder leisten konnte, dokumentiert eine Fleckensrechnung aus dem Jahr 1707. Dort findet sich die Angabe: „Die Bürgerschaft hat dem, so den besten Schuss thut, hierfüro bewilligt 36 Grote für einen Hut und haben einen solchen empfangen Anno 1707 Gerd Brinkmann 36 Grote, Anno 1708 Deitrich Lehmkuhl 36 Grote alldieweil umb Pfingsten die Bürgerschaft sämtlich ein jeder sich bey der Scheibe zu schießen einfinden muss und derjenige, der erster ist davor einen neuen Hut aus der Bürgerey geschenkt wird.“ Beider Namen stehen auf der Ehrentafel der Harpstedter Schützenkönige und ihre Plaketten sind an der Königskette.

Eine Berechnung aus dem Jahr 1802 belegt: „Zwei silberne Schilder angeschafft zur Verzierung des Hutes für den alten und neuen Scheibenkönig.“ Die Kreiszeitung berichtete im Jahr 1971 dazu: „Dieser Schmuck wurde eine Notwendigkeit, weil in der Zwischenzeit immer mehr Leute mit einem Zylinder, und sei er aus Pappe, ausmarschierten und der ungekennzeichnete Kopfschmuck des Königs kaum von den übrigen Hüten zu unterscheiden war.“ Weiter heißt es in der Kreiszeitung: „Die Silbertrophäe (in Herzform mit eingravierter Harfe) war damit ein Zeichen der Würde geworden, die nur dem König zustand. Vorgänger des neuen Königs wurden durch eine Medaille ausgezeichnet. Interessant ist, dass das Band dieser Medaille nicht in Harpstedts Farbe blau-weiß, sondern immer noch im weiß-gelb der Welfen ist.

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