Entscheidung des Samtgemeinderates fällt in geheimer Abstimmung

Schulschließung ebnet den Weg für die Kinderkrippe

Dünsen/Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Der Weg für die Einrichtung einer zweigruppigen Kinderkrippein der Grundschule Dünsen istnun im Grundsatz geebnet. In – auf Antrag von Stefan Pleus (CDU) – geheimer Abstimmung hat der Samtgemeinderat am Donnerstagabend im Hotel „Zur Wasserburg“ mit 17 Für- bei neun Gegenstimmen beschossen, den Schulstandort Dünsen mit Ablauf des aktuellen Schuljahres aufzuheben. Zwei Grüne und ein CDU-Ratsherr fehlten in der Sitzung.

Die Fronten waren schon vor der Abstimmung abgesteckt gewesen. Bei der Bokelmann-Akkermann-Gruppe deutete einiges auf ein uneinheitliches Abstimmungsbild hin. SPD und Grüne bekräftigten im Rat ihr Nein zur Schulschließung. CDU und HBL hatten sich jüngst im Schulausschuss klar für die Aufhebung des Schulstandortes ausgesprochen. So jetzt auch Verwaltungschef Herwig Wöbse. Hartmut Post (CDU), zugleich Bürgermeister in Dünsen, gestand, er sei hin- und hergerissen. „Ich möchte aber nicht, dass wir ganz leer ausgehen und in Dünsen gar nichts mehr haben“, outete er sich vor der Beschlussfassung als Befürworter der Krippe in der Dorfschule. Heinz-Jürgen Greszik (SPD) hielt Post vor, die CDU-Fraktion habe ihn „im Regen stehen lassen und Sie weich gekocht, sodass Sie nun wohl sogar gegen das Votum des Dünsener Rates stimmen werden“.

Götz Rohde (Bündnis 90/Die Grünen) fand es gefährlich, dass „wir keine Nachhaltigkeit in den Beschlüssen haben“ und „eine Sachfrage, die wir erst vor zehn Monaten mit A beantwortet haben, nun mit B beantworten“.

Günter Wöbse (CDU) erinnerte an den Beschluss vom Januar, für die Grundschule Dünsen den Einzugsbereich zu erweitern und die Schule nicht zu schließen – mit dem Ergebnis, dass keine zusätzlichen Kinder angemeldet worden seien. „Von den fünf Dünsener Erstklässlern besuchen drei nicht die dortige Grundschule“, so der Ratsherr. Vor diesem Hintergrund sei es richtig gewesen, sich wieder mit dem Thema zu beschäftigen. Wöbse begrüßte den eingeschlagenen Weg, die Gemeinde Dünsen durch Installierung einer Krippe im Schulgebäude zu unterstützen. Zudem seien in einem Gespräch mit dem Lehrerkollegium in Dünsen zwischenzeitlich einige Dinge ans Tageslicht gekommen, die „darauf hingedeutet haben, dass die Perspektive für die Grundschule „Schlüssiges Konzept

für die Nachnutzung“

nicht rosig ist“. Es stehe dem Rat nicht an, erhebliche Investitionen in den Schulstandort zu tätigen, ohne zu wissen, wie es weitergehe. „Wir sind den Mitgliedskommunen gegenüber verpflichtet, ihnen finanziell entgegenzukommen und nicht alle Bürden auf sie abzuwälzen. Wir können mit der Aufhebung des Schulstandortes und der dortigen Einrichtung einer Krippe Einsparungen von rund 600000 Euro erzielen, und wir haben ein schlüssiges Konzept für die Nachnutzung des Gebäudes“, betonte Wöbse.

Manche Aussagen würden durch ständiges Wiederholen nicht richtiger, erwiderte Regina Huntemann (Bündnis 90/Die Grünen). Die zwei Anmeldungen für die Grundschule Dünsen hätten schon vor dem Ratsbeschluss vom Januar pro Erhalt des Schulstandortes vorgelegen. Die damals beschlossene Schulbezirkserweiterung hätte sich eigentlich erst auf die nächsten Anmeldungen auswirken können. „Aber diese Chance hat die Schule nicht bekommen. Das finde ich sehr schade.“

Die Schule in Dünsen sei einigen Ratsmitgliedern von jeher ein Dorn im Auge gewesen, „weil sie die einzig verbliebene Schule außerhalb des Fleckens“ sei, sagte Heinz-Jürgen Greszik (SPD). Mehrere Versuche in der Vergangenheit, den Einzugsbereich verpflichtend zu öffnen, seien fehlgeschlagen. Diese Bestrebungen hätten, weil sie halbherzig gewesen seien, ohne Erfolg bleiben müssen. Die SPD-Fraktion werde jedenfalls keine Unterstützung zur Aufhebung des Schulstandortes Dünsen leisten. „Das müssen Sie nun schon selbst machen“, so Greszik in Richtung CDU und HBL.

Für Horst Bokelmann mutete die am 5. November getroffene Ratsentscheidung auf der Grundlage eines verwaltungsseitig ausgearbeiteten Konzepts, wonach nun zwei Krippengruppen in der Grundschule Dünsen geschaffen werden sollen, an, als hätte sich für die Kinderkrippe in der Samtgemeinde kein geeignetes Grundstück finden lassen. „Das hat mir absolut nicht gefallen“, sagte er. Bokelmann kritisierte, wie schnell der Beschluss vom Januar mit einer vermeintlich ,eleganten‘ Lösung gekippt wurde. Und er wunderte sich über den Sinneswandel von vier Ratsmitgliedern der CDU. Die hätten im Januar für den Schulerhalt gestimmt, seien nun aber für die Krippe in Dünsen und damit für die Aufhebung des Schulstandortes. Den Eltern im Januar zu sagen, dass „eure Schule bleibt“, ihnen jetzt aber weismachen zu wollen, die Samtgemeinde habe keine Möglichkeit, die Krippe „woanders unterzubringen“, hielt der Ratsherr „für nicht gerade glücklich“. Er selbst werde allerdings in seinem Abstimmungsverhalten – wie im Übrigen schon im Januar – zum Ausdruck bringen, dass er gegen Erhalt der Dorfschule sei.

Rubriklistenbild: © dpa

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