Energie-Spartag an der Haupt- und Realschule/Kein Strom für Licht

Lehrer unterrichten im Kerzenschein

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Im Kerzenschein lesen die Neuntklässler unter anderem aus dem Roman „Schattenkinder“. Das ausgerechnet dieses Buch gestern an der Reihe war, sei aber Zufall, sagte Lehrerin Nadine Hellmich (rechts).

Harpstedt - Von Ove Bornholt. Wie die Vampire vor dem Sonnenlicht schreckten gestern einige Harpstedter Neuntklässler vor dem Blitz der Kamera zurück. Na ja, nicht ganz so wie Vampire, schließlich zerfielen sie nicht zu Staub. Aber das grelle Licht waren die Schüler einfach nicht mehr gewohnt. Beim Energie-Spartag verzichtete die Haupt- und Realschule nämlich bis auf einige Ausnahmen komplett auf Strom und damit auch auf elektrisches Licht. Nur Kerzen erhellten die Unterrichtsräume.

Etwas ungewohnt verlief der Start in den Schultag ebenso für einige Lehrer. Schließlich läuft die Kaffeemaschine nicht ohne Strom. „Wenn, dann müssen wir den Umwelt-Tag auch konsequent gestalten“, betonte Klassenlehrerin Nadine Hellmich, die aber ebenso einräumte, unter dem Kaffee-Entzug zu leiden.

Außer dem mangelnden Koffein sahen sich die Pädagogen auch mit der Dunkelheit im Lehrerzimmer konfrontiert. Besonders als es galt, die neuen Stundenpläne zu lesen. „Wir hingen mit Teelichtern über den Papieren, um sie zu entziffern“, berichtete Hellmich mit einem Lächeln.

Aber wer die Umwelt retten will, muss eben Opfer bringen. Wobei, das Klima rettet so eine Aktion natürlich nicht. Darum ging es Hellmich, die die Aktion organisiert hatte, aber auch nicht in erster Linie. Stattdessen gehe es darum, den Nachhaltigkeitsgedanken in den Köpfen der Schüler zu verankern.

Die zeigten sich ganz angetan von der Maßnahme. „Man kommt vom Bus, in dem auch nicht alles hell ist, in die dunkle Schule. Das ist schon okay“, sagte etwa Niklas Harries (16) aus Groß Ippener. Im Schein der Kerzen zu lesen, sei für ihn kein Problem. „Man spart ja auch Strom“, ergänzte er. Auf dem Plan stand gestern der Roman „Schattenkinder“, dessen Titel aber nicht in Bezug zu der Aktion steht.

Niklas‘ Sitznachbar Aron Schenk (15) sah es ähnlich. „Sonst ist das Licht im Klassenzimmer ja ziemlich grell“, sagte der Winkelsetter und zeigte nach oben. Er gestand aber auch, dass er sein Smartphone nicht ausgeschaltet habe.

Das sollten die Schüler allerdings tun. Im Idealfall auch gestern nach der Schule, hoffte Hellmich am Vormittag. Doch sie schätzte die Lage ein, ohne sich Illusionen zu machen: „Bei jüngeren Schülern ist das Abschalten der Handys realistischer. Älteren fällt es eher aber schwerer, darauf zu verzichten.“

Nicht ganz konnte der Schulbetrieb ohne Strom auskommen. Neben Notbeleuchtung bei Eingängen und an der großen Treppe zur Pausenhalle brannte auch in den Toiletten und im Verwaltungstrakt des Gebäudes Licht. Dort liefen auch Computer und Kopierer wie gewohnt.

Neben dem Energie-Spartag verwies Hellmich auf weitere Aktionen, um den Schülern den Klimaschutz näher zu bringen, wie zum Beispiel den Besuch beim Klimahaus in Bremerhaven oder die geplante gemeinsame Ausbildung von Energiewächtern mit dem Regionalen Umweltbildungs-Zentrum Hollen. Diese achten darauf, dass nicht zu lange Licht in den Klassenräumen brennt und während des Lüftens die Heizung aus ist.

Mit den Aktionen wolle man auch den Eltern deutlich machen, wie wichtig Klimaschutz sei, sagte Hellmich. Der Unterricht ohne Projektoren oder Fernseher sei für sie zumindest einmalig kein Problem. „Es gibt genug Alternativen ohne Strom.“

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