Beschwerden über Motocross-Szene

Endurofahrer heizen über Ozeanbrücke in Klein Amerika

Für große Lasten ist die Ozeanbrücke in Klein Amerika nicht ausgelegt. Moto-Cross-Fahrer haben darauf mit ihren Enduromaschinen nichts zu suchen. Screenshot: Bohlken
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Für große Lasten ist die Ozeanbrücke in Klein Amerika nicht ausgelegt. Moto-Cross-Fahrer haben darauf mit ihren Enduromaschinen nichts zu suchen. Screenshot: Bohlken

Klein Amerika – Die Offroad-Enduroszene sorgt in der Samtgemeinde Harpstedt weiterhin für Verdruss. Die Kritik am Gebaren mancher Moto-Cross-Fahrer will nicht abreißen. Nach Erfahrungsberichten im Rat der Gemeinde Groß Ippener und während eines Ortstermins am Rande einer Sandabbaugrube nördlich der A1 in Ortholz erzählt nun eine Mutter aus Stiftenhöfte von einer schon etwas unheimlich anmutenden Begegnung mit Endurofahrern während eines Spaziergangs in Klein Amerika.

„Meine Tochter und ich sind am Sonntag zur Ozeanbrücke gegangen. Es sah auf den ersten Blick so aus, als sei dort viel los. Da standen mehrere Autos. Aber die Leute verteilten sich gut. Ein Mann las Zeitung in der Schutzhütte. Auf der Brücke kam uns zunächst eine Familie mit einem kleinen, vielleicht gerade mal zwei Jahre alten Kind entgegen. Als wir weiter gingen, musste ich unvermittelt an die Zeitungsberichte über die Geschehnisse in der Gemeinde Groß Ippener denken: Auf der Ozeanbrücke, die bekanntlich aus Holz ist, fuhren gleich sechs Motorräder auf uns zu. Moto-Cross-Maschinen. Ich habe nur den Kopf geschüttelt. Die Fahrer hielten an. Ich erklärte ihnen, was sie da täten, gehe gar nicht. Die Brücke dürften nicht mal Radler auf ihren Fahrrädern befahren. Einer aus der Gruppe sah ganz freundlich aus, sagte dann aber provozierend: ,Fahrräder? Da muss man ja absteigen!’ Ich forderte ihn auf: ,Genau, steigen Sie doch bitte ab! Und machen Sie das nicht noch einmal!’ Daraufhin kam der zweite Fahrer hinter ihm mit einem bösen Gesichtsausdruck und den Worten ,Aus dem Weg!’ auf uns zugefahren. Erschrocken haben wir uns an die Seite gestellt.“

Die Gruppe sei sodann „wie blöd“ abgerauscht, erinnert sich die 56-Jährige, die ihren Namen in der Zeitung nicht genannt haben will – offenkundig aus Angst, lässt sich aus dem Gespräch mit der Stiftenhöfterin heraushören. Die Enduroszene ist ihr nicht ganz geheuer, und welche Reaktionen ihre vorgebrachte Kritik haben kann, vermag sie nicht einzuschätzen.

„Meine Tochter hat ganz spontan von der sich entfernenden Gruppe ein Video gedreht. Reifenspuren von den Motorrädern haben wir im weiteren Verlauf entdeckt. Auch bei einem Schild im Wald, das auf das Fahrverbot für Kraftfahrzeuge hinweist. Nummernschilder trugen die Maschinen nicht“, berichtet die Stiftenhöfterin.

Uns liegt ja gar nicht daran, sie nun unbedingt anzuzeigen, aber irgendwie lässt uns der Vorfall nicht los.

Mutter aus Stiftenhöfte

Wegen des Fehlens der Kennzeichen könnten Gemeinde und Polizei wohl wenig machen, ahnt ihre Tochter. Weil die Endurofahrer Helme trugen, seien sie obendrein praktisch „nicht zu identifizieren“.

„Uns liegt ja gar nicht daran, sie nun unbedingt anzuzeigen, aber irgendwie lässt uns der Vorfall nicht los“, räumt die Mutter ein. Hinzu komme: Die Ozeanbrücke in Klein Amerika sei gar nicht so wahnsinnig stabil. Wenn gleich ganze Motorradgruppen sie überquerten, sei das einem guten Erhaltungszustand sicher abträglich: „Da darf ja auch kein Pferd rüberlaufen.“ Fahrradfahrer müssten ihre Räder schieben. Viele marode Holzplanken seien erst im vergangenen Jahr gegen neue ausgetauscht worden. Ein Dorn im Auge ist der 56-Jährigen schon die Beliebtheit der zwischen Harpstedt und Prinzhöfte kurvigen Kreisstraße 286 bei Kradfahrern (mit zuweilen schweren bis schwersten Unfällen als Folge). Sie hofft, dass es nicht auch noch „zur Gewohnheit wird, Motorrädern im Wald zu begegnen“.

Anzeigen kommen, „wenn‘s draußen wärmer wird“

Dieses Phänomen gebe es aber schon Jahrzehnte; die Anzeigen mehrten sich erfahrungsgemäß, „sobald es draußen wärmer wird“, hieß es auf Nachfrage unserer Zeitung bei der Polizei in Wildeshausen. Ob die Beschwerden über die Offroadszene zugenommen hätten, lasse sich ganz schwer einschätzen.

Das Konfliktpotenzial bewegt sich jedenfalls auf einem recht hohen Niveau: Die Coronapandemie setzt den Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und der Sportausübung enge Grenzen. Viele Menschen zieht es in dieser Zeit in die Natur. Daraus ergeben sich vermehrt Situationen, in denen Spaziergänger auf Nordic Walker, Radler oder auch schon mal Motocrossfahrer treffen. Solche Begegnungen bergen generell das Risiko von „Spannungen“ und „Reibereien“ in sich. Das offenbart sich nun besonders deutlich.

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