Wie der Dialog funktionieren kann

Empathie und Taktik im richtigen Mix

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Für den Seniorenbeirat der Samtgemeinde Harpstedt bedachten Gaby Otto, Heinfried Sander, Günter Rohlfs und Erika Hormann (v.l.) den Referenten Jürgen Weemeyer (2.v.l.) mit einem Präsent.

Harpstedt - Von Anja Rottmann. Nicht nur Interessierte aus der Samtgemeinde Harpstedt wohnten am Dienstagabend der Informationsveranstaltung „Wir müssen reden! Wenn Eltern alt werden“ im Hotel „Zur Wasserburg“ bei; auch Teilnehmer aus Hude, Sandkrug und Wardenburg folgten der Einladung des Samtgemeinde-Seniorenbeirats. Referent Jürgen Weemeyer vom mobilen Sozial- und Pflegedienst „vacances“ aus Bremen verstand es meisterhaft, die Zuhörer für einen eventuell anstehenden Dialog zu diesem Thema zu sensibilisieren. Aus langjähriger Erfahrung - auch mit seinen eigenen Eltern - weiß der Gerontologe, wie immens wichtig es ist, über die eigenen Sorgen und Gedanken zu sprechen, gleichzeitig aber auch Hilfestellung und Lösungsmöglichkeiten anzubieten, um einen Denkprozess auf beiden Seiten in Gang zu setzen.

Wenn Eltern Hilfe brauchen, aber nicht wollen, stehen die Angehörigen zumeist vor einem großen Problem. Lässt sich das Autofahren im Alter nur noch mit großer Mühe bewältigen, stellt die Haushaltsführung Senioren vor fast unüberwindbare Hindernisse oder treten womöglich auch gesundheitliche Probleme auf, möchten die Kinder gerne eingreifen und mit den Eltern gemeinsam eine Lösung finden; da kann es um den erforderlichen Rollator gehen, um bauliche Veränderungen in der Wohnung oder um eine Putz- und Gartenhilfe.

Ein Patentrezept für eine grundsätzlich wirksame Überzeugungsstrategie konnte der Referent zwar nicht präsentieren, wohl aber auf vermeidbare Fehler hinweisen, damit die Senioren zunächst einmal ernsthaft zuhören. Machen sie nämlich gleich „dicht“, ist oft Trotz die Folge. Dann heißt es etwa: „Du willst ja nur erben!“ Oder: „Willst du mich ins Heim abschieben?“ Oder auch: „Wenn ich nicht mehr Auto fahren darf, kann ich ja gleich sterben.“ 

Erst denken, dann handeln - das empfehle sich auch und gerade für den Dialog der Generationen. Die jungen Leute sollten sich, so riet der Referent, fragen, was den Eltern besonders wichtig ist - das Eigenheim oder doch eher das Auto und die Mobilität? Es gelte, sich in die Senioren hineinzuversetzen. Gute Gespräche, so Weemeyer, begännen selten mit einem Fazit. Besser sei es, in entspannter Atmosphäre die eigenen Beobachtungen auszusprechen. Etwa: „Mama, du machst auf mich so einen müden Eindruck.“ Statt aber schon Antworten im Kopf parat zu haben, sei es ratsam, sich Gedanken zu machen, woran das liegen könnte. Eine Möglichkeit wäre es zu fragen: „Wenn du es dir aussuchen könntest - was würdest du dann als Erstes abgeben wollen?“

Blitzangriffe seien absolut zu vermeiden. Denn daraus resultiere Flucht oder Gegenangriff, bevor das Gehörte überhaupt das Großhirn erreicht habe. Das Ergebnis der gemeinsamen Suche nach Problemlösungen müsse keineswegs unbedingt den Vorstellungen der Kinder entsprechen. Auch komme es vor, dass die Eltern partout keine Veränderungen hinnehmen wollen. Eine kluge Reaktion könne sein: „Ich habe verstanden, dass du das jetzt nicht ändern möchtest. Ich akzeptiere das. Sag mir Bescheid, wenn sich an deiner Meinung etwas ändert!“

In kleinen Schritten zum Erfolg

Konkrete Probleme ließen sich mitunter in kleinen Schritten besser bewältigen. Nähe - zum Beispiel gemeinsames Einkaufen, im Anschluss gemütlich einen Kaffee trinken, die Gartenarbeit zusammen verrichten - könne hilfreich sein. „Wenn eine Veränderung erfolgreich erwirkt werden konnte, ist die erste Hürde gemeistert. Nachfolgende fallen dann leichter“, sprach Weemeyer aus Erfahrung.

Im Idealfall tauschten sich beide Seiten sehr frühzeitig aus und überlegten gemeinsam, welche Veränderungen für die Zukunft, für das Leben im Alter, möglich wären.

Kurioserweise könnten sich die Kinder manchmal den Mund fusselig reden, ohne Erfolg zu haben. Als Beispiel nannte Weemeyer die Anschaffung eines Rollators für mehr Mobilität. Wenn Freunde oder Nachbarn denselben Vorschlag machten, finde er oft plötzlich Akzeptanz: „Fritz hat gesagt, ich soll mir mal dringend einen Rollator zulegen, damit ich etwas mobiler bin. Ist doch eine gute Idee. Oder?“

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