Mit jedem Tag wächst die Sorge der Eltern / Ärger über geschlossene Botschaft

Elena Budzin steckt auf Fidschi fest

Arbeiten und Reisen, das wollte Elena Budzin in Neuseeland und Australien – und hatte bis vor Kurzem eine gute Zeit, wie das Foto zeigt. Foto: Budzin

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Ein halbes Jahr reisen und arbeiten mit dem Abi in der Tasche: Ihren Work-and-Travel-Aufenthalt in Neeseeland und Australien hatte sich Elena Budzin so schön vorgestellt. Und am Anfang ging auch tatsächlich ein Traum in Erfüllung. Dann aber wuchs sich Corona zu einer Pandemie aus, und nun kommt die junge Harpstedterin nicht von den Fidschi-Inseln weg. Die Bundesregierung hat zugesagt, gestrandete Urlauber mit Chartermaschinen zurückzuholen, aber das kann dauern. Mit jedem Tag, an dem die 19-Jährige fernab der Heimat festsitzt, wächst die Sorge ihrer Eltern.

„Elena ist Anfang November nach Neuseeland gereist. Zunächst war alles super. Sie hat nur positive Erfahrungen gemacht, viele gleichgesinnte Leute kennengelernt, ihren Lebensunterhalt auf Obstplantagen verdient und das ganze Land bereist. Mit Corona zerschlug sich dann zunächst der Plan, auch noch Australien zu bereisen, als klar war, dass nur noch Leute rein durften, die sich zunächst in Quarantäne begeben“, erzählt ihre Mutter Sabine Budzin. 

„Inzwischen kommt meines Wissens niemand mehr ins Land. Am 5. März flog Elena mit sechs Freunden auf die Fidschi-Inseln, um eine Woche Urlaub mit Sightseeing zu machen. Dort wie auch in Neuseeland war Corona noch nicht so präsent wie in der Bundesrepublik. Nur einen Tag, bevor Elena nach Neuseeland zurückfliegen wollte, gab es den ersten bestätigten Coronafall auf Fidschi“, berichtet die Mutter weiter.

Damit begann das Elend. Neuseeland reagierte sofort und schloss umgehend seine Grenzen. Einreisen durften von nun an nur noch die eigenen Staatsbürger. Elena Budzin und ihre Freunde verbrachten eine Nacht auf dem Flughafen in Nadi auf der Hauptinsel der Fidschis. Sie hätten die Hoffnung gehabt, „dort irgendwie wegzukommen“, erzählt Sabine Budzin. „Das ging aber nicht. Am nächsten Tag wollten sie sich an die deutsche Botschaft vor Ort wenden. Die aber ist wegen der Coronaangst geschlossen worden. Das muss mal sich mal vorstellen. Ich kann’s immer noch nicht fassen“, macht die Mutter aus ihrem Ärger keinen Hehl.

Ihr Mann Klaus schrieb daraufhin die Botschaft in Wellington in Neuseeland an. Mit ernüchterndem Ergebnis. Zurück kamen nur Informationen über die aktuellsten Einreisebestimmungen – sowie die lapidare Aufforderung, von weiteren Anfragen abzusehen und sich an das Auswärtige Amt zu wenden. „Das hat Elena gemacht. Sie musste sich – wie alle anderen in ihrer Lage – als Ausreisewillige in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND eintragen. Das erwies sich aber per Handy angesichts des schlechten WLANs auf Fidschi als unmöglich. Also haben wir es von zu Hause aus versucht. Es hat geschlagene acht Stunden gedauert, bis die Daten durch die überlastete Internetverbindung getickert waren“, schildert Sabine Budzin. Es sei doch ein Unding, die Gestrandeten einfach sich selbst zu überlassen – zumal es angesichts der Corona-Ausbreitung immer schwerer werde, eine Unterkunft zu bekommen.

Es gab nur noch eine Massenunterkunft

„Elena und ihre Freunde konnten zunächst auf die Schnelle nur Platz in einem 24-Bett-Zimmer in einem Hostel finden. Den Zustand der sanitären Anlagen kann ich mir lebhaft vorstellen. Inzwischen sind meine Tochter und sechs Freunde in ein kleines Appartement gezogen. Dort haben sie nun zumindest ein eigenes Bad und eine provisorische Küche“, berichtet die Mutter.

Bis Sonnabend hegten sie und ihr Mann berechtigte Hoffnungen auf eine schnelle Rückkehr ihrer Tochter. Sie nutzten die Chance, für Elena einen Transitflug über Singapur zu buchen – schon in dem Bewusstsein, dass etwas dazwischenkommen könnte, aber trotzdem voller Zuversicht. „Doch der Spuk war leider nicht vorbei“, bedauert Sabine Budzin. Weil ein Flughafenmitarbeiter positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet worden sei, „wird nun der Flughafen Nadi ganz geschlossen, und die Stadt steht vor dem Lockdown“. Will heißen: „Elena und ihre Freunde haben keine Option mehr, da jetzt wegzukommen.“

Das sei auf der einen Seite positiv, weil sie mit Blick auf die von der Bundesregierung zugesicherte Rückholaktion „nach oben auf der Liste rücken“. Andererseits aber werde es auf Fidschi nun weitere Einschränkungen geben. Und die beträfen auch die Taxen, also das einzige Fortbewegungsmittel, das noch genutzt werden könne, „um zum Lebensmittelmarkt oder zum Flughafen zu kommen“. Immer häufiger falle der Strom aus. „Im Moment haben Elena und ihre Freunde noch alles, was sie brauchen. Was aber, wenn einer aus der Gruppe krank wird?“, fragt sich Sabine Budzin.

In ihrer Not wandten sich die Eltern der jungen Harpstedterin an die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag. „Sie hat sich umgehend gekümmert, und wir haben aus dem Büro von Außenminister Heiko Maas die Zusage bekommen, dass an einer Rückholaktion gearbeitet werde. Elena und ihre Freunde versuchen, sich auf die Lage einzustellen. Doch die Situation besorgt uns als Eltern schon sehr. Denn es dauert womöglich noch zwei bis drei Wochen, bis Elenas Clique das Land verlassen kann. Das ist uns natürlich viel zu lang“, sagt die Mutter.

Andere sind in einer noch schlimmeren Lage

„Mit Susanne Mittag stehe ich in ständigem Kontakt. Sie bemüht sich nach Kräften um eine Lösung. Ich weiß gar nicht mehr, wen ich alles angeschrieben und angerufen habe. Alle haben geantwortet, waren mega nett und machen nach meinem Gefühl einen richtig guten Job. Aber natürlich sind ihnen, so mein Eindruck, auch ein Stück weit die Hände gebunden. Zumal es ja Menschen gibt, die noch in einer weit schlimmeren Lage sind als unsere Tochter. Da sitzen zum Beispiel Leute in Spanien auf einem Campingplatz fest und dürfen nicht mal mehr den Wohnwagen verlassen, weil der Verdacht besteht, dass sie sich mit Corona infiziert haben“, weiß Klaus Budzin. Auch er hofft, dass der persönliche Albtraum möglichst schnell vorüber sein möge und er Elena wieder in die Arme schließen kann.

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