Fachausschuss befasst sich mit Gutachten

Einzelhandel: Konzept jetzt online gestellt

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. „Das Entwicklungsziel für den Flecken Harpstedt ist (...) der Erhalt des heutigen Nahversorgungsangebotes. Das bedeutet aber auch, Modernisierungsabsichten, die der Standortsicherung dienen, positiv zu begleiten“, resümiert die Firma Cima in dem erarbeiteten Einzelhandelsentwicklungskonzept (EHEK), das nun inklusive dazu vorliegender Stellungnahmen über die Website harpstedt.de im Ratsinformationssystem nachzulesen ist.

Es findet sich im Sitzungskalender unter den Beratungsvorlagen für die öffentliche Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses wieder, die am Montag, 13. Februar, um 19 Uhr im Hotel „Zur Wasserburg“ beginnt. Das Gremium setzt sich dann mit den Inhalten des Cima-Gutachtens auseinander und wird über ein städtebauliches Entwicklungskonzept befinden. Eine komplexe Materie, wie sich anhand der Tagesordnung erahnen lässt; weitere Themen stehen nicht drauf.

Die in Harpstedt vorhandenen Lebensmittelmärkte hielten aktuell „keine leistungsfähigen und modernen Verkaufsflächenstrukturen vor“, urteilt die Cima im EHEK.

Konsumenten vermissen einen Drogeriemarkt

Grundsätzlich sollten sich nach Einschätzung des Fachbüros „potenzielle Verkaufsflächenerweiterungen und geplante Modernisierungen an der städtebaulichen Verträglichkeit für den Zentralen Versorgungsbereich“ (ZVB) Harpstedts messen lassen. Die Festlegung solcher ZVBs hat weitestgehend parzellenscharf zu sein. Die Cima definiert diesen „Kern“ für den Flecken klar auf Seite 42 des Konzepts. In Ost-West-Richtung reicht er vom Tielingskamp bis zur Lindenstraße. Der ZVB umfasst auch „Aldi“ und „Inkoop“. „Lidl“ und „Netto“ liegen dem Gutachten zufolge hingegen an einem „ergänzenden Nahversorgungsstandort“; einen weiteren erwägt die Cima an der Wildeshauser Straße nördlich des Carsten-Horst-Kamps; in Frage kämen aus Gutachtersicht Flächen beidseitig der Ortsdurchfahrt.

Das Fachbüro definiert konkrete Sortimentslisten. Die sollen dem Schutz ortskernrelevanter Sortimente und der Entwicklung des ZVB dienen. Die Cima empfiehlt als Grundsatzprinzip im Hinblick auf künftige Bauleitplanungen und Baugenehmigungen, Einzelhandelsbetriebe mit zentrenrelevanten Kernsortimenten „mit Priorität im Ortskern anzusiedeln“. Festlegungen dieser Art stehen freilich häufig der Umsetzung unternehmerischer Pläne als „Handicap“ im Wege. Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Aldi-Bauvorhaben am Westring in Wildeshausen.

Als zentrenrelevante Sortimente in Harpstedt stuft die Cima Bekleidung, Wäsche, Haus- und Heimtextilien ein, ebenso Schuhe, Sportbekleidung, medizinisch-orthopädische Waren, Bücher, Schreib-, Papier- und Spielwaren, Glas, Porzellan, Keramik und Geschenkartikel, Fotoartikel einschließlich Zubehör, Produkte aus den Branchen Optik und Akustik, Uhren, Schmuck, Lederwaren, Koffer und Taschen, Lampen, Leuchten, Unterhaltungselektronik, Weißgeräte, Musikalien und Musikinstrumente, Computer und Kommunikationselektronik.

Lebensmittel tauchen in dieser Liste für den ZVB aus nachvollziehbarem Grund nicht auf, denn solche Sortimente halten aktuell auch bereits die beiden bestehenden Supermärkte in der östlichen Peripherie vor.

Alle Supermärkte wollen wachsen

„Vor dem Hintegrund einer nachhaltigen Angebotsverbesserung in Harpstedt“ befürwortet die Cima die Ansiedlung eines der Nachfrage angepassten Drogeriefachmarktes mit bis zu 600 Quadratmetern Verkaufsfläche. Dies entspricht im Übrigen dem ausdrücklichen Willen der Konsumenten. Mit 178 Nennungen sind Drogerieprodukte in einer Befragung der Cima das im Flecken am meisten „vermisste“ Sortiment gewesen. Auf den Plätzen zwei und drei rangieren Bekleidung (117) und Baumarktartikel (40).

Die Erweiterungsvorhaben aller vier Lebensmittelversorger umreißt das Konzept auf Seite 60: Vergrößern wollen sich sowohl „Lidl“ (von 850 auf 1 .200 Quadratmeter Verkaufsfläche) und „Netto“ von 610 auf 1 .000 Quadratmeter) als auch „Inkoop“ (um weitere 700 auf dann 1. 800 Quadratmeter) und „Aldi“ (von 710 auf 1.000 Quadratmeter).

Die beiden letztgenannten Märkte hatten eine gemeinsame Standortverlagerung an die Wildeshauser Straße und Erweiterung dort ins Auge gefasst, waren mit diesem Ansinnen aber zunächst in den politischen Gremien „abgeblitzt“ – auch aufgrund heftigen Widerstands aus der Einwohnerschaft, insbesondere von Anwohnern des Carsten-Horst-Kamps. Die Cima urteilt indes, der jetzige Standort am Junkernkamp verfüge über „keine marktgerechten und leistungsfähigen Verkaufsflächenstrukturen“. Auch sieht das Fachbüro nur an der Wildeshauser Straße Entwicklungspotenzial.

Allerdings, so schränken die Gutachter ein, würde ein Abzug beider Märkte aus dem ZVB in die Peripherie die „Versorgungsfunktion des Hauptzentrums des Fleckens Harpstedt nachhaltig beeinträchtigen“.

Cima: Nicht zwei Märkte aus Ortskern abziehen

Daher empfiehlt die Cima, dass entweder „Inkoop“ oder „Aldi“ am „perspektivischen Nahverversorgungsstandort Wildeshauser Straße“ einen „leistungsfähigen“ Markt realisiert – aber nicht „Aldi“ und „Inkoop“. Derjenige, der am Junkernkamp verbliebe, hätte Gestaltungsspielraum „für eine städtebauliche und funktionale Neugestaltung der Altflächen“. Ob sich dort vielleicht ergänzend ein Drogeriemarkt realisieren ließe, sollte der Flecken nach Auffassung des Fachbüros „prüfen“. Obendrein sei „die Ansiedlung von weiteren kleinteiligen Facheinzelhandelsbetrieben des aperiodischen Bedarfs anzustreben“.

Die Industrie- und Handelskammer hätte ein EHEK für die Samtgemeinde für „zielführender“ gehalten. Grundsätzlich würde sie es begrüßen, wenn sich die beiden Märkte am Junkernkamp innerhalb des ZVB entwickeln könnten. Ein Verbleib von „Inkoop“ am jetzigen Standort wäre „wünschenswert“.

Rubriklistenbild: © dpa

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