Feuer und Flamme für die Brandschützer

Einstiger „Seiteneinsteiger“ Eric Hormann seit zehn Jahren an der Spitze der Harpstedter Wehr

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Oktober 2017: Ortsbrandmeister Eric Hormann (3.v.l.) bei der offiziellen Übergabe des neuen Einsatzleit- und Mannschaftstransportwagens. 

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Wie er zu den Brandschützern gekommen sei? „Als Seiteneinsteiger“, erinnert sich Eric Hormann, seit einem Jahrzehnt Ortsbrandmeister der 125 Jahre bestehenden Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt.

Sein heutiger Schwiegervater Werner Thomas sowie Holger Bahrs und Jörn Kruse hätten ihm das Mitmachen seinerzeit schmackhaft gemacht. „Ich war Feuer und Flamme für die Feuerwehr. Technik hat mich ohnehin interessiert. Das passte“, entsinnt sich der 45-Jährige. „Ich bin von Anfang an voll integriert worden“, fügt er hinzu.

Bereut hat er die Entscheidung bis heute nicht. Gleichwohl habe sich die ehrenamtliche Arbeit schon verändert. Und das habe viel mit den gestiegenen Ansprüchen zu tun. „Hing früher in einem Garten mal ein Ast von einem Baum herab, der herunterzustürzen drohte, sind die Leute zunächst zum Nachbarn gegangen, um das Problem gemeinsam zu lösen. Heute neigen viele dazu, sofort die 112 anzurufen. Aber das kennt ja auch der Rettungsdienst. Da bestellen Leute beispielsweise wegen Fiebers einen Krankenwagen“, weiß Hormann. Er erinnert sich daran, wie einst zu nachtschlafender Zeit, nach 1 Uhr, das Telefon klingelte und er auf einen in einem Baum festsitzenden Kauz hingewiesen wurde. Schmunzelnd schildert er seine erste Reaktion auf den Anruf: „Normal gehört der dahin!“, habe er gesagt.

„Das wird schon in Anspruch genommen“

Dass Brandmeldeanlagen die Feuerwehren oft vergebens ausrücken lassen, ärgert viele Kameraden. „Das kann man so und so sehen“, findet Hormann. „Ich persönlich rücke lieber zu zehn Einsätzen aus, bei denen nur Dunst den Alarm ausgelöst hat, als zu einem wirklichen Feuer. Ärgerlich ist es allerdings, wenn Fehlalarme auf schlecht gewartete Brandmeldeanlagen zurückgehen“, sagt der Ortsbrandmeister.

Eine generelle Verschiebung von Bränden zu Hilfeleistungen im Einsatzgeschehen kann er nicht feststellen. Mal überwiege das eine, mal das andere. „Letztes Jahr haben wir extrem viele Brände gehabt. Aber eben auch besonders zahlreiche Hilfeleistungen, vor allem bedingt durch Sturmschäden.“

Die Wetterkapriolen haben nach dem Empfinden Hormanns gewaltig zugenommen. Sowohl Stürme als auch extreme Niederschläge kämen inzwischen augenscheinlich häufiger vor als noch vor zehn Jahren. Der Einsatzabteilung der Harpstedter Feuerwehr gehört Eric Hormann nun schon seit 27 Jahren an. Er weiß um die psychische Belastung, die damit verbunden sein kann. „Wir sprechen darüber auch mit jüngeren Kameraden. Werden sie plötzlich sehr zurückhaltend und still, so kann das ein Zeichen dafür sein, dass ihnen etwas an die Nieren geht – beispielsweise schwer zu verkraftende Eindrücke bei einem Unfall-Einsatz auf der Autobahn.“

Werde die Belastung extrem, „können wir die Notfallseelsorge direkt zur Einsatzstelle holen“. Darüber hinaus gebe es die Möglichkeit der Nachbetreuung, etwa seitens der kirchlichen Notfallseelsorge. „Pastor i.R. Werner Richter aus Harpstedt hat das übrigens lange gemacht“, weiß Hormann. In welchem Maße dieses Angebot tatsächlich genutzt wird, „kriegen wir nicht so mit“, räumt der Ortsbrandmeister ein. Seine Vermutung: „Das wird schon in Anspruch genommen.“

Schwere Unfälle auf der A1 wie diese Karambolage vom 6. April mit tödlichem Ausgang halten die Feuerwehren seit Wochen und Monaten in Atem. Für die Einsatzkräfte bedeuten sie auch eine erhebliche psychische Belastung.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben insbesondere die vielen Unfälle auf der A1 den Einsatzkräften alles abverlangt. Fühlen sich freiwillige Feuerwehren damit nicht zuweilen überfordert? „Wir können das noch leisten“, spricht Hormann für die Harpstedter Brandschützer. „Das hängt auch mit der Kameradschaft zusammen. Ohne den bei uns herrschenden guten Mannschaftsgeist ginge das nicht. Und natürlich muss das Equipment stimmen.“

Vier Fahrzeuge im „Fuhrpark“ der Harpstedter Brandschützer hat die Samtgemeinde Harpstedt angeschafft: den 2017 übergebenen Einsatzleitwagen (ELW), das Tanklöschfahrzeug (TLF) 3000 (mit 3 000 Litern Wasser an Bord), das Hilfeleistungslöschfahrzeug (HLF) 20 (mit 2000-Liter-Tank und hydraulischem Rettungsgerät) sowie den Gerätewagen Logistik Schlauch (GLW), der 1000 Meter Schlauch mit sich führt.

„Das HLF 20 ist unsere Allzweckwaffe“

Die Feuerwehr Harpstedt nutzt zudem den vom Landkreis Oldenburg bereitgestellten Rüstwagen, der, so Hormann, zusammen mit dem HLF „am stärksten frequentiert“ und ebenfalls mit hydraulischem Rettungsgerät bestückt sei. Zudem stünden zwei Anhänger zur Verfügung – einer gehöre der Samtgemeinde, der andere dem Feuerwehr-Förderverein. „Unsere Allzweckwaffe“ nennt Hormann das HLF 20. „Das rückt bei allen Einsätzen, egal ob Feuer oder Hilfeleistung, als erstes aus“. Was die Technik angehe, so habe die Digitalisierung Einzug gehalten. Bemerkbar habe sich das insbesondere bei der erfolgten Umstellung auf Digitalfunk gemacht.

Das Nachwuchsproblem sei in der Feuerwehr Harpstedt zum Glück noch nicht so akut. Immer wieder mal verzeichne die Einsatzabteilung Neuzugänge, natürlich auch aus der Jugendfeuerwehr. Mitunter kämen sogar Leute hinzu, die „wie ich Seiteneinsteiger sind“. Hormann erinnert sich an einen Kameraden, der früher der Feuerwehr Heiligenloh angehörte. Heute wohne er in Harpstedt. Ein Wohnhausbrand in seiner Nachbarschaft habe ihn dazu bewogen „bei uns einzusteigen“. „Total klasse“ findet das der Ortsbrandmeister.

Jugendfeuerwehr „nullt“ zum fünften Mal

Frauen seien in der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt schon lange integriert, aber ihr Anteil sei mit etwa einem Zwölftel in der Einsatzabteilung immer noch recht niedrig. Gleichwohl seien sie eine echte Bereicherung. Natürlich insbesondere, wenn sie sich so engagierten wie Heike Barlage-Brandt oder Jana Pölking.

Letztere kümmert sich auch als Jugendfeuerwehrwartin um die Nachwuchsabteilung, und die wiederum feiert 2019 ein Jubiläum. Hormann: „Es gibt sie dann seit 50 Jahren. Unsere Jugendfeuerwehr ist die älteste im ganzen Landkreis.“ Ins Leben gerufen worden war sie von Willi Laue, der mittlerweile im Seniorenheim Hildegardstift in Groß Ippener wohnt. Er werde bei der 125-Jahr-Feier der Feuerwehr Harpstedt am 16. Juni auf dem Koems-Gelände (mit Kreisentscheid) dabei sein. „Er freut sich schon riesig darauf“, weiß Eric Hormann.

Einen ersten Überblick über das Jubiläumsprogramm hat unsere Zeitung bereits veröffentlicht.

www.kreiszeitung.de/lokales/oldenburg/harpstedt-ort52257/wettbewerben-rettungshunden-fahrzeugschau-tombola-party-9916055.html

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