SERIE „ALTE LIEBE“ (2): Eine Zeitreise ins wilde Chicago

Werner Deepe aus Beckeln besitzt einen 91 Jahre alten Ford Modell A

Werner Deepe mit seinem Ford Model A
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Seit 50 Jahren besitzt Werner Deepe seinen Ford Modell A. 

Beckeln – Sobald sich der Ford von Werner Deepe aus Beckeln schüttelnd in Bewegung setzt, beginnt eine Zeitreise – weit zurück ins vorige Jahrhundert.

Beim Blick durch die senkrechte Windschutzscheibe über die lange Motorhaube tauchen vor dem geistigen Auge Bilder aus dem wilden Chicago der dreißiger Jahre oder dem pulsierenden Berlin der Weimarer Republik auf.Wenn der Beckelner auf die Hupe seines Oldtimers drückt, ist die Illusion nahezu perfekt.

Zufällig bei einem Landwirt in der Garage entdeckt

Kein Wunder, Deepe sitzt am Steuer eines Modell A. Und das verließ die Fließbänder im amerikanischen Deerborn vor 91 Jahren. Im Besitz des Beckelners befindet sich das grüne Schmuckstück schon mehr als sein halbes Autoleben. „1970 oder 71 habe ich den Wagen zufällig bei einem Landwirt in der Garage entdeckt“, erinnert sich der 81-Jährige. 2 500 D-Mark legte er für das restaurierungsbedürftige Schätzchen damals auf den Tisch.

Infotainment aus dem Jahr 1930. .

Der erste Ausflug mit dem 25 PS-starken Oldi musste allerdings noch ein paar Jahre warten. Die Karosserie bekam eine neue Lackierung und die Sitze eine neue Polsterung. „Es dauerte außerdem, bis ich den Ford durch den TÜV hatte. Die Prüfer haben unter anderem über die Winker gemeckert“, erzählt Deepe. Deshalb montierte er Blinker von einem VW Käfer auf die Kotflügel.

Nie schneller als 70

„Nur um sie Jahre später wieder abzubauen“, ärgert sich Deepe noch heute. Denn irgendwann habe ihn ein Prüfer bei der Hauptuntersuchung gefragt, warum er die Winker stillgelegt und stattdessen Blinker montiert hätte. Also baute Deepe die Blinker wieder ab, schloss die von ihm gebohrten Löcher in den Kotflügeln, lackierte sie neu und reaktivierte die Winker. Regelmäßig unternimmt Deepe mit seinen Ford Ausflüge in die Umgebung und besucht Oldtimertreffen. „Aber nie schneller als mit 70 Stundenkilometern. Darüber hinaus ist das Fahren nicht mehr entspannt“, erklärt er.

Am Lenkrad wartet noch echte Handarbeit.

Am Lenkrad erwartet den Beckelner noch echte Handarbeit. Selbstverständlich unterstützen ihn weder Servolenkung noch Bremskraftverstärker. Auch das Schalten will geübt sein. Das unsynchronisierte Dreigang-Getriebe verlangt gefühlvolles Zwischengas. „Zwei Mal kuppeln und ein bisschen Gas geben, dann knarrt es nicht“, erläutert der 81-Jährige. Selbst das Tanken ist nicht mit dem Nachfüllen von Benzin getan. „Der Motor verlangt SuperPlus und zusätzlich Bleiersatz“, berichtet Deepe. Davon nicht zu knapp. Der großvolumige Vierzylinder genehmigt sich rund 30 bis 40 Liter auf 100 Kilometer. Völlig problemlos sei die Ersatzteilversorgung, sagt der Oldtimer-Fan. Die meisten Teile bekomme er bei einem Händler in München. Wenn der eines nicht habe, gebe es noch alles in den USA für das Modell A.

Mit einem lauten Knall durch die geschlossene Motorhaube

Die gemeinsame Zeit von Deepe und seinem Ford verlief fast pannenfrei. „Ein Mal gab es plötzlich einen lauten Knall und irgendetwas schoss durch die geschlossene Motorhaube. Ich habe die Sekunden gezählt, bis es wieder auf den Boden fiel“, erinnert sich der 81-Jährige. Ein Blick in den Motorraum offenbarte das Debakel. Eine Schaufel des Lüfterrades für den Kühler hatte sich gelöst und spektakulär verabschiedet.

Verkaufen wird Deepe seinen automobilen Schatz keinesfalls, obwohl ihm ein Interessent schon einmal 25 000 Euro bot. „Nach meinem Tod bekommt ihn mein Enkel“, erklärt er. „Ich habe ihn gefragt, was er einmal von mir erben möchte und er hat geantwortet: Den Ford.“

„Alte Liebe“ gesucht

Wer in der Samtgemeinde Harpstedt lebt und seine „Alte Liebe“ in der Kreiszeitung vorstellen möchte, kann sich per Telefon (04431/9891153) oder per E-Mail (redaktion.wildeshausen@kreiszeitung.de) an die Redaktion wenden.

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