Eine Pumpe für Extremfälle

Kleinerer Durchmesser für weniger Wasserverbrauch: Frank Bollhorst mit einem D-Schlauch sowie den Spritzen für D- und B-Schläuche. Fotos: Backhaus

Gut jeder fünfte Einsatz, zu dem die Feuerwehrleute in der Samtgemeinde Harpstedt 2019 ausrückten, war ein Sturmschaden. Die Feuerwehren der Kommune rüsten deshalb auf. In Beckeln gibt es nun eine Schmutzwasserpumpe. Ortsbrandmeister Frank Bollhorst macht sich trotzdem Sorgen.

VON KATIA BACKHAUS

Beckeln – „Dass wir von diesen Stürmen so betroffen sind, das kannte ich nicht“, sagt Frank Bollhorst. Der 48-Jährige kam bereits als Kind zur Beckelner Feuerwehr, seit 2016 ist er dort Ortsbrandmeister sowie stellvertretender Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Harpstedt. In den vergangenen Jahren hätten die Unwetterereignisse deutlich zugenommen. Erst im vergangenen Herbst ließ eine Windhose in Colnrade und Beckstedt zahlreiche Bäume umstürzen. Im August halfen Feuerwehren der Samtgemeinde bei einem Starkregenereignis in Delmenhorst.

„Da wäre diese Pumpe sicherlich sinnvoll gewesen.“ Bollhorst zeigt auf ein unscheinbares, silberfarbenes Gerät, das er aus dem Feuerwehrwagen gewuchtet hat. 2018 schaffte die Samtgemeinde die Schmutzwasserpumpe an. Sie ist in der Lage, ganze Keller trockenzulegen. Bollhorst zeigt mit den Fingern ein paar Zentimeter an. Es gehe nicht darum, einen Raum leer zu pumpen, in dem eine Waschmaschine ausgelaufen sei. Er zieht die Hände weit auseinander. „Ich meine: einen ganzen Keller voll mit Wasser.“ Alles, was maximal Tennisballgröße hat, geht durch die Rohre des Sauggeräts.

Damit ist es bei Extremfällen deutlich praktikabler als die Tragkraftspritze, die die Feuerwehrleute in der Regel einsetzen, etwa, wenn Löschwasser aus einem Teich gepumpt werden soll. Denn diese hat einen siebartigen Filter vor dem Schlauch, der durch Laub oder Ähnliches leicht verstopfen kann und das Gerät schützen soll. Diese Vorrichtung braucht das neue Saugteil nicht. Wichtig sei, zu wissen, wann es sinnvoll zum Einsatz kommen könne, und es bedienen zu können, sagt Bollhorst. „Sonst nützt es keinem was.“ Aus diesem Grund haben die Beckelner Feuerwehrleute Schulungen erhalten. Bislang die einzige Gelegenheit, bei der sie mit der Schmutzwasserpumpe gearbeitet haben.

Sie ist nicht das einzige Gerät, das die Einsatzkräfte für die Gefahr des extremer werdenden Wetters in Zeiten des Klimawandels wappnen soll. Bollhorst holt einen aufgerollten neongelben Schlauch aus dem Wagen und hält ihn neben einen mindestens doppelt so breiten weißen. Letzterer ist ein B-Schlauch – der größte, den die Feuerwehrleute nutzen. „Früher hieß es immer: Viel Wasser hilft viel“, erklärt Bollhorst. Doch inzwischen griffen sie, zum Beispiel bei Flächenbränden, lieber zur kleineren Version, dem D-Schlauch. „Man muss das bisschen Wasser, das man hat, konzentriert einsetzen.“

Denn bei einem Feldbrand sei der nächste Anschluss in der Regel weit weg und der Tank des Feuerwehrautos begrenzt. Deshalb komme es darauf an, das Löschwasser effektiver zu nutzen. Dafür haben die Beckelner vor Kurzem neue Verteiler und Spritzen für die kleineren Schläuche angeschafft. Außerdem holten sie sich Unterstützung: Bereits im vergangenen Jahr hätten sie einen „D-Schlauch-Workshop“ der Feuerwehr Hooksiel (Landkreis Friesland) besucht, berichtet Bollhorst. In diesem Jahr sollen die Ostfriesen für eine weitere Schulung in die Samtgemeinde kommen.

Gut gerüstet zu sein ist das eine. Das andere ist die Frage, ob die Einsatzkräfte sich Sorgen machen angesichts zunehmender Extremwetterereignisse. Bollhorst schweigt kurz. „Ja.“ Dann schweigt er noch einmal länger. „Das ist schon beängstigend.“ Die Situation in Australien sei zwar sicher nicht mit der Samtgemeinde vergleichbar, aber: „Wenn ich mich hier umgucke, was umzu ist: Das ist Wald. Und wir haben diese Trockenheit.“ Die Vorstellung, dass eine Extremlage wie ein Flächenbrand über mehrere Tage hinweg dauern könnte und bewältigt werden müsste, sei ebenfalls beängstigend. „Wo sollen die Leute dafür herkommen?“

Mehr Zusammenarbeit mit den vorhandenen Kräften sei der Weg, den die Samtgemeindefeuerwehren derzeit gingen, erläutert Bollhorst. Eine Spezialisierung der Ortsfeuerwehren sowohl bei der Ausrüstung als auch der Schulung der Brandschützer sei ein Aspekt davon. Er erzählt auch von einem Treffen mit dem Technischen Hilfswerk, das nicht nur Räum- und Bergungsgerät zur Verfügung hat, sondern auch das Know-how. Denn das sei am Ende entscheidend: Zu wissen, was zu tun ist.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Amsterdam schränkt Kiffer und Rotlicht-Tourismus ein

Amsterdam schränkt Kiffer und Rotlicht-Tourismus ein

Drama in Volkmarsen: Ökumenischer Gottesdienst 

Drama in Volkmarsen: Ökumenischer Gottesdienst 

Drama in Volkmarsen - Auto rast bei Rosenmontagsumzug in Menschenmenge

Drama in Volkmarsen - Auto rast bei Rosenmontagsumzug in Menschenmenge

Kochen mit Matcha bringt Farbe ins Spiel

Kochen mit Matcha bringt Farbe ins Spiel

Meistgelesene Artikel

„Begeisterung für Beruf immer behalten“

„Begeisterung für Beruf immer behalten“

Turnerbund bestätigt Radtke im Amt

Turnerbund bestätigt Radtke im Amt

Gershwin-Evergreens in zeitgemäßem Gewand

Gershwin-Evergreens in zeitgemäßem Gewand

Närrisches Treiben in Beckeln: Wo Bob, der Baumeister, auf wilde Tiere, Fee, Prinzessin und Squaw trifft

Närrisches Treiben in Beckeln: Wo Bob, der Baumeister, auf wilde Tiere, Fee, Prinzessin und Squaw trifft

Kommentare