„Fledermausforscher“ orten die fliegenden Säuger mit dem Bat-Detektor

Eine Maus mit Flügeln?

Aus so großer Nähe und so detailreich wie auf dem Foto, das Silke Kreusel hier zeigt, bekommt der Mensch die fliegenden Säuger sonst nicht zu sehen. Mit dem Bat-Detektor können jagende Fledermäuse hörbar gemacht werden. - Foto: an

Harpstedt - Wie kommt die Fledermaus zu ihrem Namen? Wer sind ihre nächsten Verwandten? Was hat sie mit Menschen gemein? Wie kann man sie schützen? Solche Fragen ließen sich am Donnerstagabend zehn Interessierte während einer Fledermauswanderung rund um den Harpstedter Amtshof mit Silke Kreusel vom Nabu Oldenburg beantworten – auf Einladung der Harpstedter Ortsgruppe des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu).

Über die bloße – mit Bildern veranschaulichte – Theorie hinaus kam der Bat-Detektor zum Einsatz, um die Tiere während ihrer nächtlichen Jagd auf Insekten aufzuspüren. Bestes Wetter herrschte dafür allerdings nicht. Bei Nieselregen und herbstlicher Kühle stellte Kreusel vorsorglich klar: „Eine Garantie, dass wir Fledermäuse sehen, gibt es nicht.“ Je stärker es regne, desto weniger Insekten seien unterwegs – und dann lohne es sich auch für die Fledermäuse nicht, sich „das Fell nassregnen zu lassen“.

Den Versuch, die Tiere aufzuspüren, startete die Gruppe dennoch. Zumal sie dabei jede Menge Wissenswertes über die geschützten fliegenden Säugetiere erfuhr. „Sie sind sehr scheu. Aus großer Nähe bekommt man sie kaum zu sehen“, sagte Kreusel, die ihren „Forschern“ ein auf Über-Lebensgröße vergrößertes Foto zeigte, auf dem eine fliegende Fledermaus bis ins Detail zu erkennen war. 

Ganz charakteristisch sei der flatterhafte, hektische Flug, an dem sich die nächtlichen Jäger gut von Vögeln, die noch in der Dämmerung unterwegs sind, unterscheiden ließen. „Weil sie ein bisschen aussehen wie Mäuse mit Flügeln, hat man ihnen den Namen Fledermäuse gegeben“, so Kreusel. Dabei seien sie mit den Nagern nicht näher verwandt. Schon gar nicht mit „Drachen“, wie eine Schulklasse, mit der Kreusel unterwegs war, vermutete.

Verwandt mit Igel und Maulwurf

Tatsächlich seien die nächsten Verwandten Igel und Maulwurf. Vom Knochenbau her seien die Fledermäuse sogar den Menschen gar nicht so unähnlich.

Eine Fledermaus-Mutter bekommt jeweils nur ein Junges. Das ist fingergroß, ganz nackt und blind, hat schon Flügelansätze und fertig ausgebildete Krallen, mit denen es sich beim Flug an der „Mama“ festhalten kann. Letzteres ist jedoch nur bei einem Umzug in ein neues Quartier nötig, denn mehrere Weibchen ziehen ihre Jungen in einer gemeinsamen Kinderstube auf. Gebärzeit ist im Juni. Nachdem sie fünf bis sechs Wochen gesäugt wurden, sind die Jungtiere bereits ausgewachsen und fangen an zu fliegen.

Grundsätzlich gebe es zwei Arten von Fledermäusen, so Kreusel: Die Baumfledermaus, die sich ihr Quartier in altem Baumbestand, ehemaligen Spechthöhlen oder ausgefaulten Stämmen suchen, und die frühere Höhlen- und heutige Hausfledermaus, die unter den Dächern von Gebäuden „wohnt“. 

„Gefährdet sind die Tiere vor allem deshalb, weil sie oft Schwierigkeiten haben, Unterschlupf zu finden. Besonders mit Blick auf Kinderstuben und Winterschlafplätze ist die Quartiernot groß“, sagte Kreusel. Denn es gebe immer weniger alten Baumbestand oder Gebäude mit offenen Dächern. Wer will, könne jedoch durch einfache Vorrichtungen am Dach oder spezielle Dachpfannen Platz für die fliegenden Säuger schaffen.

Schließlich ging es für die Teilnehmergruppe ans Suchen und Sichten. Mit dem Detektor ließen sich mehrere verschiedene Arten hörbar machen. Die Frequenz, mit der die Tiere Beuteinsekten orten, lässt sich am Detektor einstellen. Tatsächlich konnten die Teilnehmer drei verschiedene Arten orten und später auch beobachten: zwei Zwergfledermäuse unter den großen Eichen am Amtshof, zwei Rauhautfledermäuse im Innenhof und Wasserfledermäuse über dem Harpstedter Burggraben. - an

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